Die Bilder? Spektakulär. Die Quoten? Top. Das Fazit? Exzellent. Während die deutschen Athleten im italienischen Schnee insgesamt hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, können die übertragenden TV-Sender nach zwei Wochen Olympia "total" mehr als happy sein.
In aufwühlenden Zeiten seien die Winterspiele "ein großes Lagerfeuer" für die Fernseh-Nation gewesen, sagte Italien-Experte und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo im Podcast "Pizza & Pommes" von BR24.
Und so versammelten sich immer wieder viele Millionen vor den Fernsehern, um mit den deutschen Athleten wie Emma Aicher oder Johannes Lochner mitzufiebern - zumal Gold, Silber und Bronze im Vergleich zu den letzten beiden Winterspielen in Asien wieder zu freundlicheren TV-Zeiten vergeben wurden.
Den Bronzelauf der Rodler Tobias Wendl/Tobias Arlt im Doppelsitzer etwa verfolgten 6,79 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in der ARD, damit schlug Olympia sogar König Fußball an diesem Abend. Auch das ZDF konnte teils über 6,5 Millionen Menschen anlocken.
Olympia sorgt für enorme Marktanteile
In der Spitze lagen die Marktanteile bei über 40 Prozent, zudem seien "die Spiele auch beim jüngeren Publikum großartig" angekommen, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky auf SID-Anfrage. Detaillierte Abschlusszahlen werden die beiden öffentlich-rechtlichen Sender am Montag vorlegen, aber schon jetzt lässt sich festhalten: Im Schnitt sahen wohl rund 3,50 Millionen bei den Wettkämpfen in Mailand, Cortina d'Ampezzo und Bormio zu, der Marktanteil lag bei knapp 25 Prozent.
Olympia sei "einfach ein generationsübergreifendes Sportfest. Die klassischen Sportarten Biathlon, Skispringen, Ski alpin waren beim Publikum wieder eine Bank", sagte Balkausky, "genauso wie die Erfolge der deutschen Athletinnen und Athleten im Eiskanal."
ZDF-Sportchef Yorck Polus meinte: "Diese Spiele haben so vieles von dem gezeigt, was Olympia ausmacht: Große Emotionen, Freude und Enttäuschung. Da etwas herauszuheben, fällt nicht leicht. Insgesamt freut uns aber, dass die olympische Idee weiterhin so gut funktioniert."
Online-Streams immer gefragter
Neben dem klassischen TV werden dabei die Online-Angebote für Smart-TV, PC oder Smartphone immer gefragter - auch bei Eurosport. Bei ARD und ZDF standen bis zu sieben parallele Livestreams in den Mediatheken zur Verfügung, diese waren "gefragter als je zuvor bei Winterspielen - mit bis zu sieben Millionen Abrufen an einem einzelnen Tag und insgesamt über 35 Millionen Abrufen allein in der ersten Olympia-Woche", sagte Balkausky für die ARD: "Das zeigt: Das Digitalangebot wird immer wichtiger und ist längst genauso zentral wie das klassische Fernsehen."
Angesichts solcher Zahlen können die Sender auch die teils aufgekommene Kritik an ihren Reportern und Moderatoren, die mitunter die journalistische Distanz haben vermissen lassen, verschmerzen.
"Unsere Moderatorinnen und Moderatoren, die Expertinnen und Experten, haben eine großartige Leistung abgeliefert und die Spiele und die Olympische Stimmung perfekt in die Wohnzimmer und auf die Bildschirme gebracht. Das spiegeln auch viele Rückmeldungen, die wir bekommen. Dass bei einem Großevent mit täglich bis zu 16-stündigen Liveübertragungen auch mal etwas nicht perfekt sitzt, gehört dazu - das ist genau wie im Sport", sagte Balkausky: "Übrigens hatten wir auch Reaktionen, dass wir mit der ein oder anderen Leistung deutscher Athletinnen und Athleten zu kritisch umgegangen wären - je nach Blickwinkel wird das also auch immer unterschiedlich bewertet." Den ZDF-Übertragungen habe es "nicht an Distanz gefehlt", sagte Polus, "aber wir haben mehr Emotionalität gezeigt als vielleicht in früheren Zeiten".


