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"Mach das Gegenteil zu Pérez"

Wie Ferrari Red Bull in Abu Dhabi austrickste

29.11.2022 08:51
Ferrari-Pilot Charles Leclerc wurde beim Formel-1-Rennen von Abu Dhabi Zweiter
© MST
Ferrari-Pilot Charles Leclerc wurde beim Formel-1-Rennen von Abu Dhabi Zweiter

Beim Saisonfinale der Formel 1 in Abu Dhabi ist ausgerechnet Ferrari ein Strategiecoup gelungen: Charles Leclerc wurde mit einer Einstoppstrategie Zweiter.

Mit dem zweiten Platz beim Formel-1-Grand-Prix von Abu Dhabi konnte sich Charles Leclerc auch den zweiten Platz in der WM-Wertung sichern. Doch um Konkurrent Sergio Pérez auf dem Yas Marina Circuit zu schlagen, musste Ferrari in die Strategietrickkiste greifen, da der Red Bull eigentlich das schnellere Auto war.

Beide starteten auf den Mediums, doch Pérez hatte bereits bei seinem ersten Stint Probleme mit dem Reifenverschleiß, weshalb er schon in Runde 15 an die Box für harte Reifen kam.

Bei Leclerc zog man den ersten Stopp bis Runde 21 heraus und montierte ebenfalls den harten Reifen.

Als Leclerc mit den besseren Reifen immer weiter an Pérez aufschließen konnte, kam in Runde 33 der entscheidende Funk: "Mach das Gegenteil zu Pérez", so die Aufforderung an den Monegassen. Bei Red Bull reagierte man, da man sich nicht undercutten lassen wollte, und brachte den Mexikaner für einen zweiten Reifenwechsel herein.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: "Weiß, dass wir sehr gut arbeiten können"

Den Hochrechnungen zufolge, hätte Pérez Leclerc am Ende des Rennens wieder überholen sollen, doch der Red-Bull-Pilot verlor einiges an Zeit bei zwei Überholversuchen sowie einem Überrundungsmanöver. Somit fehlten über den Strich etwa 1,3 Sekunden. Nach vielen strategischen Fehlern in der Saison 2022 Balsam auf die Seele von Ferrari: "Es ist großartig für das Team und für den Strategen, dass wir an diesem Wochenende ein solides Rennwochenende absolviert haben", sagt Teamchef Mattia Binotto.

"Ich denke, P2 war die Bilanz der gesamten Saison. Aber heute haben wir sicherlich einen guten Job gemacht. Der Dummy-Boxenstopp gegen Red Bull war die richtige Entscheidung. Und ich denke, dass wir es insgesamt richtig gemacht haben. Ich freue mich für das Team, denn auch, wenn Ferrari Fehler macht, und immer viel Kritik einstecken muss, weiß auch, dass diese Jungs sehr gut arbeiten können."

Für die Einstoppstrategie benötigte es ein gutes Reifenmanagement seitens Leclerc, ausgerechnet noch eine Achillesferse der Saison, die aber in Abu Dhabi funktionierte. Doch der Monegasse betont, dass "es wirklich knifflig war. Gegen Ende des Rennens wurde das Blockieren der Vorderräder zu einem Problem, sodass man sehr leicht einen Fehler machen konnte."

"Aber ich denke, dass wir eine wirklich perfekte Leistung gezeigt haben, denn ich glaube nicht, dass wir die Pace der Red Bulls hatten", so Leclerc. "Unser Ziel war es von Anfang an, Checo zu zwingen, etwas Anderes zu tun, was uns perfekt gelungen ist."

Ferrari: Das war der Schlüssel für die Einstoppstrategie

Laut Ferrari war der Schlüssel für das Reifenmanagement, es in den ersten Runden etwas ruhiger anzugehen, was vor allem Mercedes und Lewis Hamilton zum Verhängnis geworden ist.

"Um das Auto während des gesamten Stints gut zu beherrschen, musste man am Start sehr vorsichtig sein", erklärt Binotto.

"Aber nicht nur das, man brauchte auch eine sehr gute Balance des Autos selbst. Und wenn ich uns selbst betrachte, haben wir im Laufe des Wochenendes, beginnend mit dem Freitag, etwas mehr Aufwand betrieben, einige Runden mehr, mit hohem Benzinverbrauch bei den Rennsimulationen, um sicherzustellen, dass wir die richtige Balance für [das Rennen] haben."

"Und ich denke, dass im weiteren Verlauf des Rennens die Balance des Autos und die Fähigkeiten der Fahrer den Unterschied ausgemacht haben, was die Pace im ersten Stint und die Geschwindigkeit über die gesamte Renndistanz angeht."

Wäre Ferrari-Pilot Charles Leclerc wirklich reingekommen?

Bei Ferrari betont man zudem, dass der Plan mit Leclerc von Anfang an eine Einstoppstrategie war, man sich jedoch auch die Option von zwei Stopps offenlassen wollte. "Wir waren mit beiden Fahrern flexibel, weil wir wussten, dass es irgendwie zwischen dem einen und dem anderen liegen würde", so Binotto.

"Der Unterschied wäre die Fähigkeit gewesen, Reifen zu sparen oder nicht, je nachdem, wie sehr man unter Druck gestanden hätte, und die Fahrer selbst in Bezug auf ihre Fahrweise. Charles hatte also etwas mehr Vorsprung auf die nachfolgenden Autos und konnte irgendwie mehr Reifen sparen, was ihm den Vorteil verschaffte, einen Stopp einzulegen."

"Carlos hingegen war gleich zu Beginn des Rennens mit dem Mercedes unter Druck. Es war toll zu sehen, dass das Team sehr flexibel war und für einen Fahrer einen und für den anderen zwei Stopps wählte, um die Rennergebnisse zu optimieren. Und ich denke, dass die Entscheidung für den Dummy an Red Bull eine fantastische Entscheidung der Boxencrew war."

Dass Ferrari am Rennsonntag überhaupt in Schlagdistanz war, verdankt man einer großen Set-up-Veränderung, denn am Freitag in den Longruns war die Scuderia noch komplett unterlegen gewesen. "Es war eine Kombination aus der Änderung des Set-ups von Freitag auf Samstag und der Tatsache, dass ich dem Rennen etwas mehr Bedeutung beigemessen habe", sagt Leclerc. "Und natürlich auch dem Fahrstil, den ich über Nacht von Freitag auf Samstag ziemlich verändert habe. Und das hat sich ausgezahlt."

Fahrerwertung

#FahrerTeamPunkte
1GroßbritannienGeorge RussellMercedes AMG F1 Team0
2GroßbritannienLewis HamiltonMercedes AMG F1 Team0
3DänemarkKevin MagnussenHaas F10
4DeutschlandNico HülkenbergHaas F10
5NiederlandeMax VerstappenRed Bull Racing0
6MexikoSergio PérezRed Bull Racing0
7NiederlandeNyck de VriesAlphaTauri0
8JapanYuki TsunodaAlphaTauri0
9FinnlandValtteri BottasAlfa Romeo F1 Team0
10ChinaGuanyu ZhouAlfa Romeo F1 Team0
11FrankreichEsteban OconAlpine F1 Team0
12FrankreichPierre GaslyAlpine F1 Team0
13AustralienOscar PiastriMcLaren0
14GroßbritannienLando NorrisMcLaren0
15KanadaLance StrollAston Martin F1 Team0
16SpanienFernando AlonsoAston Martin F1 Team0
17MonacoCharles LeclercFerrari0
18SpanienCarlos SainzFerrari0
19ThailandAlex AlbonWilliams Racing0
20USALogan SargeantWilliams Racing0

Abu Dhabi GP 2022

1NiederlandeMax Verstappen1:27:45.914h
2MonacoCharles Leclerc+8.771s
3MexikoSergio Pérez+10.093s
4SpanienCarlos Sainz+24.892s
5GroßbritannienGeorge Russell+35.888s
6GroßbritannienLando Norris+56.234s
7FrankreichEsteban Ocon+57.240s
8KanadaLance Stroll+1:16.931m
9AustralienDaniel Ricciardo+1:23.268m
10DeutschlandSebastian Vettel+1:23.898m