Die NFL-Saison geht auf die Zielgerade und in der Vorweihnachtszeit tobt ein erbitterter Playoff-Kampf. So auch in der AFC East, wo sich die New England Patriots und die Buffalo Bills gegenüber stehen.
Übertragen wird der Division-Kracher am Sonntag im Free-TV ab 19 Uhr bei RTL.
Der zweifache Super-Bowl-Champion und heutige RTL-Experte Sebastian Vollmer ist live vor Ort im Gillette Stadium und freut sich auf ein spannendes Spiel, wie er im exklusiven Interview mit sport.de und RTL/ntv erklärt.
Großer Ansturm auf entscheidende Partie
Wie groß die Vorfreude auf die Partie auch in Foxborough ist, musste Vollmer am eigenen Leib erfahren. "Ich wollte meine Familie mitbringen zum Spiel, aber das ist nicht so einfach. Mit den Flügen, den Hotels - selbst die Teams haben es nicht so leicht, noch Tickets freizuschaufeln. Auf einmal will jeder kommen. Natürlich waren die Patriots auch lange nicht mehr so gut. Sie haben den besten Record in der NFL, das macht schon etwas her", berichtete Vollmer.
Aktuell stehen die New England Patriots bei einer Bilanz von 11-2. Die Bills ihrerseits stehen mit 9-4 zwar im Playoff-Kampf gut da, die Division droht ihnen aber zu entgleiten.
"Es ist ein 'Hat & T-Shirt Game', wie man in der NFL sagt. Wenn die Patriots gewinnen, gewinnen sie auch die Division das erste Mal seit 5 Jahren. Wenn du Division gewinnst, bekommst du ein T-Shirt und eine Cap, wo dann draufsteht 'AFC EAST CHAMP' oder so. Das bedeutet schon was. Natürlich gerade wegen der längeren Durstrecke, aber auch mit Blick auf die Playoffs", erklärte Vollmer.

Wie weit kann es gehen für die Patriots?
Ob als AFC-East-Champion oder nicht. Dass die Patriots in den Playoffs mit von der Partie sind, ist nahezu sicher (mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99% laut "NextGenStats"). Wie weit es dann gehen kann, wird sich zeigen.
"Du musst es einfach in die Playoffs schaffen und dann ist vieles möglich. Ich erinnere mich noch an die Saison 2011, da sind die New York Giants irgendwie mit einem mäßigen Record in die Wild Card Round gekommen. Und dann gewinnst du vier Spiele und plötzlich bist du Super Bowl Champ. Du musst halt nur erstmal mit dabei sein", erinnerte sich Vollmer.
"Das gilt natürlich auch für die Patriots. Ich mag, wie sie spielen, ich mag ihren Zusammenhalt, die gewisse Aggressivität in ihrem Spiel. Es fühlt sich so an, als wären sie im Team füreinander da. Es ist ein guter Vibe. Solche Teams können immer weit kommen", schätzte der frühere Brady-Beschützer die Lage ein.
Dass es für das junge Team einen Nachteil aufgrund mangelnder Erfahrung geben könnte, glaubt der frühere Left Tackle indes nicht. "Ich hatte das Glück immer in den Playoffs mit dabei zu sein. Wir hatten natürlich Tom Brady mit viel Erfahrung, aber wir hatten auch einige Male jüngere Teams und am Ende ist es nicht so entscheidend. Denn wenn du auf dem Platz stehst, ist es einfach das Spiel, das du seit deiner Kindheit spielst. Der Druck verschwindet dann irgendwie", weiß Vollmer.
Auch das Narrativ, dass die Patriots sich nach einer Saison mit leichterem Schedule erstmal beweisen müssten, sieht der zweifache Champion nicht. "Sie waren halt nunmal schlecht letzte Saison und dann ist der Schedule so. Das suchen sich die Teams ja nicht aus. Aber als es dann gegen die Bills ging, haben sie das Spiel auch gewonnen und auch einige andere schwere Gegner geschlagen", brach Vollmer eine Lanze für sein ehemaliges Team.
Die First Seed als ultimative Ziel
Ein erneuter Sieg über die Buffalo Bills würde den Patriots nicht nur den Sieg in der AFC East sichern, sondern auch die Chancen erhalten, die Denver Broncos (ebenfalls 11-2) noch vom AFC-Thron zu stoßen, um damit den First Seed zu sichern und neben dem Heimrecht in den Playoffs auch eine Bye Week zu bekommen.
Das hat aus Vollmers Sicht wenig überraschend fast ausschließlich Vorteile. "Zum einen ist man natürlich einfach schon eine Runde weiter. Aber diese Woche Spielpause hilft extrem, auch auf der Trainerseite. Normalerweise hast du keine Zeit, dich um dich selbst zu kümmern", erklärte der Ex-NFL-Profi.
"Du bist Sonntags erst spät zuhause, am Montag gibt es dann kleine Korrekturen mit den Spielern. Dienstag haben die Spieler frei, die Coaches aber bereiten sich schon auf den nächsten Gegner vor, um dann am Mittwoch dahingehend zu trainieren. Du hast keine Zeit zurückzuschauen. Wenn du aber eine Woche frei hast, kannst du einen gesamten Gameplan vorbereiten, weil du die möglichen Gegner schon kennst. Ein Teil der Coaches kann sich dann aber auch darum kümmern, das eigene Team zu scouten, um sich in die Lage des Gegners hineinzuversetzen", schilderte der RTL-Experte.
"Ein großer Vorteil gibt es natürlich auch in Sachen Gesundheit: Du hast ein Spiel weniger, in dem du dich verletzen kannst. Und eine Woche Pause, in der du dich auskurieren kannst und vielleicht auch mal mental abschalten kannst", ergänzte Vollmer.
Den einzigen Nachteil sieht der Rheinländer in dem fehlenden Rhythmus nach einer Woche Pause. "Es kann natürlich passieren, dass du etwas eingerostet bist und dich in den ersten Minuten des Spiels dann erstmal wieder an das Tempo gewöhnen musst."
Nicht zu unterschätzen ist derweil jedoch auch der Heimvorteil in den Playoffs. Dieser sei "sehr wichtig", so Vollmer, "gerade wegen der Logistik. Du musst nicht mehrere Stunden fliegen, du bist im gewohnten Umfeld, hast mehr Zeit Tape zu schauen oder für Behandlungen. Dazu kommt natürlich die Stimmung im Stadion. Das kann schon zusätzliche Kräfte freisetzen."
Vollmer: "Maye soll nicht der MVP werden"
Zusätzliche Kräfte setzte zuletzt auch immer wieder Bills-Quarterback Josh Allen frei, der sein Team schon in den vergangenen fünf Jahren zur Vormachtstellung in der AFC East führte.
"Schon als Tom Brady noch bei den Patriots war, war es am Ende so, dass die Bills das bessere Team waren, es aber nicht geschafft haben, Brady zu stoppen und zu besiegen. Irgendwann haben sie die Division übernommen und das auch zu Recht. In dieser Saison läuft nicht alles superrund, aber alleine was Josh Allen kann ist ja unbestritten und er ist in der Lage, das Team auch zu tragen", lobte Vollmer den amtierenden MVP.
Apropos MVP: Als solchen sehen viele NFL-Fans auch Patriots-Quarterback Drake Maye. Vollmer hat zu dieser Diskussion eine spezielle Meinung. "Die Rufe werden immer lauter. Realistisch gesehen ist er noch zu jung, aber es hängt natürlich viel davon ab, wie die kommenden Wochen laufen. Aus Patriots-Sicht willst du aber gar keinen MVP, denn dann holst du nicht den Super Bowl", sagte Vollmer.
Was er damit meint? Erst elf Mal in der Geschichte konnte der Season MVP mit seinem Team auch den Super Bowl gewinnen. In diesem Jahrtausend kam das sogar nur ein einziges Mal vor: 2022 holte Patrick Mahomes den MVP-Titel und den Super Bowl mit den Chiefs.





