Neue Autos, neue Motoren, neue Begriffe: Die Formel 1 erlebt die größte Regel-Revolution ihrer jüngeren Geschichte. sport.de erklärt, was sich alles ändert und was hinter Begriffen wie Überhol-Modus oder aktiver Aerodynamik steckt.
In der Formel 1 gilt ab 2026 ein Reglement für Autos und Motoren, das sich grundlegend vom vorherigen unterscheidet. Die Motoren werden ab sofort zu 50 Prozent elektrisch angetrieben, die Boliden wieder ein Stück kleiner, leichter und agiler.
Die Macher der Königsklasse erhoffen sich spannendere und actionreichere Rennen, die die Fans vom Sofa reißen sollen - und bei denen der Fahrer im Mittelpunkt steht. Max Verstappen und Co. haben künftig im Cockpit ganz neue Möglichkeiten, "Features" wie DRS sind dagegen Geschichte. sport.de erläutert, was in der F1 neu ist.
Die neuen Formel-1-Motoren: Mehr E-Motor wagen
Geblieben ist einzig der 1,6-Liter-V6-Turbomotor. Bisher brachten die Aggregate rund 1000 PS Leistung, verteilt auf 800 PS vom Verbrenner und rund 200 PS durch den Elektromotor. Künftig liefert die Batterie 50 Prozent der gesamten Leistung. Die MGU-H der Power Unit, die Abgaswärme zurückgewann, ist Geschichte. Der Verbrenner wird jetzt vollständig mit synthetischem Kraftstoff angetrieben.
Was das bedeutet, erklärt RTL-Experte Christian Danner in "Sport Bild": "Der Verbrennungsmotor muss viel mehr leisten, um die Batterie des Elektromotors voll aufzuladen. Das zu kontrollieren, wird für die Fahrer und Ingenieure sehr kompliziert."
Die Formel-1-Aerodynamik: Flexible Flügel für flexibleres Fahren
Bisher war die Aerodynamik in der Formel 1 relativ starr. Einzig das DRS ermöglichte den Fahrern, den Luftwiderstand auf der Geraden zu reduzieren. Das ändert sich. DRS ist abgeschafft, dafür sind jetzt Front- und Heckflügel verstellbar. Heißt: Auf der Geraden können sie den Flügel flacher stellen, um schneller zu fahren, in den Kurven dagegen steiler, um mehr Grip zu haben.
Die neuen Formel-1-Reifen
Insgesamt wird das Grip-Niveau durch die Autos niedriger sein als in den Vorjahren. Das liegt auch an Pirellis neuer Reifengeneration. Die Pneus sind vorne 2,5 und hinten drei Zentimeter schmaler. Danner: "Die schmaleren Reifen sind Teil des Gesamtkonzepts, die Autos wieder kleiner - und meiner Meinung nach auch schicker - zu machen."
Formel 1 2026: Länge, Breite, Unterboden
Die Formel-1-Regelhüter kommen dem Wunsch vieler Fans und Fahrer entgegen: Die Autos sind kleiner und leichter als 2025. Statt zwei Meter sind sie jetzt nur noch 1,90 Meter breit, der Radstand (Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse) verkürzt sich von 3,60 Meter auf 3,40 Meter.
In puncto Unterboden ist die Ära der Ground-Effekt-Boliden vorbei, die sich an den Asphalt gesaugt haben und so tief wie möglich gelegt werden mussten. Damit ist auch das leidige Gehoppel (Porpoising genannt) Geschichte. "Jetzt gibt es eine große Fläche am Unterboden, die den Abtrieb deutlich geringer macht", erläutert F1-Experte Danner. Dies sei schon bei den Tests in Barcelona sichtbar gewesen. "Die Fahrer müssen nicht mehr so brutal hart am Boden entlangschrammen wie früher."
"Boost-Mode" und "Überhol-Modus" - die neue Sprache der Formel 1
Nach ausführlicher Kommunikation mit der FIA, den Teams, Ingenieuren, aber auch den Fans haben die F1-Macher einen neuen Sprachenkatalog präsentiert. Ein wenig klingt die Formel 1 zukünftig wie ein Videospiel. Aber: Der Fahrer soll im Mittelpunkt stehen und mehr Verantwortung tragen als je zuvor, so das Ziel. Vier Begriffe sind zentral.
Der Überhol-Modus (Overtake Mode)
Um was geht's? Der Überhol-Modus ersetzt das DRS, das seit 2011 in der Formel 1 galt und die einzig echte Überholhilfe für die Fahrer war.
Wie funktioniert's? Ist ein Fahrer bis auf eine Sekunde an seinen Vordermann rangekommen, darf er extra Power freigeben, um eine Attacke zu lancieren und zu überholen.
Der Unterschied zum DRS, bei dem die Piloten ihren Heckflügel nur in bestimmten Abschnitten aufklappen durften: Jetzt können die Fahrer den Überholmodus strategisch einsetzen - entweder auf einen Schlag Zusatzleistung abrufen oder verteilt auf eine Runde.
Warum ist es wichtig? Das eingeübte DRS-Ritual - Flügel auf und auf der Geraden lockerleicht überholen - ist passé. Das Überholen soll keine "automatische" Nummer mehr sein, sondern taktischer werden. Der Fahrer muss entscheiden, wann er angreift und nicht mehr auf eine DRS-Zone warten.
Der Boost-Modus (Boost Mode)
Um was geht's? Um einen vom Fahrer gesteuerten Modus, bei dem er Energie aus dem Energie-Rückgewinnungssystem (ERS) nutzt.
Wie funktioniert's? Per Knopfdruck steht den Fahrern überall auf der Strecke maximale Power zur Verfügung, sowohl vom Motor als auch aus der Batterie. Max Verstappen, Lando Norris und Co. können den Boost-Mode offensiv zur Attacke und auch defensiv zur Abwehr eines Überholmanövers einsetzen.
Warum ist es wichtig? Mehr Verantwortung für die Fahrer. Sie haben ein Racing-Werkzeug in der Hand, das sie speziell in Rad-an-Rad-Duellen einsetzen können. Renn-IQ, Rennsinn, Renneinteilung - all das müssen die 20 Piloten ein Stück weit neu erlernen und schärfen.
Aktive Aerodynamik (Active Aero)
Um was geht's? Das bereits angesprochene Einstellen von Front- und Heckflügel und ein flexibles Spiel zwischen Downforce und Luftwiderstand.
Wie funktioniert's? Die Flügel können auf Kurven- oder Geradenmodus gestellt werden. In den Kurven steiler, was mehr Grip ermöglicht. Auf den Geraden flach, um den Luftwiderstand zu reduzieren und eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen.
Warum ist es wichtig? Die aktive Aero bricht die starren Setups auf. Die Fahrer haben mehr Spielraum zwischen Grip und Highspeed.
Aufladen (Recharge)
Um was geht's? Den Prozess, bei dem die Fahrer ihre Batterie während einer Runde wieder aufladen.
Wie funktioniert's? Die Fahrer gewinnen Energie nicht nur beim Bremsen zurück, sondern auch, wenn sie das Gaspedal am Ende einer Geraden oder gar in den Kurven lupfen.
Warum ist es wichtig? Ebenso wie das Reifen-Management wird auch das Batterie-Management zu einem wesentlichen Teil des strategischen Fahrens.
"Die Batterie ist so empfindlich, wir müssen viel lernen und jede Strecke wird uns anders fordern", prophezeit Mercedes-Pilot Andrea Kimi Antonelli: "Die Power Unit und Batterie werden den größten Impact haben, die konstante Energieverteilung wird wichtig."


