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Trainer ist skeptisch und verrät Details

Usyk gegen Kabayel: Was hinter der WBC-Ansage steckt

Seit 15 Jahren ein Erfolgsduo: Agit Kabayel und sein Trainer Sükrü Aksu
Seit 15 Jahren ein Erfolgsduo: Agit Kabayel und sein Trainer Sükrü Aksu
Foto: © IMAGO/Torsten Helmke
14. Februar 2026, 09:48

Schwergewichts-König Oleksandr Usyk muss seinen WBC-Gürtel gegen Deutschlands Box-Star Agit Kabayel verteidigen. So sagt es WBC-Boss Mauricio Sulaiman. Nur: Sulaiman sagt viel, wenn der Tag lang ist. Kabayels Mentor bleibt skeptisch - und verrät interessante Details.

Mauricio Sulaiman hat zu Altweiber-Fastnacht Box-Deutschland ganz jeck gemacht. Der Präsident des Boxweltverbandes WBC hat am Donnerstag endlich gesagt, was Agit Kabayel und die deutschen Box-Fans ganz lange schon hören wollen: Oleksandr Usyk, König des Schwergewichts, muss den WBC-Titel gegen Kabayel verteidigen. Wenn auch nicht sofort.

Der Weltmeister habe zunächst eine freiwillige Titelverteidigung beantragt, sagte Sulaiman im Interview mit US-Journalist Chris Mannix. Dies sei absolut "üblich", sein Verband habe dem Wunsch entsprochen. Usyk dürfe nun einen Gegner für seinen Kampf wählen "und danach muss er gegen den Interims-Champion kämpfen. So lautet die Entscheidung." 

Kabayel, seit Februar 2025 eben jener "Zwischen"-Weltmeister und als solcher Pflichtherausforderer von Weltmeister Usyk, hat auf eine derartige Ansage des WBC lange gewartet. Der 33-Jährige aus Bochum hatte schon im Mai 2024 einen WM-Ausscheid gewonnen. Usyk kämpfte sieben Monate später aber erst ein zweites Mal gegen Tyson Fury, im Sommer 2025 dann gegen den damaligen IBF-Champion Daniel Dubois. 

Video: Kabayel bereit für Usyk: "Sagt mir wo, ich komm!"

Kabayel schlug zuletzt bei seinem "Homecoming" in Oberhausen am 10. Januar den 2,01-Meter-Riesen Damian Knyba aus Polen und rief hinterher zum x-ten Mal nach seiner WM-Chance gegen Usyk. Jetzt hat er sie - und das nicht nur mündlich durch das Sulaiman-Interview.

"Wir haben uns das schriftlich geben lassen", sagte Kabayels Mentor Sükrü Aksu bei sport.de und verriet auch einen Zeitrahmen, den Sulaiman in dem Interview noch nicht genannt hat. "Bis Ende des Jahres muss Usyk gegen uns kämpfen." 

Aksu bestätigte zudem Berichte, wonach sich Kabayels Manager Spencer Brown Ende Januar mit dem Usyk-Lager in New York getroffen hat. "Usyk war auch dabei", berichtete der Trainer. Womöglich hat der von Brown und Kabayels Promotern Frank und George Warren angekündigte "Druck auf den WBC" gewirkt.

Kabayel "nicht verfügbar" für Usyk? "Kompletter Blödsinn!"

Erfüllt der Ukrainer seine WBC-Pflicht nicht, müsste ihm der Verband den Titel abnehmen, sofern Usyk ihn nicht selbst niederlegt. Kabayel könnte dann am Grünen Tisch vom Interims- zum vollwertigen Champion hochgestuft werden. Deutschland hätte erstmals seit Max Schmeling 1930 wieder einen Schwergewichts-Weltmeister.

Soweit denkt Aksu nicht. Will er auch nicht. Mit Kabayel strebt er nach der größtmöglichen Herausforderung - und die heißt nun einmal Usyk. Insofern ist Sulaimans WBC-Ansage die erhofft gute Nachricht, wenngleich Aksu skeptisch bleibt: "Ich glaube das alles erst, wenn die Verträge unterschrieben sind und das Datum steht", sagte er.

Worauf der erfahrene Trainer anspielt: Der WBC und sein Präsident sagen viel, wenn der Tag lang ist. Sulaiman behauptete in dem Interview etwa, Kabayel sei wegen seines Kampfes in Oberhausen für Usyk "nicht verfügbar" gewesen. Daraufhin habe der Weltmeister seinen Wunsch nach einer freiwilligen Titelverteidigung hinterlegt. Ganz so, als hätte Kabayel für die WM-Chance nicht alles getan. Eine absurde Verdrehung. 

"Das ist kompletter Unsinn", betont Aksu: "Wir waren die ganze Zeit verfügbar. Auf uns ist aber nie jemand zugekommen." In der Tat setzte das Kabayel-Management das Heimspiel gegen Knyba an, um den "Leberking" aktiv zu halten und nicht ewig auf eine WM-Chance zu warten, von der beim WBC niemand sprach. 

Als Usyk vergangenen November den WBO-Titel abgegeben hatte, weil er kein Interesse an einem Kampf gegen den Engländer Fabio Wardley zeigte, blieb eine Reaktion vonseiten des WBC aus. Statt Usyk - der auch die Titel von WBA und IBF hält - zu einem Kampf gegen Kabayel zu verpflichten, schwiegen Sulaiman und Co. Dabei ist der Boxer aus dem Pott im "Rotationsverfahren" der Verbände als erster dran, den Weltmeister zu fordern.

Die "besonderen Umstände" des Boxverbandes WBC

Der WBC-Boss muss seinen Worten jetzt Taten folgen lassen. Skepsis ist leider angebracht. Der Verband hat seine eigenen Regeln schon oft gebogen, manchmal gar gebrochen. Auch jetzt lässt ein Sulaiman-Satz aufhorchen. "Oleksandr Usyk darf sich den besten Kampf für sich und das Geschäft aussuchen und danach wird er den Interims-Champion Kabayel boxen", sagte der Mexikaner. 

Der beste Kampf für Usyk? Für das Geschäft? Nicht für den Sport?! US-Medien spekulieren über einen Kampf gegen Ex-Weltmeister Andy Ruiz, der seit zwei Jahren nicht mehr im Ring stand. Auch ein Duell mit Kickbox-Legende Rico Verhoeven ist im Gespräch.

Beide tauchen in der Rangliste des WBC nicht unter den Top 15 auf - laut Verbandsstatuten ist eine solche Platzierung aber nötig, um ein "qualifizierter Herausforderer" für eine "freiwillige Titelverteidigung" des Weltmeisters zu sein (Kapitel 3.3. der WBC-Regeln).

Es sei denn: "Unter besonderen Umständen" können zwei Drittel des WBC-Vorstandes auch einen Gegner absegnen, der diese Kriterien nicht erfüllt. Tut der WBC dies bei Ruiz oder Verhoeven (bestritt 2014 einen einzigen Profikampf!), wäre dies ein auch ein Zeichen: Dass man den in Mexiko-Stadt beheimateten Verband leider nicht allzu ernst nehmen sollte.

Video: Giganten-Gipfel: Usyk "schlägt" Müller

Der WBC beschiss schon Graciano Rocchigiani und andere

Bleibt zu hoffen, dass es Agit Kabayel nicht ergeht wie anderen WBC-"Opfern" vor ihm. Den Briten Dillian Whyte hielten die Funktionäre einst jahrelang hin, obwohl er auch Interims-Weltmeister war. Als Whyte endlich gegen den damaligen Champion Tyson Fury ran durfte, hatte er seine beste Zeit hinter sich und ging k.o. 

Noel Mikaelian aus Hamburg wurde vom WBC Ende 2024 nach Gutsherrenart als Weltmeister im Cruisergewicht entthront und zum - Achtung absurder Titel - Champion in Recess heruntergestuft: "Weltmeister im Ruhemodus".

Der prominenteste WBC-Beschiss aber liegt bald 20 Jahre zurück. 1998 knöpfte die Drei-Lettern-Organisation Graciano Rocchigiani den gegen US-Legende Michael Nunn gewonnenen Halbschwergewichts-Titel mir nichts, dir nichts wieder ab, um ihm einer anderen US-Legende aufs Haupt zu setzen: Roy Jones Jr.

"Rocky" ließ dich "dit" nicht bieten und klagte in den USA. Er gewann vor Gericht 31 Millionen Dollar Schadenersatz. Rocchigiani einigte sich mit dem WBC auf 4,5 Millionen Dollar. Hätte er auf die volle Summe bestanden, gäbe es den Verband heute nicht mehr. Er wäre bankrott gegangen. 

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