Der ehemalige Weltstar Andriy Shevchenko feixte auf der Bank, seine Nachfolger im Angriff präsentierten sich in EM-Form - und doch blickt die Ukraine nach der gelungenen Generalprobe ihrem Auftaktspiel bei der EURO gegen Weltmeister Deutschland mit Sorge entgegen. Torhüter Andriy Pyatov patzte auch gegen Albanien, den nominell schwächsten EM-Starter.
"Ich kenne keinen Coach, der jetzt schon zufrieden wäre", sagte Nationaltrainer Mikhail Fomenko nach dem 3:1 (1:1) gegen den EM-Neuling in Bergamo: "Die Jungs sind gewarnt: Die Fehler, die heute passiert sind, dürfen wir morgen und übermorgen nicht wiederholen."
Das gilt vor allem für "Wiederholungstäter" Pyatov. Der 31 Jahre alte Schlussmann von Shakhtar Donetsk ging beim zwischenzeitlichen Ausgleich von Armando Sadiku (12.) im Stile einer Bahnschranke zu Boden - und ließ den haltbaren Schuss passieren. In der Folge irrte Pyatov bisweilen orientierungslos durch seinen Strafraum, doch anders als beim 4:3 im vorletzten Test gegen Rumänien musste er nicht mehr hinter sich greifen. Albaniens Ermir Lenjani traf nach einem Stellungsfehler des Keepers nur den Pfosten (56.).
"Es bleibt noch immer etwas zu tun"
Pyatov ist bei Fomenko und Assistent Shevchenko trotz seiner wiederholten Pannen unumstritten. Er stand bereits bei der EM-Premiere 2012 im eigenen Land zwischen den Pfosten (vier Gegentore in drei Spielen) und verfügt mit 64 Länderspielen über deutlich mehr Erfahrung als seine Konkurrenten Denis Boyko (Beşiktaş Istanbul/vier Spiele) und Nikita Shevchenko (Zorya Lugansk/kein Einsatz).
Überhaupt war Fomenko milde. "Manches hat geklappt, andere Dinge nicht. Es bleibt noch immer etwas zu tun", sagte er, und: "Fehler kann man nur durch Üben korrigieren." Bis zum Auftakt am 12. Juni in Lille gegen den Weltmeister bleibt der Nummer 19 der Weltrangliste noch eine Woche Zeit.
Fomenko verspricht "anderen Fußball"
Die Flügelzange mit den Topstars Andriy Yarmolenko und Evgen Konoplyanka funktioniert schon jetzt. Nach dem Führungstreffer durch Taras Stepanenko (8.) nach Vorarbeit von Konoplyanka stellten Yarmolenko (49.) und Konoplyanka (87.) den vierten Sieg im vierten Spiel 2016 sicher. Aber: Beide Starspieler erhielten gütige Unterstützung der Albaner um den Kölner Mergim Mavraj. Beim 2:1 patzte Torwart Etrit Berisha, beim 3:1 Abwehrspieler Ansi Agolli.
"Unsere Einstellung und Motivation wird ganz anders sein, wenn es los geht", sagte Trainer Fomenko, "es wird eine andere Mannschaft sein, anderer Fußball." Wobei: Die Startelf von Bergamo dürfte bis auf ein, zwei Ausnahmen jene für Lille sein. Vor Pyatov spielt erneut das Quartett Artem Fedetskiy, Yaroslav Rakitskiy, Evgen Khacheridi und Vyacheslav Shevchuk.
Zozulya hat seinen Platz sicher
Im defensiven Mittelfeld ist Stepanenko gesetzt, gegen Albanien durfte neben ihm zunächst der junge Sergiy Sidorchuk ran, für den der erfahrene Ruslan Rotan kam. Zwischen den Außen Yarmolenko und Konoplyanka spielte in Halbzeit eins Denys Garmash, in der zweiten Hälfte der von den Medien favorisierte Jungstar Viktor Kovalenko. Vorne hat Roman Zozulya seinen Platz sicher.
Für Rekordnationalspieler Anatoliy Tymoshchuk ist in der ersten Elf kein Platz mehr, in Bergamo kam er erst in der Nachspielzeit. Davor saß er lange neben Kumpel Shevchenko auf der Bank und scherzte. Aber natürlich nicht über Pyatov.







