Laura Gimmler versuchte unter der lauten Anfeuerung ihres Freundes Cyprien Sarrazin alles, auch Johannes Rydzek brüllte seine Schwester Coletta aus Kräften nach vorne - der Traum vom olympischen Finale platzte für die beiden deutschen Langläuferinnen denkbar knapp.
Während Norwegens Topstar Johannes Hösflot Kläbo seine Rekordjagd fortsetzte und die Schwedin Linn Svahn erstmals Gold holte, schied das DSV-Duo nach hartem Kampf im Halbfinale aus.
"Wir haben die Regel unseres Trainers, dass wir eine Stunde enttäuscht sein dürfen, dann ist das abgehakt", sagte die 32-jährige Gimmler, der als Dritte ihres Halbfinals 63 Hundertstelsekunden zum ersten deutschen Einzug in ein olympisches Sprintfinale seit 20 Jahren fehlten. Mit Rang sieben konnten aber Gimmler wie auch ihre Familie auf der Tribüne leben: "Das ist ein anständiges Niveau." Der französische Alpin-Star Sarrazin, Kitzbühelsieger von 2024, klatschte anerkennend Beifall.
"Das Ziel war schon das Finale"
Rydzek hatte im Viertelfinale auf der schweren und langen Runde zu viel Kraft gelassen, kam in Gimmlers Lauf letztlich auf Platz vier und Rang acht der Endabrechnung. "Als Sportler will man immer ein bisschen mehr, das Ziel war schon das Finale. Es ist solide gewesen", sagte die Oberstdorferin, ehe sie Bruder Johannes lange umarmte, der am Mittwoch bei den Kombinierern um Gold kämpft.
Sieben olympische Goldmedaillen besitzt nun schon Kläbo, der wie zum Auftakt beim Sieg im Skiathlon mühelos wirkte und zum dritten Mal in Folge Sprint-Olympiasieger wurde. Bereits im 10-km-Rennen am Freitag kann der 29-Jährige zu den Rekord-Olympioniken Björn Dählie, Ole Einar Björndalen und Marit Björgen (alle Norwegen) aufschließen, die achtmal Gold holten.
Silber und Bronze gingen an Ben Ogden (USA) und Oskar Opstad Vike (Norwegen). Bei den Frauen bejubelte König Carl XVI. Gustaf einen Dreifach-Triumph seiner Schwedinnen: Svahn setzte sich etwas überraschend vor Peking-Olympiasiegerin Jonna Sundling und Maja Dahlqvist durch.
Im Männer-Wettkampf überzeugte Jan Stölben als Quali-Elfter, war dann aber im Viertelfinale chancenlos. Beim Sprint der Tour de Ski an gleicher Stelle war Stölben im Januar noch ins Finale eingezogen. "Es fühlt sich so bitter an, weil ich fest davon überzeugt bin, dass viel, viel mehr drin war", sagte der 24-Jährige.
Seit der Premiere des Sprints 2002 holte Deutschland drei Olympia-Medaillen. Der heutige Bundestrainer Peter Schlickenrieder und Evi Sachenbacher-Stehle gewannen bei der Erstauflage 2002 ebenso Silber wie Claudia Nystad 2006 - seither stand kein DSV-Athlet mehr im Finale.


