Vor dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg hat Trainer Lukas Kwasniok vom 1. FC Köln ein überraschendes Plädoyer gehalten, das weit über die Situation seines eigenen Klubs hinausging. Die zuletzt kolportierte Unruhe rund um den FC nahm der Coach zum Anlass für eine grundlegende Kritik an der Wahrnehmung des deutschen Profifußballs.
Der Blick auf die Bundesliga sei insgesamt ein äußerst negativer geworden, erklärte Kwasniok auf der Kölner Pressekonferenz am Freitag.
"Wo ist es denn positiv?", fragte er provokant und legte nach: "Außer bei den Bayern wird ja alles niedergeschrieben. Ab Platz zwei ist alles bodenlos." Eine Entwicklung, die aus seiner Sicht längst ein strukturelles Problem offenbart.
Besonders die Bewertung der Münchner Konkurrenz stößt dem Kölner Trainer sauer auf. RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen könne man in der öffentlichen Wahrnehmung "ja komplett abmelden".
Und auch bei Eintracht Frankfurt, die sich aktuell sportlich tatsächlich in einer schwierigen Phase befinden, heiße es laut Kwasniok aus dieser Logik heraus, die Hessen seien "quasi schon abgestiegen". Für Kwasniok ist klar: "Die Erwartungshaltung bei den Menschen ist so extrem, dass ein zweiter Platz nichts mehr wert ist. Das ist ein Fehler im System."
1. FC Köln derzeit Tabellenzehnter in der Bundesliga
Auch beim FC selbst war die Stimmung zuletzt kritisch beleuchtet worden. Nach wochenlanger Sieglosigkeit zwischen November und Anfang Januar und dem Abrutschen Richtung Tabellenkeller war von Spannungen im Klub die Rede.
Berichte über Risse zwischen Mannschaft und Trainer sowie ein kritisches Plakat der Ultras sorgten zusätzlich für Unruhe. Der immens wichtige 2:1-Erfolg gegen Mainz 05 am vergangenen Wochenende änderte daran zunächst wenig.
Kwasniok widerspricht dieser Darstellung jedoch entschieden. "Bei uns war die Stimmungslage immer völlig in Ordnung", stellte er klar. Dass einzelne Spieler bei ausbleibenden Ergebnissen unzufrieden seien, sei normal: "Dass zwei, drei Spieler unzufriedener sind, wenn du öfter verlierst, das liegt in der Natur der Sache."
Sportlich sieht der Trainer den Aufsteiger weiterhin voll auf Kurs. Der FC habe "für einen Aufsteiger die ganze Zeit in einer ordentlichen Position" gelegen.
Das Ziel bleibe klar formuliert: "Wir wollen uns von den unteren Tabellenplätzen fern halten, da sind wir auf einem ordentlichen Weg, aber es sind halt noch 16 Spieltage zu absolvieren." Aktuell rangieren die Kölner auf Platz zehn – mit sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang.


























