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Skispringen

Messungen haben was von "blinde Kuh"

Skisprung-Disqualifikationen ein "kalkuliertes Risiko"?

09.11.2022 07:00
Kamil Stoch (r.) wurde in Wisla disqualifiziert
© IMAGO/TOMASZ MARKOWSKI
Kamil Stoch (r.) wurde in Wisla disqualifiziert

Mit zwei Siegen durch Dawid Kubacki startete das polnische Skisprung-Team ausgezeichnet in den Winter, Ausnahmespringer Kamil Stoch erlebte hingegen einen wechselhaften Auftakt.

Der dreimalige Sieger der Vierschanzentournee landete am Samstag als Zehnter knapp in den Top 10, musste am Sonntag allerdings hilflos mit ansehen, wie die Konkurrenz die Punkte unter sich aufteilte. Stoch wurde bereits vor Beginn des Wettkampf aufgrund eines zu großen Anzuges disqualifiziert - offenbar ein durchaus kalkuliertes Risiko. Das vermutet der polnische Ex-Skispringer Jakub Kot, der mittlerweile für "Eurosport" als Experte tätig ist.

"Wer gewinnen will, muss, wie Thurnbichler selbst sagte, am Limit agieren", zitiert "Sportowe fakty" den Bruder von Topspringer Maciej Kot, der auf den polnischen Neu-Bundestrainer Stefan Thurbichler verweist. "Dieses Disqualifikationsrisiko muss kalkuliert werden. Vorschriften sind Vorschriften und selbst wenn nur ein Zentimeter fehlt, muss man es einfach akzeptieren."

Schuld bei den Springern sieht Kot allerdings nur sehr bedingt. "Es ist schwer, das alles im Auge zu behalten. Die Wettkämpfer lernen, sich an die Maße halten, aber denken Sie daran, dass der Anzug immer etwas beweglich ist. Manchmal senkt er sich zu stark ab oder der Springer positioniert sich nicht so, wie er es für die Messung sollte und es fehlen schon ein, zwei Zentimeter", nennt Kot einige Probleme.

Messungen haben was von "blinde Kuh"

Außerdem könnten selbst leicht abweichende Essensgewohnheiten an einem Wettkampftag den Unterschied ausmachen. Stoch selbst betonte nach seiner Disqualifikation, vor allem die Abnahme des korrekten Maßes sei "ein kontroverses Thema". Ein Umstand, den spätestens die extrem umstrittenen Disqualifikationen bei den Olympischen Spielen in Peking untermauert haben. 

Kot sieht das aktuelle System, bei dem das vor Saisonbeginn genommene Maß ausschlaggebend ist, ebenfalls kritisch. Der Anzug könne sich im Verlauf des Winters schlicht schonmal etwas weiten. Das ganze habe ein bisschen was vom Kinderspiel "Blinde Kuh" und niemand habe wirklich eine Idee, wie man die Misere beenden könnte. Sollte die FIS mit einem Vorschlag um die Ecke kommen, würden die Verbände aber ohnehin in andere Richtungen tendieren, mutmaßt Kot.

Neben Kamil Stoch erwischte es am Sonntag auch den japanischen Gesamtweltcup-Titelverteidiger Ryoyu Kobayashi, der als Fünfter am Sonntag nachträglich gestrichen wurde.