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"Ein Skispringerleben verläuft selten gerade"

Geiger will sich "nicht unterkriegen lassen"

Skispringer Karl Geiger gibt nicht auf
Skispringer Karl Geiger gibt nicht auf
Foto: © IMAGO/Ulrich Wagner
07. Januar 2026, 21:51

Die 74. Vierschanzentournee verlief für Karl Geiger herausfordernd. In seiner sport.de-Kolumne erklärt der deutsche Skispringer, wie er sich zurück nach oben arbeiten will.

Ich setze meine Schritte durch den Schnee von Oberstdorf- blauer Himmel, Sonnenschein, schneebedeckte Berge, einfach ein Traum und was für ein Kontrast zu der Stimmung der letzten zehn Tage.

Zurückgekehrt bin ich von der Vierschanzentournee, die mich mehr als jede andere gefordert hat. Volle Arenen, Medienrummel, Reisen zwischen den Schanzen-, zehn Tage Ausnahmezustand auf dem Weg nach Oberstdorf über Garmisch und Innsbruck nach Bischofshofen spule ich normalerweise routiniert runter, aber diesmal, diesmal war alles anders.

Die mentale Anspannung, die daraus entstand, dass nicht viel zusammenlief, hat sich nochmal auf einem anderen Niveau des Stresspegels bewegt. Es war ein Auf und Ab; hatte man in Innsbruck das Gefühl, kleine Schritte in die richtige Richtung zu gehen, wurde man gleich wieder durch die Realität in Bischofshofen kassiert. Wenn man dann mit den Dingen an sich hadert, kommt teilweise noch das Pech dazu, wenn man denkbar knapp die Qualifikation oder den zweiten Durchgang verpasst- ein Windstoß, ein Meter zu wenig, draußen. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass man sich auch Glück irgendwie erarbeiten muss.

Aber ein Skispringerleben verläuft selten gerade und es kommt meiner Meinung nach jetzt darauf an, nicht nach hinten zu schauen und Jammertiraden anzustimmen, sondern weiterhin hellwach zu bleiben und zu arbeiten.

So schnell werde ich mich nicht unterkriegen lassen.

Dankbar für Verbleib im Weltcup-Kader

Ich bin dankbar dafür, dass das Trainerteam entschieden hat, dass ich nach Zakopane weiterreisen darf und Teil des Teams bin. Über den Wettkampf zu kommen ist der richtige Weg, auch wenn es manchmal zäh und hart ist. In der Abgeschiedenheit zu trainieren, unbehelligt von der Öffentlichkeit zu sein, ist sicher einfacher. Aber ich will meine Veränderungen gleich im Wettkampf auf den Prüfstand stellen, um unmittelbar zu sehen, was die jeweiligen Schritte Wert sind.

Der heutige Ruhetag tut gut, zuerst im Kreis der Familie, jetzt in der Mittagssonne allein auf den schneebedeckten Feldern in Oberstdorf- den Kopf lüften, das, was hinter einem liegt, mental abstreifen, bereit sein, sich gegen die Misere anzustemmen.

Ich gehe es an.

Die Stunden mentaler Regeneration sind begrenzt, morgen steht Krafttraining auf dem Programm, Freitag schon der Reiseantritt nach Zakopane.

Die nächste Station wartet also. Ich denke in kleinen Schritten, was die Ergebnisse anbelangt. Das nächste Ziel muss sein, volle zwei Durchgänge zu haben, Weltcuppunkte zu holen, mit den man das Selbstbewusstsein füttern kann. Die Skiflugweltmeisterschaften oder die Olympischen Spiele spielen bei meinen Gedankenspielen derzeit keine Rolle.

Ich denke von Wettkampf zu Wettkampf.

Herzliche Grüße

Karl Geiger

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