Kurz vor den Playoffs ist der einstige Interception-König der NFL bei den Green Bay Packers gelandet. Ist er wirklich ein Upgrade oder doch nur die nächste Schwachstelle eines schwächelnden Favoriten?
Nach einem Jahr voller Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten haben die Dallas Cowboys Cornerback Trevon Diggs eine Woche vor Saisonende entlassen.
Der finale Sargnagel? Er wollte nach dem Gastspiel der Cowboys bei den Washington Commanders an Weihnachten in der Region bleiben, da dort seine Familie ansässig ist und er sich einen Extra-Flug sparen wollte. Mit dieser Bitte war er an Head Coach Brian Schottenheimer herangetreten und gescheitert. Er sollte nach Meinung des Coachs erst mit dem Team nach Dallas zurückfliegen, um dann anschließend wieder zurück nach D.C. fliegen. Warum auch immer.
Diggs weigerte sich, wie er sich auch schon im Frühjahr geweigert hatte, seine Reha nach dem im Vorjahr erlittenen Kreuzbandriss im Star zu absolvieren. Ein Umstand, der die Cowboys schon damals nicht begeisterte und für Unmut sorgte. So sehr, dass man sogar zukünftige Garantien aus seinem Vertrag strich für teamschädigendes Verhalten - er habe nicht alles unternommen, um so schnell wie möglich wieder fit zu werden ...
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Diggs' Cowboys-Disput kein Einzelfall
Diggs ist nicht der einzige Spieler, mit dem die Cowboys in diesem Jahr öffentlich stritten. Sein guter Kumpel Micah Parsons war ein noch prominenterer Name, auf den dies zutraf. Er wurde letztlich noch vor Saisonstart zu den Packers getradet, wo Diggs nun kurioserweise per Waiver Wire auch gelandet ist.
Bei den Packers wird Diggs womöglich schon am Sonntag beim wertlosen Gastspiel in Minnesota (ab 18:45 Uhr live auf RTL+*) zum Einsatz kommen, da die Personaldecke in der Secondary dieser Tage äußerst dünn ist. Kürzlich wurden Nate Hobbs und Kamal Hadden auf die Injured Reserve List gesetzt. Während Haddens Saisonaus bereits besiegelt ist, dürfte Hobbs wohl nur dann nochmal eine Option werden, wenn die Packers auch im Februar noch aktiv sein sollten.
Die Cornerback-Depth-Chart der Packers sieht aktuell sehr überschaubar aus. Neben den aktuellen Startern Keisean Nixon und Carrington Valentine sind da nur noch Shemar Bartholomew und eben Diggs im 53er-Kader sowie Tyron Herring vom Practice Squad zu finden. Die Fragen, die sich nun stellen, sind: Hat Diggs noch etwas im Tank und wird er eine Verstärkung für die Packers sein?
Diggs, der einstige Zweitrundenpick der Cowboys im Draft 2020, war 2021 ein First-Team All-Pro, nachdem er elf Interceptions gefangen hatte und damit die meisten seit 40 Jahren (Everson Walls hatte ebenfalls 11 1981). Da er auch 2022 noch starke Leistungen zeigte, erhielt er 2023 eine Vertragsverlängerung über fünf Jahre und 97 Millionen Dollar. Anschließend ging es jedoch bergab für den Cornerback.
Diggs: Verletzungspech seit 2023
Diggs riss sich früh in der Saison 2023 das Kreuzband im linken Knie und verpasste damit 15 Spiele. In der Folge plagten ihn weitere Verletzungen, unter anderem eine erneute Knieverletzung, die seine Saison 2024 nach nur elf Spielen beendete und Teile der laufenden Spielzeit kosteten. In diesem Jahr kam dann noch eine Gehirnerschütterung hinzu, deren Folgen ihm erneut einen Trip auf die Injured Reserve List bescherte. Letztlich wurde er dann noch während seiner wohl schwächsten Saison in der NFL entlassen.
In acht Spielen ließ Diggs 17 Receptions (20 Targets) als nächster Verteidiger zu und gab dabei vier Touchdowns ab. Laut "Next Gen Stats" erlaubte er somit ein Passer Rating von 158,3 - das ist ein perfektes Rating für einen Passer! Er ließ +27,3 Expected Points Added zu und nur fünf Prozent seiner Targets waren Pässe in enge Passfenster. All das sind teils deutliche Career-Lows für Diggs. Eine Interception oder auch nur ein Pass Breakup gelangen ihm bislang nicht. Auch stehen für ihn keine Tackles oder Pressures zu Buche. Er war praktisch ein Non-Faktor für die schwächelnde Defense der Cowboys.
Ein Problem, neben seiner wohl fehlenden Spielpraxis nach langer Pause und generell wenigen Einsätzen seit 2023, dürfte dabei vor allem seine Spielweise sein. Diggs ist vielleicht der extremste Hopp-oder-Top-Spieler der Liga. Er war nie wirklich der herausragende Cover-Corner, vielmehr ist er ein Ballhawk, der eben auf den Ball geht. Entsprechend fing er in 66 Spielen eben schon 20 Intereptions.
Das allerdings spricht nun nicht gerade für die Packers, die derzeit ein ähnliches Problem haben wie die Cowboys in der gesamten Saison: Ihnen kam Micah Parsons (Kreuzbandriss) abhanden. Ohne ihn funktioniert der Pass Rush kaum noch, was dem gegnerischen Quarterback viel Zeit zum Passen und Lücken finden gibt. Laut "NGS" lassen die Packers die drittlängste Zeit bis zum Pass zu - 2,95 Sekunden. Selbst die Cowboys waren da geringfügig besser (2,89 Sekunden) und die spielten das ganze Jahr ohne Parsons. Und wie die Cowboys verzichten auch die Packers weitestgehend darauf, zu blitzen (21,4 Prozent Blitz Rate). Obgleich dieser Wert damit zu erklären ist, dass Parsons eben über weite Teile der Saison aktiv war und Blitzes damit nicht unbedingt erforderlich waren.

Diggs gibt sich selbstbewusst
Diggs selbst gab sich beim Auftakt in Green Bay selbstbewusst: "Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch der Beste bin." Er ergänzte: "Ich denke, ich muss einfach ich selbst sein, wissen Sie? Einfach der sein, von dem ich weiß, dass ich es bin. Da rausgehen und meine Leistung bringen - und wenn ich abliefere, wird sich alles andere von selbst ergeben. Ich jage keinen Auszeichnungen hinterher. Ich jage gar nichts hinterher. Ich strebe danach, eine bessere Version meiner selbst zu werden, jeden Tag besser zu werden, und diesem Team zu helfen, zu gewinnen."
Das allerdings dürfte zu einer größeren Herausforderung werden, wenn man bedenkt, in welcher Form sich Diggs zuletzt befand und, wie überschaubar die Leistungen seiner neuen Kollegen bislang ebenfalls waren. Sowohl Nixon als auch Valentine haben ebenfalls jeweils Passer Ratings im dreistelligen Bereich und je sieben Touchdowns als nächste Verteidiger zugelassen.
Gelingt jetzt also nicht ein schneller Turnaround, könnte der erhoffte Playoff-Run des Teams von Head Coach Matt LaFleur schon früh ein jähes Ende finden, zumal auch die Offense den einen oder anderen Ausfall zu verkraften hat und die Defense zuletzt keine große Hilfe war.
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