Der Super Bowl ist nur noch leicht im Rückspiegel zu erkennen, die neue NFL-Saison lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Bevor das neue Liga-Jahr Mitte März dann offiziell startet, wird beim NFL Scouting Combine in Indianapolis bereits der Grundstein für den kommenden Draft gelegt.
Ab Montag können sich über 300 College-Talente auf verschiedenste Arten und Weisen den 32 NFL-Teams vorstellen, um bei der Talente-Wahl Ende April einen der heißbegehrten Plätze in der Liga zu ergattern.
Neben athletischen und positionsspezifischen Tests werden die Sportler auch medizinisch und ebenso im persönlichen Gespräch auf Herz und Nieren geprüft.
NFL Combine: Athletische Tests
In mehreren ganz verschiedenen Tests werden die Spieler getestet. Einige Tests werden dabei sehr medienwirksam beurteilt, andere etwas weniger. Neben dem Entertainment-Faktor liefern die Tests aber natürlich auch Ergebnisse, die die Beurteilung der Teams weiter vorantreiben.
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Die Spieler trainieren in den Monaten vor dem Combine dementsprechend sehr spezifisch für die Tests. In folgenden Übungen müssen die Athleten abliefern:
40-Yard-Dash
Viel einfacher könnte das Prinzip kaum sein. Der 40-Yard-Dash ist ein reiner Sprint-Test. Der Spieler läuft die 40 Yards so schnell er kann. Besonders wichtig ist dieser Test natürlich für Wide Receiver oder Cornerbacks. Den aktuellen Rekord hält Chiefs-Receiver Xavier Worthy mit 4,21 Sekunden.
10-Yard-Split
Für die schweren Jungs ist die Endgeschwindigkeit natürlich nicht entscheidend, dafür allerdings vor allem ein explosiver Start und schnelle erste Meter. So werden die ersten 10 Yards noch einmal besonders betrachtet.
| Datum | Wochentag | Programmpunkt |
|---|---|---|
| 23. Februar 2026 | Montag | Beginn NFL Scouting Combine (Interviews, Medicals, Tests) |
| 24.–25. Februar 2026 | Dienstag–Mittwoch | Medizinische Untersuchungen, Meetings, Interviews |
| 26. Februar 2026 | Donnerstag | On‑Field‑Drills: Defensive Line, Linebacker, Kicker/Punter |
| 27. Februar 2026 | Freitag | On‑Field‑Drills: Defensive Backs, Tight Ends |
| 28. Februar 2026 | Samstag | On‑Field‑Drills: Quarterbacks, Wide Receiver, Running Backs |
| 1. März 2026 | Sonntag | On‑Field‑Drills: Offensive Line |
| 2. März 2026 | Montag | Ende des NFL Scouting Combine 2026 |
Broad Jump
Aus dem Stand müssen die Spieler möglichst weit springen. Auch dieser Test dient natürlich dazu, die Explosivität der Spieler festzustellen. Rekordhalter ist hier Cornerback Byron Jones, der 2015 knapp 3,73 Meter weit sprang.
Vertical Jump
Die zweite Sprungdisziplin. Dieses Mal wird nicht möglichst weit, sondern möglichst hoch gesprungen. Chris Conley und Donald Washington teilen sich mit 1,14 Meter hier den Rekord.
Bench Press
Das klassische Bankdrücken ist eine der beliebtesten Disziplinen der Zuschauer. Während die Linemen beim Sprint oder Sprung nicht so sehr im Fokus stehen, können sie hier Kraft beweisen. Defensive Tackle Stephen Pea stellte 2011 mit 49 Wiederholungen bei 100 Kilo den Rekord auf.
3-Cone-Drill
Drei Hütchen sind in L-Form aufgebaut und müssen vom Spieler umlaufen werden. Geschwindigkeit und Beweglichkeit werden hier getestet. Die bisher beste Zeit hält Wide Receiver Jeff Maehl aus dem Jahr 2011.
Shuttle-Drill
Eine Mischung aus Sprint- und Beweglichkeitstest. Der Spieler sprintet fünf Yards zur rechten Seite, zehn Yards nach links und noch einmal fünf Yards nach rechts. Brandin Cooks hält hier den Rekord mit 3,81 Sekunden.
Natürlich nehmen grundsätzlich nicht alle Spieler auch bei allen Tests teil. So ist das Bankdrücken für einen Wide Receiver nicht wirklich entscheidend, während der Vertical Jump für Offensive Lineman beispielsweise unwichtiger ist.
In den letzten Jahren wurde es zudem zum Trend, dass sich Top Prospects bei den athletischen Tests komplett raushielten. Hochgehandelte Spieler gehen dabei schlicht kein Risiko ein, ihren Draftstock durch möglicherweise schlechte Testergebnisse zu verringern.
Ein Trend, der aus Sicht des ehemaligen First-Round-Picks und heutigen RTL-Experten Björn Werner durchaus verständlich ist.
"Für die, die auf dem College viel gezeigt haben, tut es richtig weh, wenn man beim Combine schlechte Zahlen abliefert. Denn dann wird häufig ein mediales Ding draus gemacht. Nach dem Motto: 'Der ist doch nicht so schnell oder so stark, wie man dachte'. Aber für Leute, die nicht so ein starkes Filmmaterial vom College haben, kann der Combine extrem den Draftstock erhöhen, wenn sie dort krasse Zahlen haben. Irgendein Team denkt dann, dass man mit diesem Potenzial etwas machen kann und sofort springt man im Draft hoch, während man als Top-Spieler fast nur verlieren kann", erklärte Werner.
NFL Combine: Position-Drills
Neben den klassischen und allgemeingültigen Tests gibt es zudem auch spezifische Tests für die jeweiligen Positionen. Einfach erklärt sind diese beispielsweise beim Quarterback, wo es natürlich vor allem darauf ankommt, die Bälle für verschiedene Routes der Receiver passend zu werfen.
Während Cornerbacks und Linebacker sich unter anderem beim Back Paddling, also dem Rückwärtslaufen beweisen müssen, wird bei Pass Rushern neben einem explosiven und gut getimten Start auch auf Handtechniken im Pass Rush geschaut.
NFL Combine: Medizinischer Check
Vor den Tests werden die Spieler gemessen, gewogen und einer medizinischen Untersuchung unterzogen. Hier geht es zu wie bei der Musterung zur Bundeswehr. Alle Daten werden akribisch festgehalten und die NFL-Teams müssen einige Wochen auf die Ergebnisse warten, die selbstverständlich nicht der Öffentlichkeit zugestellt werden.
Manches kommt im Vorfeld zum NFL Draft ans Licht. Doch können sich Außenstehende ziemlich sicher sein, dass wenn bei der Auswahl Ende April ein Spieler weitaus später gedraftet wird als die meisten es erwartet hätten, die Ursache dafür sehr häufig in einem medizinischen Befund liegt, der den Entscheidungsträgern der Franchises nicht gefallen hat.
NFL Combine: Interviews
Das vielleicht Wichtigste am ganzen Combine findet ebenfalls hinter verschlossenen Türen statt. In den Interviews, die praktisch einem intensiven Bewerbungsgespräch gleichen, werden kognitive Fähigkeiten und das Spielverständnis genauso auf den Prüfstand gestellt, wie das Sozialverhalten und die mentale Belastbarkeit. Außerdem wird gewiss nachgebohrt, sollte ein Spieler bei den Position-Drills oder athletischen Tests keinen sonderlich guten Eindruck hinterlassen haben.
Den General Managers ist klar, dass sie einen Menschen in diesen jeweils 15 Minuten nur bedingt kennenlernen. Doch probieren sie, mit bestimmten Fragetechniken die Spieler aus der Reserve zu locken. Das geht mittlerweile so weit, dass die Talente im Vorfeld von Psychologen auf die Gespräche vorbereitet werden.
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