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"Habe mich selbst nicht mehr wiedererkannt"

Biathlon-Star mit dramatischer Beichte

31. Mai 2023 14:50
Biathlon-Star Lisa Vittozzi wurde lange von Selbstzweifeln geplagt
Biathlon-Star Lisa Vittozzi wurde lange von Selbstzweifeln geplagt
Foto: © IMAGO/Anders Wiklund/TT

Die vergangene Biathlon-Saison lief für Lisa Vittozzi nahezu nach Plan. Nach zwei äußerst schweren Jahren meldete sich die Italienerin ganz vorne in der Weltspitze zurück. Ein großer Befreiungsschlag für die 28-Jährige, in den 24 Monaten zuvor mehr litt, als es von außen den Anschein hatte.

In einem Beitrag für das Portal "The Owl Post" schilderte Vittozzi mit ihren eigenen Worten, wie schwer ihr die beiden Saisons 2020/21 und 2021/22 zusetzten. 

"Ich war nicht länger zufrieden, habe an meinen Fähigkeiten gezweifelt und mich selbst nicht mehr wiedererkannt", schrieb die Italienerin, die zudem von "Panikattacken" berichtete: "Wenn ich nur daran denke, bekomme ich Gänsehaut. Sie waren wie ein Schlag auf die Brust. Als ob man zu angespannt ist und vergisst, zu atmen."

In dieser Phase hätte sie aufgeben, sich Zeit nehmen und alles herunterfahren können, schrieb Vittozzi: "Aber irgendwas hat mir gesagt, dass es nicht das Richtige gewesen wäre. Dass es besser wäre, bis zum Ende zu leiden und meinen absoluten Tiefpunkt zu erreichen."

Jenen Tiefpunkt erreichte sie schließlich Anfang 2022, ausgerechnet beim großen Saisonhöhepunkt, den Olympischen Spielen in Peking. Dort habe dann jedoch "eine Glocke in meinem Kopf" geklingelt. Sie habe sich gedacht: "Du kannst nicht mehr tiefer sinken, du kannst jetzt nur noch alles löschen."

"Das hört sich dumm an, aber das ist es nicht. Weil die plötzliche Erkenntnis, dass die Welt nicht untergegangen ist und dass ich wirklich neu starten kann, mir Kraft und Energie gegeben hat", schilderte Vittozzi ihre Gefühlswelt nach den Spielen, bei denen sie in den Einzel-Rennen nur auf den Plätzen 32, 36 und 76 landete und auch mit der Staffel das erhoffte Podest verpasste.

Biathlon: Lisa Vittozzi "stärker als gestern"

In den beiden besagten Saisons habe sie sich oft einsam gefühlt, gestand Vittozzi. Ihre Weggefährtinnen im Biathlon-Weltcup seien zwar wie Bekannte, aber eben nicht wie Freunde.

"Man kann sich ihnen nicht immer anvertrauen. Vor allem, wenn man wie ich jemand ist, der grundsätzlich wenig vertraut", schrieb die 28-Jährige, die den dringend benötigten Rückhalt letztlich zuhause bei ihrer Familie fand. "Jedes Mal, wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich das gefunden, was ich zurückgelassen habe: eine große Familie, die sich um Lisa kümmert, nichts anderes."

So habe sie schließlich den Grundstein zu der äußerst erfolgreichen Saison 2022/23 legen können. "Und dank der Erkenntnis, dass, wenn alles zusammenbricht, es immer einen Weg gibt, es wieder von Neuem aufzubauen." Heute sei sie "stärker als gestern. Und das bin ich, weil ich realisiert habe, dass die Dinge, die wirklich wichtig sind, sich nie verändert haben. Und das sollten sie auch nie", beendete Vittozzi ihren emotionalen Post. 

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