Selten war die Hoffnung auf eine Vielzahl deutscher Etappensiege vor einer Tour de France größer gewesen. Doch nach den sehr erfolgreichen letzten Jahren, fiel die Ausbeute an Erfolgen enttäuschend aus. sport.de zieht ein Fazit.
"Wir sind wahrscheinlich mit der stärksten Besetzung der letzten Jahre angetreten, trotzdem sind die Erfolge im Vergleich mager ausgefallen", beurteilte ein niedergeschlagener Tony Martin die Tour kurz vor Ende in Paris. In der Tat ließen die Ergebnisse zu wünschen übrig. Der Überblick:
Marcel Kittel
24 Tour-Etappensiege hatten deutsche Fahrer in den letzten fünf Jahren geholt - mehr als jede andere Nation. Besonders die Sprinter zeigten sich dafür verantwortlich. Allein Marcel Kittel hat insgesamt neun Triumphe auf seinem Konto. Doch in diesem Jahr lief es nicht so optimal, wie es sich der Mann von Etixx-Quick Step gewünscht hätte.
Sein eigentliches Ziel, schon auf den ersten Etappen die Sprints zu dominieren, um sich für wenige Tage das Gelbe Trikot zu schnappen, scheiterte an einem überragenden Mark Cavendish. Immerhin sicherte sich Kittel auf der vierten Etappe den Sieg in Limoges. Ein Zeichen, das nach dem Tour-Aus von Mark Cavendish mehr Hoffnungen auf einen abschließenden Triumph in Paris macht.
André Greipel
In Paris will auch André Greipel einen versöhnlichen Schlusspunkt hinter eine alles in allem für ihn enttäuschende Tour setzen. Hatte er im vergangenen Jahr noch beachtliche vier Etappensiege eingefahren, musste sich der gebürtige Rostocker bisher in jedem Sprint geschlagen geben. Vor allem an seinem Geburtstag, dem 16. Juli, hätte sich der "Gorilla" gerne selbst mit einem erfolgreichen Schlussspurt belohnt, landete aber nur auf dem sechsten Platz.
Ähnlich wie für Kittel gilt aber auch für Greipel: Da Cavendish, der bisherige Sprinterkönig was Etappensiege angeht, die Tour verlassen musste, sind die Chancen auf ein einen Sieg in Paris gestiegen. Der bisher Erfolglose meinte selbst: " Am Sonntag habe ich natürlich die Chance, meine Tour zu retten, und das versuche ich auf jeden Fall." Greipel wie auch Kittel haben damit bereits Erfahrungen. Seit 2013 triumphierten nur die beiden deutschen Sprinter auf der Champs-Élysées.
Tony Martin
Ernährungsumstellung und andere Tricks haben nicht funktioniert. Tony Martin schuftete als Anfahrer für Marcel Kittel und attackierte selbst in den Bergen. Am Ende fehlten deswegen die Körner für seine Spezialdisziplin. Im Zeitfahren wollte der dreifache Weltmeister seinem Ruf gerecht werden und natürlich den Etappensieg einfahren. Doch weit gefehlt - Martin wurde enttäuschender Neunter, lag zwei Minuten hinter Gewinner Tom Dumoulin. "Die Form ist gut, es stimmt eigentlich alles. Trotzdem ist irgendwie der Wurm drin", sagte Martin nachher. Im späteren Bergzeitfahren hatte der gebürtige Cottbuser dann von vornherein keine Chance. Seitdem rollt der 31-Jährige seinem großen Ziel, den Olympischen Spielen in Rio, entgegen.
Emanuel Buchmann
Emanuel Buchmann ist die kommende deutsche Hoffnung, wenn es um Erfolge im Gesamtklassement geht. Der 23-Jährige formulierte vor der Tour das Ziel, unter die Top-20 fahren zu wollen. Vor Paris liegt der Ravensburger auf dem 21. Platz mit 47 Minuten Rückstand auf Chris Froome. Sein Ziel erreicht Buchmann deswegen wohl nicht ganz. Oft verpasste er die starken Ausreißergruppen, hielt dafür allerdings meist mit den Favoriten mit und schwächelte nur selten.
Klar, die Hoffnungen waren groß, dass er sein Ziel übertreffen und vielleicht sogar einen erfolgreichen Ausreißversuch starten könne, doch am Ende muss man mit dem Ergebnis zufrieden sein. An Erfahrung hat Buchmann für die nächsten Jahre allemal gewonnen.





