Lange galt Sacha Boey beim FC Bayern als millionenschweres Transfer-Missverständnis. Aktuell ist der Rechtsverteidiger in München gefragt wie nie zuvor. Nur ein Strohfeuer? Oder ist der Franzose beim Rekordmeister endlich angekommen?
Sacha Boey gehört in der noch jungen Saison bislang zu den großen Gewinnern beim FC Bayern.
Der 25-Jährige erhielt in allen zehn Pflichtspielen seine Chance. In der Bundesliga stand der Rechtsfuß zuletzt sogar dreimal in Folge in der Startelf von Cheftrainer Vincent Kompany. Eine Entwicklung, die beileibe nicht abzusehen war.
Noch im Sommer galt Boey in München als Verkaufskandidat. Olympique Marseille wurde als möglicher Abnehmer gehandelt, eine Rückkehr zu Ex-Klub Galatasaray stand angeblich ebenfalls im Raum. Doch letztlich blieb Boey beim FC Bayern - wohl auch, weil kein Interessent letztlich zugreifen wollte.
Boey zeigt es seinen Kritikern
Ein möglicher Grund: Seit seinem überraschenden 30-Millionen-Euro-Wechsel im Januar 2024 wusste der Franzose in München kaum zu überzeugen. Verletzungen bremsten den Abwehrmann immer wieder aus. Zudem unterliefen ihm immer wieder Fehler in seinem Spiel, sodass er als Unsicherheitsfaktor galt.
Kritische Stimmen begleiteten ihn daher im Grunde seit dem ersten Tag. Er könne sich nicht vorstellen, dass Boey für den FC Bayern "irgendwann mal zehn Spiele von Anfang an macht", polterte TV-Experte Mario Basler noch im September bei "Sport1": "Weil er immer wieder gezeigt hat, dass er eine Gefahr für den FC Bayern selbst ist."
Doch: In den letzten Wochen meldete sich Sacha Boey eindrucksvoll zurück. Nachdem sich Josip Stanisic beim Champions-League-Auftakt gegen den FC Chelsea (3:1) eine Innenbandverletzung zugezogen hatte, rückte Konrad Laimer von der rechten auf die linke Abwehrseite. Boey übernahm dafür den Part des Österreichers.
"Wenn man auf die Kritiker schaut bei Bayern, dann hat man keine Chance. Dann muss man aufhören. Die Jungs haben alle Talent, sonst würden die nicht hier sein", stärkte Cheftrainer Kompany den 25-Jährigen vor dem jüngsten Bundesliga-Topspiel bei Eintracht Frankfurt (3:0) im "Sky"-Interview. Boey zahlte das Vertrauen mit einer überzeugenden Leistung zurück.
Der Defensivakteur kommt nach den ersten sechs Bundesliga-Spieltagen bereits auf 318 Minuten. Zum Vergleich: In der Vorsaison waren es im deutschen Fußball-Oberhaus insgesamt 594 Minuten (verteilt auf 13 Einsätze).
Einzig Michael Olise (138), Konrad Laimer (134), Luis Diaz (129) und Jonathan Tah (81) zogen bei den Bayern laut "kicker" in der Bundesliga bislang mehr Sprints an als Boey (80). Betrachtet man die Laufleistung, belegt er mit durchschnittlich 11,54 Kilometern pro 90 Minuten mannschaftsintern den achten Platz - immerhin zwei Kategorien in den Statistiken, in denen der Rechtsfuß zu überzeugen weiß.
Boey droht wieder größere Konkurrenz beim FC Bayern
Im Spätherbst wird es für Boey beim FC Bayern spannend, schließlich dürfte sich die Personalsituation auf den beiden Außenverteidiger-Positionen dann sichtlich entspannen. Stanisic könnte bereits nach der Länderspielpause zurückkehren. Laimer wird dann wohl wieder zurück auf die rechte Abwehrseite wechseln.
Mit Alphonso Davies (Kreuzbandriss) und Hiroki Ito (Mittelfußbruch) schuften zudem zwei Langzeitverletzte in München für ihr Comeback. Auch Stanisic dürfte somit perspektivisch wieder auf seiner angestammten Position hinten rechts agieren, zumal mit Raphael Guerreiro noch ein weiterer Linksverteidiger im Kader steht.
Die interne Konkurrenz wird für Boey folgerichtig wieder zunehmen. Sowohl Laimer (2,42) als auch Stanisic (3,0) kommen beim "kicker" in dieser Bundesliga-Saison bislang auf eine bessere Durchschnittsnote als Boey (3,33). Letztgenannter wird vom Fachmagazin unter allen Bayern-Stars (die in mindestens 50 Prozent der Spiele benotet wurden) bislang mit der schwächsten Durchschnittsbewertung geführt.
Die große Frage lautet also: Kann Boey über einen langfristigen Zeitraum konstant agieren? Die passende Antwort muss der Rechtsverteidiger noch liefern. Erst dann wird sich herausstellen, ob er beim FC Bayern tatsächlich richtig angekommen ist.




























