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Skispringen

Skispringerin Rupprecht will "Kleinigkeiten optimieren"

16.01.2023 18:50
Anna Rupprecht zählt zu den besten Skispringerinnen Deutschlands
© IMAGO/Yohei Osada
Anna Rupprecht zählt zu den besten Skispringerinnen Deutschlands

Im Skispringen geht es in Japan weiter. Anna Rupprecht blickt in ihrer Kolumne für sport.de auf die spannende Reise zurück.

Man macht sich so seine Gedanken: der Kauf zweier Bücher, das Herunterladen unzähliger TV-Staffeln für das I-Pad und vor allem die Suche nach der Nadel, nicht nach der im Heuhaufen, sondern eine zum Häkeln, egal, was dann damit herauskommt.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Vorbereitungen für einen wahren Rückreisemarathon; Yamagata-Tokio-Frankfurt am Main. 33 Stunden, um wieder nach Hause zu kommen, an den Tisch mit deutschem Essen, in das eigene Bett, in die eigenen vier Wände. Nach dem gefühlten Verzehr von einigen Kilogramm Nudelsuppe wächst die Sehnsucht auf Weißwürstchen oder eine Leberkassemmel vom Metzger in Aschau.

Allein der Flug von Tokio nach Frankfurt wird 15 Stunden dauern und diese wollen mental bewältigt sein. Selina Freitag und Katharina Althaus haben sich ihre ganz eigene Strategie in der Bewältigung dieser Flugmeilen zurecht gelegt, sie werden stricken, wie ihr vor Wollknäuel überquellendes Handgepäck leicht anzeigt. Was ich anfangs angesichts meiner Bücher und heruntergeladenen Kinoabende am Stück etwas belächele, bohrt sich beim Warten am Gate in mich hinein.

Ich sollte eigentlich für alle Krisen und Turbulenzen gewappnet sein und verschämt frage ich die beiden, ob sie nicht zufälliger Weise auch Häkelnadeln mit sich führen würden, die zur Leihe anstünden, da man nun wirklich nicht gleichzeitig stricken und häkeln könnte. Die Logik besticht und dreißig Sekunden später bin ich im Besitz von mega-coolen Häkelnadeln. Weitere dreißig Sekunden später wird mir soviel Wolle in die Hände gedrückt, dass ein Mitbringsel für meinen Freund aus Japan endgültig nichts mehr im Wege steht. Höflich versichere ich den Spenderinnen, dass sie sich jederzeit meine Bücher und mein I-Pad ausleihen könnten, solange ich nicht selbst häkelnd lese oder Fernsehen schaue.

In dem Gefühl, nun wirklich präpariert zu sein, gehe ich wohlgelaunt zum Boarding und lasse mich ein wenig später in die Sitze der Economy Class fallen, was mir sofort ins Bewusstsein kommen lässt, dass Sitzkissen und andere Polster auch eine lohnenswerte Investition gewesen wären, um die Rückreise erträglicher zu gestalten.

Der Airbus rollt an und schon sind wir in der Luft, diesmal wird es länger dauern bis der Telemark gesetzt werden kann.

Tokio wird hinter uns kleiner, die Umrisse der japanischen Hauptinsel treten hervor. Der Rückblick auf die letzten 14 Tage fällt positiv aus. Die Grundlagen der Sprünge stimmen, es gilt nach wie vor und dies vor allem im Hinblick auf die Weltmeisterschaft Kleinigkeiten zu optimieren, die in der Summe Weitenmeter bringen können. In diesem Bewusstsein fasse ich die Häkelnadeln und beginne mit grün-gelben Topflappen.

Herzliche Grüße

Anna Rupprecht