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"Fast schon stümperhaft"

Scharfe Kritik nach deutschem Biathlon-Debakel

Biathlon-Legende Sven Fischer findet deutliche Worte
Biathlon-Legende Sven Fischer findet deutliche Worte
Foto: © IMAGO/christian heilwagen
23. Februar 2026, 14:35
sport.de
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Der viermalige Biathlon-Olympiasieger Sven Fischer findet kritische Worte angesichts des deutschen Debakels bei den olympischen Wettbewerben in Antholz - und regt Konsequenzen an.

"Enttäuscht kann man nur werden, wenn man ganz viel erwartet. Das war bei mir nicht der Fall. Ich finde es schade, dass wir vorn nicht stärker mitkämpfen konnten. Aber im Prinzip bestätigten sich bei den Olympischen Spielen nur die Ergebnisse vom Weltcup: Gute Leistungen ja, Podium nur selten", sagte Fischer der "WAZ".

Das deutsche Biathlon-Team hatte in Antholz lediglich eine einzige Medaille geholt, Bronze in der Mixed-Staffel - eine historisch schwache Ausbeute.

"Einerseits ist die Konkurrenz deutlich größer als in der Vergangenheit. Andererseits hätte in der Vorbereitung auf die Spiele das eine oder andere besser laufen können", nannte Fischer die Gründe für diese Horror-Bilanz. "Nicht jeder war zum Saisonhöhepunkt in Topform."

Im deutschen Biathlon sieht der 54-Jährige ein gravierendes Nachwuchsproblem. "Andere Nationen sind da jünger und breiter aufgestellt", sagte Fischer.

Video: Was steckt hinter dem Olympia-Fiasko?

Frankreichs Biathlon-System "effektiver"

Frankreich, die in Antholz dominierende Biathlon-Nation, habe "keineswegs mehr Nachwuchs als wir", betonte der frühere Skijäger. "Doch sie sind effektiver, was die Qualität anbelangt. Ihnen gelingt allerdings der Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich viel besser. Bei uns gibt es auch viele Junioren-Weltmeister, viele gute junge Athleten. Stellt sich nur die Frage: Warum kommen die nicht oben an?"

Biathlon sei eine Sportart, "in der man mit viel Trainingsfleiß sehr weit kommen kann", erklärte Fischer. "Da muss man jetzt nicht wie im 100-Meter-Sprint gewisse genetische Voraussetzungen mitbringen. Aber die Gesamtstruktur muss passen: von der Wertigkeit des Sports im Kindergarten und des Sportunterrichts in der Schule bis hin zur Nachwuchsförderung. Die muss konstant sein – nicht mal top und dann mal wieder gar nicht, sondern dauerhaft gut. Bei uns wird der Nachwuchs fast schon stümperhaft behandelt."

Biathlon: "Mut, Offenheit und neue Konzepte" gefordert

Fischer forderte, es müsse beim DSV nun "ehrliche Gespräche geben, in denen auch Kritik zugelassen wird. Das Schöne am Biathlon ist ja: Wir werden am Schießstand mit Fehlern groß. Und mit dieser Fehlerkultur müssen wir richtig umgehen. Ansonsten werden wir weiterhin immer guter Vierter".

Es brauche "Mut, Offenheit und neue Konzepte", um in vier Jahren in Frankreich besser abzuschneiden, sagte Fischer. "Die Weltcup-Trainer müssen mehr Macht bekommen. Zudem muss es eine klare Trennung zwischen Nachwuchssport und Spitzensport geben."

Zunächst brauche es Ruhe und weniger Druck als bislang in der Nachwuchsförderung. "Erst an der Schwelle zum Weltcup darf es ein knallhartes Auswählen geben", sagte Fischer.

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