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Biathlon

"Wir sind Menschen und keine Maschinen"

Baldiges Karriere-Ende? Klartext von Herrmann-Wick

23.11.2022 11:39
Denise Herrmann-Wick gehört zu den Top-Star des Biathlon-Trosses
© IMAGO/Eibner-Pressefoto/G. Santemiz
Denise Herrmann-Wick gehört zu den Top-Star des Biathlon-Trosses

Olympische Medaillen im Ski-Langlauf und im Biathlon, darunter die Goldene im Einzel der Skijägerinnen von Peking, garniert mit sechs Podestplätzen bei Biathlon-Weltmeisterschaften und zwölf Siegen im Rahmen des Biathlon-Weltcups: Denise Herrmann-Wick, die im Sommer den ehemaligen Langläufer Thomas Wick heiratete, ist eines der Aushängeschilder des deutschen Wintersports. Vor dem Start der neuen Saison hat sich die Sächsin in einem Interview zu Wort gemeldet.

"Es sind nicht mehr Ergebnisse oder Medaillen, die mich in erster Linie antreiben. Vielmehr ist es das Streben nach Perfektion. Die schnellste Laufzeit von allen, die Null schießen, dazu die schnellste Schießzeit – das ist mein Traumziel, für das ich arbeite", erklärt Herrmann-Wick der "Sport Bild" ihre Motivation. "Es geht mehr um die Performance als um das Ergebnis, aber ich nehme natürlich jede Medaille gern."

Zumal die Heim-WM in Oberhof in diesem Jahr einen ganz besonderen Reiz ausübt. "In Oberhof wird zehn Tage lang die Hütte brennen. Das ist noch mal etwas anderes als ein Weltcup dort. Ich werde die Atmosphäre aufsaugen. Das wird richtig cool", freut sich Herrmann-Wick auf den Saisonhöhepunkt in Deutschland.

Allerdings ist der Skijägerin auch bewusst, dass gerade die hohen Erwartungen vor heimischer Kulisse tückisch sein können. "Manchmal erstickt man an seinen eigenen Erwartungen", davon könne auch sie sich nicht ganz freisprechen, so Herrmann-Wick, die hofft, "möglichst frei nach Oberhof" zu kommen.

"Wir sind Menschen und keine Maschinen"

Wie schwer die mentale Komponente wiegt, untermauern nicht zuletzt die Entwicklungen rund um die norwegischen Top-Biathletinnen Marte Olsbu Röiseland und Tiril Eckhoff, die in infolge gesundheitlicher und mentaler Probleme zuletzt Pausen einlegen mussten. Olsbu Röiseland verpasst mindestens auch noch den Saisonauftakt im finnischen Kontiolathi (ab 29. November), Eckhoff ist auf unbestimmte Zeit außen vor. 

"Wir sind Menschen und keine Maschinen. Dafür sollte jeder Verständnis haben", kommentiert Herrmann-Wick die Probleme zweier ihrer ärgsten Konkurrentinnen. Sie habe solche Phasen zum Glück noch nicht erlebt, wisse aber, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören. "Ich bin mir aber sicher, dass Tiril und Marte wieder richtig fit zurückkommen", verbreitet Herrmann-Wick Optimismus. 

Nachdem in den vergangenen Monaten immer mal wieder Spekulationen um ein baldiges Ende ihrer Laufbahn aufkamen, stellt Herrmann-Wick gegenüber der "Sport Bild" zudem klar, dass das Feuer bei Herrmann-Wick noch brennt: "Ein Karriere-Ende ist noch nicht in Sicht. Ich bin mit so viel Leidenschaft dabei, dass ich nicht ans Aufhören denke. Die kleinen Wehwehchen halten sich zum Glück auch in Grenzen", stellt die ehemalige Langläuferin klar. Vor der neuen Saison habe sie sogar ihr Gewehr optimiert. Schließlich sei "Stillstand" gleichzusetzen mit "Stagnation".

Allzu lange kann der DSV aber wohl nicht mehr mit seiner Vorzeige-Athletin planen: Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Italien will Herrmann-Wick zwar auf jeden Fall vor Ort sein, "aber mit einem Cocktail in der Hand", so die 33-Jährige.