Die deutschen Eishockey-Frauen spielen ab Donnerstag um die erste Teilnahme an den Winterspielen seit 2014. Beim Qualifikationsturnier in Bremerhaven geht es aber um weit mehr als nur den olympischen Traum.
Die Bedeutung könnte kaum größer sein. Wenn die deutschen Eishockeyspielerinnen ab Donnerstag beim Qualifikationsturnier in Bremerhaven um die Teilnahme an den Winterspielen 2026 kämpfen, geht es um viel mehr als bloß ihren olympischen Traum. Nach all der mühsamen Aufbauarbeit der letzten Jahre soll der ersehnte Schritt aus der Nische gelingen.
"Was wir in den letzten Jahren geschaffen haben, das muss positiv belohnt werden. Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg", sagt Kapitänin Daria Gleißner im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Mitbekommen haben davon nur wenige, die große Bühne der Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo wäre für die Sichtbarkeit essenziell.
Eishockey-Frauen noch nicht in der Weltspitze angekommen
"Das ist der größte Faktor", sagt Christian Künast. Der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) sieht die Sportart immer noch als "Männerdomäne, aber das ist es ja eigentlich nicht. Ich würde mir wünschen, wenn sich diese Wahrnehmung etwas verändert. Eishockey ist für beide Geschlechter."
Während die Männer mit der sensationellen Silbermedaille bei Olympia 2018 und der Vizeweltmeisterschaft 2023 den Sprung in die Weltspitze geschafft haben, warten die Frauen noch auf ihren großen Moment. Die letzten Winterspiele mit deutscher Beteiligung liegen schon elf Jahre zurück, bisher reichte es ohnehin nur zu drei Teilnahmen.
Die Chancen auf die vierte schätzt Gleißner als "hoch" ein. An der Nordseeküste trifft die DEB-Auswahl auf Ungarn, Österreich und die Slowakei. Der Sieger des Turniers fährt nach Mailand. Zum Auftakt am Donnerstag (19.30 Uhr/MagentaSport) bekommen es die Deutschen mit den Österreicherinnen zu tun - genau ein Jahr vor dem Start der Spiele.
Ist das Olympia-Ticket für das Überleben notwendig?
Sollte die Qualifikation gelingen, winken weitere Fördermittel, unter anderem mehr Plätze bei der Bundeswehr. Derzeit sind diese die einzige Möglichkeit, um Eishockey als Frau in Deutschland professionell ausüben zu können. Gleißner gehört dazu, aktuell gibt es jedoch nur elf dieser Plätze.
Auch deshalb sei das Olympiaticket "sehr richtungsweisend", sagt Gleißner (31), die mit 240 Länderspielen die erfahrenste Spielerin im Aufgebot von Bundestrainer Jeff MacLeod ist. Die Teilnahme an den Winterspielen würde den ein oder anderen Prozess beschleunigen. Vor allem strukturelle und finanzielle Probleme sowie die ungenügende Jugendarbeit auf Klubebene macht die Verteidigerin vom deutschen Meister ECDC Memmingen aus.
In der Deutschen Frauen Eishockey Liga (DFEL) kamen am Spieltag vor der Länderspielpause lediglich zwischen 100 und 200 Zuschauer. Zwar gibt es seit dieser Saison erstmals einen Namenssponsor, an zahlungswilligen Partnern mangelt es aber immer noch. Von einer Profiliga ist die DFEL weit entfernt, ohnehin gibt es weltweit mit der PWHL in Nordamerika - in der in Torhüterin Sandra Abstreiter auch eine Deutsche spielt - nur eine.
Dass durchaus Interesse am Frauen-Eishockey in Deutschland besteht, bewies der Deutschland Cup im vergangenen Jahr in Landshut, als über 3000 Zuschauer zum letzten Spiel der DEB-Frauen kamen. Auch in Bremerhaven wird eine solche Zahl erwartet. Damit dies keine Ausnahme bleibt, braucht es zumindest die Olympia-Qualifikation.





