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Pfiffe gegen Schürrle und Draxler

Foto: © getty, Stuart Franklin
13. Dezember 2015, 11:02

Die Frage nach den Pfiffen beantwortete Dieter Hecking nur ganz kurz. "Das kann ich nicht nachvollziehen", knurrte der Trainer des VfL Wolfsburg und ließ erahnen, wie sehr ihn die Unmutsäußerungen beim unbefriedigenden 1:1 (0:1) gegen den Hamburger SV geärgert hatten.

Es pfiffen zwar nur wenige Zuschauer, aber deutlich vernehmbar - und es richtete sich vor allem gegen die Nationalspieler André Schürrle und Julian Draxler. Torschütze Maximilian Arnold (78.) wurde deutlicher als sein Trainer. "Die Pfiffe gehören sich nicht", sagte der Jungprofi, der nach dem frühen Hamburger Tor durch Nicolai Müller (21.) zumindest einen Punkt gerettet hatte. Dass die VfL-Leistung in der ersten Halbzeit zumindest keinen Applaus verdient hatte, war aber auch Arnold klar.

Vier Tage nach dem erstmaligen Einzug ins Champions-League-Achtelfinale wurden die Wolfsburger ihren eigenen Ansprüchen in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht gerecht. "Wir werden besser spielen müssen, weniger Fehler machen müssen, um am Ende wieder einen Champions-League-Platz zu kriegen", fasste Manager Klaus Allofs ernüchtert zusammen.

Im Alltag gestolpert

In der Königsklasse zogen die Wolfsburger mit dem Sieg gegen den Renommierclub Manchester United als Tabellenerster unter die besten 16 Clubs Europas ein, doch im Alltag stolpern sie zu häufig und liegen nur auf Platz fünf der Tabelle. Die verwöhnten VfL-Fans reagieren ungnädig. "Dass die Erwartungshaltung eine andere ist, wissen wir auch", sagte Allofs.

Das galt gegen den kampfstarken HSV nicht nur für den zuletzt oft schwachen Schürrle und den dieses Mal schwachen Draxler. Das galt vor allem für Dante. Der Brasilianer vertändelte Mitte der ersten Halbzeit leichtfertig den Ball gegen Pierre-Michel Lasogga, den Nachschuss verwandelte Müller zur Hamburger Führung. 

"So darf man Tore nicht herschenken", monierte Allofs: "Wenn wir uns da oben festsetzen wollen, dann darf uns das nicht passieren." Vor einer Woche war es Josuha Guilavogui, der bei der Niederlage gegen Borussia Dortmund mit einem ähnlichen Patzer unangenehm aufgefallen war. Jetzt stümperte Dante.

Dante hätte es besser wissen müssen

"Dante weiß, dass Lasogga attackiert", kritisierte Allofs: "Wir waren ja vorbereitet." Die Folge des unnötigen Rückstandes: "Wir mussten drängen, drängen, drängen, und dann kommen solche Spiele zustande."

Es war nicht die einzige schwache Szene von Dante. Der von Bayern München geholte Innenverteidiger war mit seiner umständlichen Art öfter ein Unsicherheitsfaktor und begann ähnlich lethargisch wie etwa Draxler. "Man erhofft sich natürlich, dass man mit ihm diesen Schuss Erfahrung dazu holt, damit so etwas nicht passiert", sagte Allofs über den Brasilianer.

Dass Lassoga zum Zeitpunkt von Dantes schlafmützigem Fehler nicht mehr auf dem Feld hätte sein dürfen, ist eine andere Geschichte. Wenige Minuten vor dem Ballklau hatte der Hamburger Angreifer den Wolfsburger böse getreten und durfte nur dank der Großzügigkeit von Schiedsrichter Wolfgang Stark mit einer Gelben Karte weiterspielen. Nicht nur der ehemalige Weltklasse-Referee Markus Merk fand als Sky-Experte: "In dieser Situation sind alle Kriterien für Rot erfüllt." 

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