Schnellere Zeiten, mehr Action, mehr Spannung? Die selbst gesteckten Ziele erfüllte die "neue Formel 1" beim Großen Preis von Australien nur bedingt. Während die Erkenntnis, dass Ferrari zu den Silberpfeilen aufgeschlossen hat, die meisten Fans freuen dürfte, gibt es ein Sorgenkind, das sich nicht so leicht ausradieren lässt.
Mit lediglich fünf Überholmanövern auf der Strecke bot das erste Rennen der Saison auf dem Asphalt weniger Rennaction als erhofft. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 hatte es in Down Under noch 37 Überholmanöver auf dem Kurs gegeben. Das rundenlange Hinterherfahren ist etwas, an das sich die Zuseher wohl oder übel gewöhnen müssen.
Zwar bietet die Strecke in Melbourne von Natur aus wenig Überholmöglichkeiten, dennoch zeigten sich viele Experten von der geringen Anzahl der erfolgreichen Versuche überrascht. Auch die Fahrer malten ein düsteres Bild von der nahen Zukunft und glauben nicht, dass sich an diesem Umstand in dieser Saison viel ändern wird.
Hamilton fürchtet den "Zug auf der Strecke"
"Ich habe versucht näher ranzukommen, aber sobald man bis auf einige Sekunden dran ist, verliert man unglaublich viel Grip in den Kurven. Definitiv mehr als im letzten Jahr", erklärte Valtteri Bottas nach dem Rennen. Der Finne ging sogar noch weiter und sprach anschließend von einer "Schande". "Es wird sehr schwer, mit ähnlichen Autos um die Positionen zu kämpfen", orakelte der Mercedes-Pilot.
Auch Lewis Hamilton hält die aktuelle Entwicklung für alles andere als optimal. "In der Formel 1 war es schon immer schwer, einem anderen Wagen hinterherzufahren. Aber für mich ist es jetzt noch schlimmer als befürchtet. Ich hoffe nicht, dass wir für den Rest des Jahres einen Zug auf der Strecke bilden", sagte der Brite.
Wie dieser Zug aussehen kann, zeigten Nico Hülkenberg, Esteban Ocon und Fernando Alonso bei ihrem Dreikampf in den letzten Runden. Hülkenberg und Ocon kamen letztlich nur am Spanier vorbei, weil dieser ein Problem mit der Aufhängung hatte. "Nico und ich waren viel schneller als Fernando, aber wir konnten einfach nicht näher rankommen", klagte Ocon.
"Die 'dreckige Luft' ist ein Riesenthema, Überholen fast unmöglich. Ich hätte wahrscheinlich eine Sekunde schneller fahren können, aber es ging einfach nicht", fasste Hülkenberg nach dem Rennen zusammen.
Vettel: "Das ist das Problem"
Max Verstappen, für seine freche und aggressive Fahrweise bekannt, sieht die Sache ganz ähnlich: "Es ist sehr kompliziert, direkt hinter einem anderen Auto herzufahren. Sobald der Abstand weniger als zwei Sekunden beträgt, zerstört man sich die Reifen."
Sebastian Vettel hatte als Führender zwar nur selten mit diesen Problemen zu kämpfen, allerdings betrachtet auch er die aktuelle Entwicklung durchaus kritisch: "Schon in den letzten Jahren war es [das Überholen, Anm.d.Red.] hart, weil die Luftverwirbelungen die ganze Aerodynamik des Wagens gestört haben." Im Jahr 2017, in dem der Grip noch stärker von der Aerodynamik abhängt, sei dieser Effekt noch größer, gab der Heppenheimer zu bedenken.
Dass die Autos breiter sind und allein deshalb schon mehr Luft verwirbeln, führe zu noch mehr Turbulenzen, sagte der Deutsche. "Auf der Geraden hat man natürlich mehr Windschatten, aber wenn man in den Kurven nicht hinterherkommt, ist es sehr knifflig, überhaupt in den Windschatten zu kommen. Das ist das Problem", erläuterte der Ferrari-Pilot.


