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Biathlon

Endlich "mitlaufen statt hinterhergurken"

Das sind die deutschen Biathlon-Newcomer

08.12.2022 10:30
Juliane Frühwirt gehört zu den neuen Gesichtern im Biathlon-Weltcup
© Harald Deubert via www.imago-images.de
Juliane Frühwirt gehört zu den neuen Gesichtern im Biathlon-Weltcup

Der Start in den Biathlon-Winter 2022/23 hätte für das deutsche Team kaum besser laufen können. Die Erwartungen an das in Teilen noch recht unerfahrene Team waren nicht die allergrößten, doch auch die zweite Garde zeigte im finnischen Kontiolahti absolute Top-Leistungen.

sport.de stellt die eher unbekannten Gesichter im deutschen Biathlon-Team vor:

David Zobel (26 Jahre/15 Starts im Weltcup):

"Glücksmomente! Glücksgefühle! Ich sprudele über vor Glück", jubelte der 26-Jährige David Zobel an den "ARD"-Mikrofonen, nachdem er im Einzelwettbewerb in der finnischen Bärenbucht bei seinem 13. Weltcup-Einsatz als Dritter erstmals das Podest enterte. Vier Schießeinlagen ohne Fehler waren ihm erstmals bei den Ausscheidungswettkämpfen im finnischen Vuokatti im Rahmen eines Wettkampfes gelungen, dass er nun im Weltcup 20 perfekte Schüsse nachlegen konnte, sei mehr als er sich hätte vorstellen können. 

Mit 26 Jahren ist Zobel gemeinsam mir dem sechs Monate jüngeren Justus Strelow das "Küken" des deutschen Herren-Teams. Dass ausgerechnet Zobel das erste richtig große Ausrufezeichen des Winters setzen konnte, tue der Mannschaft "enorm gut", betonte Biathlon-Bundestrainer Mark Kirchner mit Blick auf die Rücktritte der routinierten Erfolgsgaranten Simon Schempp, Arnd Peiffer und Erik Lesser in den vergangenen Jahren.

Läuferisch befindet sich Zobel ohnehin in soliden Bahnen, in den vergangenen Jahren verhinderte jedoch vor allem sein Stehendanschlag bessere Resultate. Kann er den aktuellen Trend aufrechterhalten, dürfte sich Zobel im Weltcupteam etablieren.

Justus Strelow (25 Jahre/9 Starts im Weltcup)

Was das Stehendschießen angeht, macht Justus Strelow hingegen kaum ein Skijäger etwas vor: Im vergangenen Winter räumte der 25-Jährige, der meist im IBU-Cup an den Start ging, überragende 96 Prozent aller Scheiben ab. 

Sehr starke Schießleistungen waren auch die Grundlage dafür, dass sich Strelow in Vuokatti einen Platz im Weltcupteam sichern konnte. Allerdings fällt auch ins Auge, dass sich der Biathlet von der SG Stahl Schmiedeberg im Vergleich zum Vorjahr in der Loipe stark verbessert hat. Im Sprint erreichte er in Kontilahti die 29., im Verfolger die 36. Laufzeit. 

Steigerungsbedarf besteht natürlich weiterhin, aber: Als Strelow im vergangenen Winter am Season Opening in Oestersund teilnehmen durfte, reichte es nur zur 84. Laufzeit. Eine deutliche Tendenz, die Hoffnung schürt.

Sophia Schneider (25 Jahre/8 Starts im Weltcup)

Sophia Schneider ist wohl die größte Überraschung des soeben begonnenen Winters. Allein, dass sich die 25-Jährige im Kampf um einen Platz im DSV-Kader gegen erfahrene Athletinnen wie Vanessa Hinz oder Janina Hettich-Walz durchsetzen konnte, kann als solche gewertet werden. Dass Schneider nach vier Rennen und Rang elf im Einzel sowie Platz acht im Sprint jetzt schon die interne WM-Norm in der Tasche hat, ist sogar eine faustdicke Sensation. Immerhin war Schneiders Top-Resultat bei vier vorherigen Weltcupstarts ein 52. Rang.

Auffällig: Schneider brannte gleich mehrere Top-10-Laufzeiten in den Schnee. Ein Vermögen, das sich laut eigener Aussage früh abzeichnete, welches sie in den vergangenen Jahren aber gar nicht hatte umsetzen können. Coach und Ex-Biathlet Andreas Birnbacher habe das Potenzial nun wieder in ihr freigesetzt, so Schneider bei der "ARD".


Mehr dazu: So steht es im Biathlon-Weltcup


"Letztes Jahr war ich sogar mal im Deutschland-Cup unterwegs und habe mich erst wieder in den IBU-Cup hocharbeiten müssen, jetzt stehe ich hier", fasste sie lächelnd zusammen.

Juliane Frühwirt (24 Jahre/7 Starts im Weltcup)

Frühwirt gewann 2016 Gold bei den Olympischen Jugend-Winterspielen, 2019 zweimal Silber bei der Junioren-WM und landete bei den Deutschen Meisterschaften 2022 im Einzel und Sprint jeweils auf dem Bronzerang. Im Weltcup konnte die 24-Jährige die Erwartungen, die diese Vita weckt, allerdings noch nicht erfüllen.

Auch bei Auftakt des aktuellen Winters war Frühwirt die schwächste deutsche Athletin, sammelte mit Rang 23 im Einzel allerdings erstmals Weltcup-Punkte. 

Die dringend benötigte Steigerung auf der Strecke scheint gelungen ("Ich bin erleichtert, dass ich endlich richtig mitlaufen und nicht nur wie letztes Jahr hinterhergurken kann"), ihrer bislang meist sehr guten Schießleistung allerdings nicht zuträglich gewesen zu sein: Drei Fehler im Sprint und ganze acht im Verfolger sind für Frühwirt deutlich zu viel.

Marc Affeldt