Laura Nolte gewinnt ihre zweite Olympiamedaille - wird aber weiterhin nicht ganz glücklich mit dem Monobob.
Laura Nolte rutschte in den Zielbereich und schaute enttäuscht in den dunklen Nachthimmel, wenig später weinte sie in den Armen von Bundestrainer René Spies: Die Weltcup-Dominatorin hat ihren ersten Olympiasieg im Monobob auf dramatische Weise verpasst. In einem echten Krimi musste sie die US-Amerikanerin Elana Meyers Taylor noch vorbeiziehen lassen, nur vier Hundertstel fehlten. Es blieb eine große Silbermedaille, die in diesem Moment aber ein schwacher Trost war.
"Ich war bereit, ich habe alles gegeben, aber irgendwie sollte es nicht sein", sagte Nolte im "ZDF" und musste immer wieder ihre Tränen zurückhalten. "Das ist bitter, du schnupperst an Gold und machst es am Ende nicht", sagte Spies: "Laura ist sehr emotional, das sehen wir gerade. Aber man kann aus einem Monobob-Rennen auch ganz ohne Medaille rausgehen. Für mich hat sie nicht Gold verloren sondern Silber gewonnen."
Nach jedem Lauf hatte Nolte geführt, erst im vierten verlor sie das schon so nahe Gold. Dritte in Cortina d'Ampezzo wurde Peking-Olympiasiegerin Kaillie Armbruster Humphries aus den USA.
Meyers Taylor nutzt Nolte-Fehler aus
Für die deutschen Schlittensportler ist es dennoch die zwölfte Medaille im neunten Rennen der Winterspiele - und für Nolte die zweite ihrer Karriere: Vor vier Jahren in Peking war sie mit ihrem Triumph im Zweier zur jüngsten Bob-Olympiasiegerin der Geschichte aufgestiegen.
In Cortina eröffnete Nolte nun die deutschen Bob-Festspiele mit Silber, höchstwahrscheinlich gibt es dann am Dienstag das erste Gold: Im Zweier der Männer führt Johannes Lochner zur Halbzeit vor den Landsleuten Francesco Friedrich und Adam Ammour.
Nolte war nach einem starken Weltcup-Winter auch bei Olympia als Favoritin in den Einzelschlitten gestiegen und hatte am Sonntag in den ersten beiden Durchgängen auch stark vorgelegt. Mit einer Führung von 0,22 Sekunden ging sie in den Montag - doch schon im dritten Lauf griffen Meyers Taylor und Armbruster Humphries jeweils mit Bahnrekord an, der Vorsprung schmolz auf 15 Hundertstelsekunden zusammen.
"Das ist ein ganz verrücktes Rennen", sagte Bundestrainer Spies, ohnehin könne man im Monobob nie fest mit einem Ergebnis rechnen. Und in Lauf vier leistete sich Nolte ein paar Banden zu viel, Meyers Taylor nutzte dies.
Für Nolte setzte es also die nächste Enttäuschung in dieser Disziplin, nachdem sie bei der olympischen Premiere des kleinen Frauen-Schlittens in Peking nur Vierte geworden war. Nun krönte sich die bereits 41 Jahre alte Meyers Taylor zur ältesten Bob-Olympiasiegerin der Geschichte. Für die US-Amerikanerin ist es die sechste Olympiamedaille - aber das erste Gold.
Nächste Gold-Chance im Zweier mit Deborah Levi
Nolte will nun im Zweier am Freitag und Samstag zurückschlagen. Gemeinsam mit Anschieberin Deborah Levi ist sie nach fünf Siegen in sieben Weltcup-Rennen dort erneut die Topfavoritin.
Lisa Buckwitz vom BRC Thüringen, Olympiasiegerin im Zweier als Anschieberin von Mariama Jamanka in Pyeongchang 2018, wurde mit deutlichem Rückstand auf das Podium Vierte. Kim Kalicki aus Wiesbaden kam mit der anspruchsvollen Bahn überhaupt nicht zurecht und hatte als 15. mit der Entscheidung nichts zu tun.
Im Monobob wird mit Einheitsschlitten gefahren, weshalb die Weltspitze im Vergleich zum Zweier deutlich enger beieinander liegt. In Peking war das erfolgsverwöhnte deutsche Team in der damals neu eingeführten Disziplin komplett leer ausgegangen.



