Die Miami Dolphins stehen vor einem Neuaufbau in der NFL und wollen sich daher auch von Topverdiener Tua Tagovailoa trennen. Doch einfach wird es nicht, den Quarterback loszuwerden. Sein Vertrag erweist sich als kaum zu überwindendes Hindernis.
Mehreren Medienberichten zufolge ist es die Intention der Miami Dolphins, Quarterback Tua Tagovailoa nicht zu entlassen, sondern zu traden. Beim Lesen dieser Berichte konnte ich mir persönlich ein Grinsen nicht verkneifen, denn es ist schier unmöglich, diesen Vertrag in seiner aktuellen Form zu traden.
Nicht etwa, weil es Cap-technisch unmöglich wäre. Vielmehr geht es einfach darum, dass die Dolphins der Liga signalisiert haben, dass sie kein Vertrauen mehr in ihren 2020er Erstrundenpick haben und ihn offenkundig nicht mehr für gut genug befinden, sie aus der aktuellen sportlichen Misere zu führen. Warum genau sollte ein anderes Team also bereit sein, diesen Vertrag aufzunehmen?
Tagovailoa hatte seinen Rookie-Vertrag im Jahr 2024 um vier Jahre und 212,4 Millionen Dollar verlängert. Bei Unterschrift waren ihm davon 93,171 Millionen Dollar garantiert. Mittlerweile ist diese Summe auf über 160 Millionen Dollar angestiegen - einen detaillierten Breakdown findet Ihr hier!
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Dolphins: 2026 kommt zu früh
Unterm Strich hatte dieser Deal aber ein Out für den Fall, dass es am Ende doch nicht gut laufen würde. Das Problem für die Dolphins jetzt ist, dass dieses Out erst nach der Saison 2026 greift. In diesem Jahr stehen dem Quarterback nämlich noch garantierte 54 Millionen Dollar zu, bestehend aus seinem Gehalt in Höhe von 39 Millionen Dollar sowie einem Roster Bonus in Höhe von 15 Millionen Dollar, der innerhalb der ersten drei Tage des neuen Liga-Jahres ausgezahlt werden muss und um den die Dolphins auch praktisch nicht herumkommen.
Der einzige Weg wäre daher ein Trade, doch der würde bedeuten, dass jemand anderes sich diesen Vertrag ans Bein binden würde. Ein Deal, der Tagovailoa drei Millionen Dollar seines Gehalts für 2027 am 13. März garantiert, sollte er dann noch unter Vertrag stehen. Das wäre zu verschmerzen, doch wer zahlt 39 bis 54 Millionen Dollar - je nach Datum des Trades - für ein Reklamationsprojekt?
Was man machen könnte, wenn man wirklich wollte, wäre daher eine Anpassung des Vertrags. Die Dolphins könnten bis zu 37,785 Millionen Dollar seines Gehalts und bis zu vier Millionen Dollar an weiteren Bonuszahlungen in einen Signing Bonus verwandeln, was ihnen für den Moment sogar frischen Cap Space in Höhe von mehr als 30 Millionen Dollar einbringen würde. Aber das hieße, dass sie ihm eben bis zu 38 Millionen Dollar dafür bezahlen würden, dass er nicht für sie spielt. Und das käme auf die besagten 15 Millionen Dollar des Roster Bonus oben drauf, den man wohl auch noch zahlen müsste, weil sicherlich auch kein anderes Team diesen Betrag investieren wollen würde - es sei denn, die Dolphins würden eventuell noch einen relativ hohen Draftpick - sicherlich etwas an Tag 2 - drauflegen, wie es die Houston Texans einst gemacht haben, als sie Brock Osweiler nach Cleveland verhökerten.
Und die Kompensation für die Dolphins wäre auch in so einem Szenario letztlich äußerst überschaubar. Mehr als einen späten Pick am dritten Draft-Tag erwarte ich da nicht. Miami steht vor einem größeren Rebuild, wie die jüngsten Entlassungen unterstreichen. Da ist es kaum vorstellbar, dass sie auch nur einen ihrer besseren Picks veräußern, nur um noch ein wenig aus einem Abgang von Tagovailoa herauszuholen - die Dolphins haben sogar vier Picks am zweiten Tag insgesamt, die sie allesamt gebrauchen können.
Tua-Trade nur mit sehr großem Aufwand
Das heißt also: ja, sie könnten mit viel Aufwand einen Trade einfädeln, doch unterm Strich müssten sie dem aufnehmenden Team wohl sehr weit entgegenkommen, um das zu ermöglichen. Und für was? Einen späten Pick im Draft und einer monetären Ersparnis von vielleicht etwas mehr als einer Million Dollar? Hinzu kommt, dass sie einen hohen zweistelligen Betrag an Dead Money in diesem Konstrukt aufnehmen müssten, was die ohnehin angespannte Cap-Situation weiter verschlechtert.
Die wahrscheinlichere Alternative ist daher eine simple Entlassung. Und zwar eine mit einer Post-June-1-Designation, denn nur so ist dies in diesem Jahr möglich. Würden sie ihn sofort entlassen, müssten sie Dead Money in Höhe von 99,2 Millionen Dollar aufnehmen, was nicht passieren wird. Entlassen sie ihn in Form eines Post-June-1-Cuts, dann würde der Dead-Cap-Hit nur 67,4 Millionen Dollar betragen. Und sie würden dennoch ein Cap-Minus von elf Millionen schlucken müssen, das aber erst im Juni. Bis dahin wäre er noch in den Büchern mit den bisherigen Konditionen.
Die übrigen fast 32 Millionen Dollar an Dead Money wären dadurch erst 2027 fällig. Und man müsste ihm nicht noch drei Millionen Dollar für die Saison 2027 garantieren oder bei einem Trade noch draufzahlen.
Tagovailoas Situation zeigt die Risiken, die ein Team bei einem hochdotierten Vertrag für einen Quarterback eingeht. Zwar ist dieses Wagnis meist berechtigt und zahlt sich aus, doch es gibt eben auch Fälle, in denen das Team am Ende vor einem Scherbenhaufen steht. Die Dolphins lagen ultimativ bei Tagovailoa daneben und werden nun noch ein wenig länger mit den Konsequenzen dieses größten Fehlgriffs des geschassten Regimes um General Manager Chris Grier leben müssen.
Die Salary Cap in der NFL ist zwar in vielerlei Hinsicht Fiktion und ein abstraktes Konstrukt, das man leicht manipulieren kann. Doch das gilt nur solange, bis man mal bei einem der Topverdiener daneben langt. Dann wird dieses abstrakte Konstrukt ziemlich echt und zum langfristigen Problem für ein NFL-Franchise.









