Mit seinen Kampfansagen im Titelduell an den FC Bayern löste Borussia Dortmunds Abwehrchef Nico Schlotterbeck kürzlich Diskussionen aus. Der Münchner Ex-CEO Oliver Kahn stärkt dem BVB-Star den Rücken.
"Als Nico Schlotterbeck vor Kurzem sagte, 'Man muss auch mal den Anspruch haben zu sagen: Wir wollen Meister werden', war das etwas, was man nicht nur im deutschen Fußball immer seltener hört: eine klare und selbstbewusste Zieldefinition", lobte Kahn in einem Beitrag im Karriere-Netzwerk LinkedIn.
Er ergänzte: "Die Aussage wurde diskutiert, eingeordnet, relativiert. Fast so, als müsse man sich für Anspruch rechtfertigen. Genau hier beginnt das Mentalitätsproblem."
In Deutschland gelte es "noch immer als Tugend, Erwartungen zu dämpfen", kritisierte Kahn. "Demut und Bescheidenheit werden nicht nur als Haltung verstanden, sondern als Sicherheitsmechanismus. Man will nichts versprechen, nichts auslösen, sich an nichts messen lassen."
Das wirke für viele "vernünftig", so der frühere Torwart-Titan. "Ist es aber nur bedingt. Denn Anspruch ist kein moralischer Fehler. Anspruch ist eine betriebliche Notwendigkeit. Ohne klar formulierten Anspruch fehlt der Maßstab, an dem Leistung gemessen wird. Und ohne Maßstab entsteht keine Mentalität, sondern Konfliktvermeidung."
BVB: Schlotterbeck "schafft Orientierung"
Schlotterbeck erhöhe mit seiner Aussage nicht automatisch den Druck, betonte Kahn. "Er schafft Orientierung. Spieler wissen dann, woran sie gemessen werden, was ein Sieg bedeutet und was ein Rückschlag auslöst. Ohne diese Klarheit wird Leistung beliebig. Und Beliebigkeit ist der größte Feind von Mentalität. Wo Ziele bewusst unscharf bleiben, entsteht kurzfristig Ruhe. Das schützt die Organisation. Langfristig entsteht jedoch etwas anderes: Stillstand."
Schlotterbeck hatte angesichts des noch überschaubaren Rückstands des BVB in der Bundesliga-Tabelle auf den FC Bayern zuletzt mehrfach den Meisterschaftskampf ausgerufen.
Der Nationalspieler, der derzeit mit dem BVB wegen eines neuen Vertrags pokert, knüpft seine persönliche Zukunft in Dortmund auch an die Aussicht auf Titelgewinne.




























