Slowenien feiert Domen Prevc. Satt ist der Überflieger aber noch lange nicht - der nächste Titel wartet schon.
Domen Prevc überlegte nur kurz. Ob er sich nun etwas gönnen werde, wurde der Überflieger aus Slowenien nach dem souveränen Gewinn der Vierschanzentournee gefragt. Oh ja, "eine schöne neue Uhr" könne er gebrauchen, sagte der 26-Jährige. Sonst nichts, auch keine Party? "Nö. Ein Bier vielleicht. Aber feiern werde ich, indem ich endlich einmal ausschlafe."
Die große Sause muss also noch warten nach dem Tournee-Triumph, den Prevc als "größten Erfolg" seiner bisherigen Karriere bezeichnet, "größer noch als der WM-Titel oder der Weltrekord". Satt ist er aber noch lange nicht: Schon Ende Januar steht in Oberstdorf die Skiflug-WM an, kurz danach geht es zu den Olympischen Spielen.
In seiner jetzigen Form ist Prevc auch dort der Favorit, auch wenn er davon nichts hören will: "Es ist egoistisch zu denken, dass man unschlagbar ist. Ich bleibe lieber auf dem Boden." Es war der neue Domen, der da sprach. Der alte, der als Teenager wie Phönix aus der Asche gekommen war, hatte gerne auch mal Journalisten und Kollegen angeraunzt.
Doch Prevc ist erwachsen geworden, das findet auch sein älterer Bruder Peter. "Es klingt kitschig, aber vor ein paar Jahren hat er sich entschieden, 110 Prozent für das Skispringen zu geben. Jetzt lebt er für den Sport. Das war entscheidend", sagte der 33-Jährige in Bischofshofen.
Begeisterung in der Skisprung-Nation Slowenien ist riesig
Jener Peter hatte genau zehn Jahre zuvor an gleicher Stelle die Tournee gewonnen. "Er war immer mein Vorbild. Von ihm habe ich gelernt, dass man hart arbeiten muss", sagte Domen. In der Heimat war die Begeisterung angesichts dieser Familien-Geschichte groß. "Nach 1997 und 2016 wird auch der 6. Januar 2026 in die slowenische Sportgeschichte eingehen", schrieb das Online-Portal Sportklub. 1997 hatte Primoz Peterka als erster Slowene die Tournee gewonnen. Die Zeitung Slovenske Novice titelte am Mittwoch schlicht: "Bravo, Domen."
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Die Begeisterung in der Skisprung-Nation Slowenien ist riesig: 4000 Fans waren am Dienstag ins nahe Österreich gepilgert, auf einem Plakat wurde Flugkünstler Domen als "schlimmster Albtraum der Schwerkraft" bezeichnet. Gut möglich, dass er bald zu Sloweniens Sportler des Jahres gewählt wird. Seinem Bruder Peter gelang das viermal - allerdings gab es da auch den überragenden Radprofi Tadej Pogacar noch nicht.
Überhaupt, diese Geschwister. Peter gewann den Goldenen Adler, Schwester Nika kann ihn in einem Jahr bei der ersten Frauen-Tournee holen. Nur der schon zurückgetretene Bruder Cene kann den Coup nicht mehr schaffen. Wird sich der Verhältnis der Geschwister nun ändern? "Aber Cene doch hat eine olympische Medaille", sagte Domen über den Olympia-Zweiten von 2022 mit der Mannschaft: "Also habe ich noch gar nichts zu sagen." Die Betonung lag auf: noch.



