Franziska Preuß ließ ihre erfolgreiche Karriere mit einem breiten Lächeln austrudeln, winkte schon weit vor der Ziellinie ins Publikum. Während Freunde und Familie auf der Tribüne Schilder mit der Aufschrift "Danke Franzi" hochhielten, stellten sich Teamkolleginnen und Konkurrentinnen im zarten Flockenwirbel zum Spalier bereit. Mit Deutschland-Fahne drehte die Gesamtweltcupsiegerin Hand in Hand mit der ebenfalls zurücktretenden Dorothea Wierer vor der Tribüne eine kleine Ehrenrunde und gönnte sich einen Schluck aus der Sektflasche.
"Bei Olympia die Karriere zu beenden, ist was Spezielles. Gemeinsam mit der Doro war es ein super Abschluss", sagte Preuß in der ARD. Der unerfüllte Traum von der olympischen Einzelmedaille blieb am Tag der großen Emotionen eine Randnotiz. Trotz Rang 28 im Massenstart mit mehr als dreieinhalb Minuten Rückstand stand Deutschlands Sportlerin des Jahres beim gefühlten Heimspiel in Antholz im Mittelpunkt, bekam sogar eine Krone aufgesetzt. In den Armen der Liebsten kullerten Tränen. "Eigentlich wollte ich nicht mehr weinen, aber da war es zu spät", sagte sie mit breitem Grinsen.
Preuß sei "sehr glücklich" mit ihrer Entscheidung, sagte ihr Lebensgefährte Simon Schempp vor dem Start in der ARD: "Sie hat alles erlebt in ihrer Karriere, es war eine Achterbahnfahrt. Die war es auch hier in Antholz, es war schwer." Dies setzte sich auch bei ihrem "Last Dance" fort. Bereits im ersten Schießen leistete sich die beste deutsche Biathletin eine Strafrunde, spätestens mit ihrem zweiten Fehler beim zweiten Schießen waren die Medaillenränge bereits außer Reichweite.
Als ihr im ersten Stehendanschlag schließlich noch vier weitere Fehlschüsse unterliefen, ließ sie es etwas ruhiger angehen und genoss die letzten Meter ihrer erfolgreichen Laufbahn. Der letzte Schuss der Karriere war ein Treffer.
Beste Deutsche beim Sieg der Französin Oceane Michelon wurde Vanessa Voigt, die mit einem Fehler beim letzten Schuss die greifbare Medaille vergab. 29 Sekunden fehlten aufs Podest. Janina Hettich-Walz (4 Strafrunden/+1:41,6 Minuten) landete auf Rang 17.
Michelon ging nach insgesamt zwei Strafrunden auf Rang vier in die letzte Runde und lief noch ganz nach vorn. Dahinter landete ihre Landsfrau Julia Simon (1 Strafrunde/+6,6 Sekunden) vor der Überraschungs-Dritten Tereza Vobornikova (1/+7,4). Die Tschechin war in diesem Winter zuvor nie über Rang zehn hinausgekommen.
Preuß wird dem deutschen Biathlon fehlen
Die Bayerin Preuß hatte vor dem Saisonhöhepunkt bereits ihr Karriereende angekündigt, den Zeitpunkt aber noch offengelassen. Am Tag vor dem Massenstart sorgte sie nach zahlreichen Enttäuschungen und Dramen im Laufe der Spiele für Klarheit. Über die 12,5 Kilometer jage sie nicht mehr nach "Zeiten oder Platzierungen", kündigte sie an. Vielmehr gehe es "um Dankbarkeit. Ein letztes Mal alles geben". Der Abschied fühle sich mit dem letzten Rennen von Antholz "genau richtig an".
Sie habe "eine wahnsinnig spannende Zeit mit ganz vielen besonderen Momenten" und "ganz vielen tollen Menschen" erlebt, so die 31-Jährige. Einige dieser Momente zeigte sie bei Instagram, wo sie in einem langen Beitrag mit zehn Bildern auf ihre erfolgreiche Zeit zurückblickte. "So viele Jahre hat mich dieser Sport begleitet", schrieb sie: "Er hat mich geprägt, gefordert und mir unendlich viel gegeben. Momente des Erfolgs. Tränen der Enttäuschung. Freundschaften fürs Leben."
Sie hinterlässt mit ihrem Abschied eine große Lücke im Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV). "Franzi war in den letzten Jahren die Leaderin dieser Mannschaft", sagte Sportdirektor Felix Bitterling: "Nicht durch große Worte, sondern durch Leistung." Umso mehr wird sie fehlen. Es wird spannend, wie das deutsche Team schon bei den letzten drei Weltcups der Saison in Kontiolahti, Otepää und Oslo die Lücke füllen kann.


