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Thy exklusiv: "Hätte mir mehr Spielzeit erhofft"

Fühlt sich in Bremen endgültig angekommen: Lennart Thy
Fühlt sich in Bremen endgültig angekommen: Lennart Thy
Foto: © imago sportfotodienst
30. September 2016, 08:11
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Seitdem Alexander Nouri das Zepter beim angeschlagenen SV Werder Bremen übernommen hat, zeigt die Formkurve der Grün-Weißen nach oben. Plötzlich spielen sich Akteure in den Vordergrund, die zuvor kaum eine Rolle gespielt haben. Einer davon ist Lennart Thy, 24, der im Sommer vom FC St. Pauli nach Bremen zurückgekehrt ist und nach schwierigem Start zuletzt aufhorchen ließ. Im sport.de-Interview spricht der Stürmer exklusiv über den Effekt des Trainerwechsels, seine holprige persönliche Entwicklung und den großen Konkurrenzkampf an der Weser.

Herr Thy, am vergangenen Wochenende durften Sie gegen den VfL Wolfsburg ihr erstes Bundesligator feiern. Wie fühlt sich das an?

Ich hab mich natürlich sehr gefreut, gerade weil es im heimischen Weserstadion zu so einem wichtigen Zeitpunkt passiert ist. Das ist mir in meiner ersten Zeit bei Werder ja leider nicht gelungen. Von daher ist es schon eine Erlösung, dass es jetzt endlich geklappt hat mit meinem ersten Bundesliga-Tor. Speziell, da es zum Sieg beigetragen hat, werde ich es natürlich immer in positiverer Erinnerung halten, als wenn es nur ein Ehrentreffer zum 1:5 gewesen wäre.

Dabei fiel auf, dass Sie ihren Treffer trotz seiner Bedeutung eher nüchtern gefeiert haben. Warum?

Ich plane vorher nicht, was ich mache. Es war zu dem Zeitpunkt einfach so, dass es nicht so aus mir herausgeplatzt ist. Es gab keinen bestimmten Grund dafür.

Zwischen 2010 und 2012 standen Sie bereits im Profikader von Werder, damals noch unter Thomas Schaaf. Von welchen Mitspielern haben Sie damals am meisten lernen können?

Es gibt einige aus der früheren Zeit bei Werder. Pizarro, Rosenberg, Almeida – da hab ich natürlich gerne hochgeschaut, das waren Topstürmer. Bei St. Pauli war es Marius Ebbers. Natürlich schaut man sich von denen was ab. Jetzt ist es aber auch an der Zeit, meinen eigenen Weg zu gehen. Es gehört natürlich immer dazu, sich gute Dinge abzugucken, aber inzwischen habe ich meinen eigenen Spielstil gefunden.

Kommen wir zu den vergangenen, ereignisreichen Wochen bei Werder. Alexander Nouri hat Viktor Skripnik - vorerst - abgelöst. Wie war die Stimmung innerhalb des Teams vor dem Trainerwechsel?

Ich glaube, dass wir immer eine gute Harmonie in der Mannschaft hatten. Das spürt man immer in der Kabine und auf dem Trainingsplatz. Leider haben wir diese Stimmung in den ersten Spielen nicht auf den Platz bekommen. Das sieht man an den Ergebnissen und an den Auftritten. Das war natürlich schade. Aber wie man in den letzten zwei Spielen gesehen hat, hat sich an der Mannschaft ja eigentlich nicht viel verändert. Es stehen immer noch fast die gleichen elf Spieler auf dem Platz. Vielleicht war es auch eine Einstellungssache. Die Stimmung war aber trotz der negativen Ergebnisse noch positiv, wenn auch etwas gedrückt.

Dennoch wirkt die Mannschaft befreit, seitdem Nouri im Amt ist. Was hat er in der kurzen Zeit bewirken können?

Man spricht ja gerne davon, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht. Dass alles wieder auf Null gestellt wird, hat man ja auch an der Kaderzusammenstellung gesehen, denn Alexander Nouri hat ein paar neue, junge Kräfte reingeworfen. Ich glaube, dass durch den Wechsel jeder nochmal an seine Schmerzgrenze geht, ein paar Prozentpunkte mehr gibt, beweisen will, dass wir es besser können. Es gibt nur noch wenige unangefochtene Stammkräfte, alles wird durcheinandergemischt. Zudem hat er uns so eingestellt, dass wir uns zuerst einmal auf uns als Mannschaft konzentrieren, unsere Aufgaben erledigen, Zusammenhalt zeigen. Das hat schon ganz gut geklappt.

In schweren Zeiten sind in jeder Mannschaft die Führungsspieler gefragt. Gehen auch Sie voran?

Ansprechpartner für jüngere Spieler zu sein, entwickelt sich nach und nach. Wenn einer kommt, stehe ich ihm gerne mit Rat zur Seite, ist doch klar. Ich bin kein ganz junger Spieler mehr, habe viel Erfahrung gesammelt. So will ich auch auftreten.

Die Taktikfrage ist ein Dauerthema beim SVW. Seit Jahren zählt Werder zu den defensivschwächsten Mannschaften der Bundesliga. Eine Frage der Ausrichtung?

Ich denke, dass wir die richtigen Spieler für verschiedene Ausrichtungen haben. Wir können auf Ballbesitz spielen, aber in den ersten Begegnungen hat es sich angeboten, etwas tiefer zu stehen. Entweder ganz hinten drin, um uns Raum zum Kontern zu schaffen, oder ganz vorne, um schnelle Ballgewinne zu haben. Das hat im letzten Spiel endlich geklappt, wo wir kaum was zugelassen und vorne viele Torchancen herausgespielt haben. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Weg. Was danach kommt, was für kommende Spiele die Devise sein wird, ist eine andere Sache. Wir haben auf jeden Fall die richtigen Spieler, um mehr auf Ballbesitz zu spielen. Das wird sich aber in den nächsten Wochen ergeben.

Noch einmal zurück zu Ihrer Situation. Sie wurden im Winter gemeinsam mit Thanos Petsos und Justin Eilers ablösefrei verpflichtet, damals noch von Thomas Eichin. Nach dessen Abschied ging Nachfolger Frank Baumann auf große Einkaufstour. Hat Sie die Entwicklung verwundert?

Dass gefühlt alle Verantwortlichen mittlerweile weg sind, die mich im Winter geholt haben, kommt im Fußball nunmal vor. Letztendlich setzt sich Qualität durch, man sieht ja, wer im Kader steht. Da spielt keine Rolle, wer im Winter oder Sommer gekommen ist. Die Trainer arbeiten mit denen, die da sind, und treffen ihre Auswahl.

Also sind Sie bislang zufrieden?

Hätte ich vor der Saison unterschreiben können, dass ich in vier Spielen zum Einsatz komme und gegen Wolfsburg mein erstes Bundesligator schieße, hätte ich es gemacht. Vielleicht hätte ich mir ein bisschen mehr Spielzeit erhofft. Trotzdem kann ich mit den ersten Schritten hier zufrieden sein, um erst einmal wieder in der Liga anzukommen. Dafür hab ich ein bisschen Zeit gebraucht. Ich versuche einfach, viel zu spielen.

Gar nicht so leicht bei einem Lizenzspielerkader von rund 35 Mann. Fürchten Sie nicht um ihren Platz?

Fußball ist schnelllebig. Wenn alle fit sind, herrscht natürlich ein enormer Konkurrenzkampf. Hoffen wir, dass das gut für uns ist. Dass kurzfristig hier und dort Unzufriedenheit herrschen kann, gehört dazu. Dafür hat man jede Trainingswoche, um sich neu zu beweisen. Man hat doch jetzt gesehen, dass man eine Woche nicht im Kader und kurz darauf in der Startelf stehen kann. Man sollte nie aufstecken.

Zuletzt wurde Ihnen trotz der Ausfälle von Claudio Pizarro und Aron Jóhannsson der eher unerfahrene Ousman Manneh vorgezogen. Ein Tiefschlag?

Dass ich am Anfang enttäuscht war, ist klar. Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Natürlich hätte ich mir gewünscht und hab am Anfang auch gedacht, dass ich von Anfang an spielen würde. Aber das muss ich so akzeptieren. Ich habe aber in beiden Spielen, in denen ich eingewechselt wurde, alles gegeben, gute Leistungen gezeigt und mich dann gegen Wolfsburg auch endlich belohnt.

Das Interview führte Heiko Lütkehus

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