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"Ansatz von Suizidgedanken"

Biathlon-Olympiasieger war "mental zeitweise tot"

Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch spricht über seine Depressionen
Biathlon-Olympiasieger Michael Rösch spricht über seine Depressionen
Foto: © IMAGO/Steffen Proessdorf
24. Februar 2026, 11:09
sport.de
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Der frühere Biathlon-Star Michael Rösch hat erstmals über seine schweren Depressionen gesprochen.

"Der Olympiasieg war öffentlich. Der schwerste Kampf fand im Stillen statt. Mental war ich zeitweise tot", gestand der 42-Jährige der "dpa".

Nach dem Staffel-Gold 2006 in Turin konnte das damals 22 Jahre alte Biathlon-Talent die hochgesteckten sportlichen Erwartungen nur teilweise erfüllen. Der ganz große Erfolg blieb aber aus. Außerdem plagten Rösch finanzielle Probleme.

Einen ersten Tiefpunkt erlebte er 2009 bei einem Weltcup-Rennen im slowenischen Pokljuka. "Ich bin mit einem Müllsack über der Schulter aus dem Stadion gegangen – innerlich war ich gebrochen", schilderte Rösch im Podcast "Nacksch – vom Olympiasieg in die Depression".

Sportlich ging es bergab. Der heute 42-Jährige verlor seinen Platz im deutschen Weltcup-Kader, verpasste die Olympia-Teilnahme 2010 in Vancouver. Einen Psychologen konsultierte er trotz seiner Probleme nicht. "Wer Hilfe sucht, galt als nicht belastbar", erzählte Rösch.


Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter 112. Sie erreichen die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222.


Nach 2010 verschlechterte sich seine Situation. Er erlebte Panikmomente, wurde 2012 vor der Heim-WM in Ruhpolding vom DSV ausgemustert und geriet damals auch in Streit mit dem Verband.

Sein Manager riet ihm zu einem Nationenwechsel, Rösch nahm die belgische Staatsbürgerschaft an. Dafür aber musste er seinen Beamtenstatus bei der Bundespolizei aufgeben. Der Wechsel zog sich bis Januar 2014 hin, eine Zeit, die Rösch einst im "Tagesspiegel" als Hölle bezeichnet hatte. Jetzt erklärte er, er habe im Januar 2013 erstmals den "Ansatz von Suizidgedanken" gehabt.

Biathlon: Rösch in einer "lebensbedrohlichen Situation"

2015 streikte auch der Körper. Nach der Diagnose Drüsenfieber und einem Achillessehnenriss wenige Tage nach einer Operation kam es zu einer "lebensbedrohlichen Situation", wie das frühere Biathlon-Ass schilderte. "Die Monate danach waren ein Dahinvegetieren."

Konsequenzen ergriff Rösch erst nach seinem Karriereende 2019 und einem emotionalen Zusammenbruch. Im Mai 2019 begab er sich erstmals in die Notfallambulanz. Es folgten Medikamente und über 50 Therapiesitzungen. "Es war wie ein Nebel – und plötzlich war blauer Himmel", blickte Rösch auf diese Zeit zurück.

Er betonte, die Therapie sei "kein abgeschlossener Prozess" - und appellierte an andere Betroffene, sich Hilfe zu suchen.

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