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ADAC GT Masters
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Sieg-Debütant Marschalkowski "nur noch happy"

28.09.2022 20:56
Jan Marschalkowski und Marvin Dienst holten am Sachsenring ihren ersten Saisonsieg im ADAC GT Masters
© MST
Jan Marschalkowski und Marvin Dienst holten am Sachsenring ihren ersten Saisonsieg im ADAC GT Masters

"Das war einfach so geil, das will man nicht nur einmal erleben!" - Jan Marschalkowski ist im Club der Rennsieger im ADAC GT Masters angekommen. Mehr als 24 Stunden brauchte der 19-jährige Rookie, um seinen ersten Sieg in der Deutschen GT-Meisterschaft wirklich zu realisieren.

"Es hat wirklich lange gedauert. So richtig realisiert habe ich das erst am Montagabend, als ich nach Hause gekommen bin. Ich war einfach nur noch happy und wenn man sich die ganzen Bilder dann nochmal ansieht, dann ist das schon der Hammer", sagt er gegenüber "Motorsport-Total.com".

Der Sieg im Sonntagsrennen auf dem Sachsenring war der bisherige Höhepunkt in der noch jungen Karriere des Nachwuchstalents aus Gräfelfing. Während es von außen wie eine Galafahrt von Marvin Dienst ausgesehen haben mag, der nahezu im Alleingang einen Platz nach dem anderen gutmachte, darf Marschalkowskis Anteil am Sieg nicht kleingeredet werden.

"Am Anfang habe ich einen Platz beim Start verloren, weil ich mich unglücklich positioniert habe", erinnert er sich. "Dann habe ich mich ein wenig zurückfallen lassen und die Lücke nach vorn ein bisschen aufgemacht. So musste ich nicht in der verwirbelten Luft fahren, und konnte die Reifen so gut wie möglich schonen."

"Schon am Vortag haben wir gesehen, dass es viele Reifenschäden gegeben hat. Deshalb war uns klar, dass man erst in der zweiten Rennhälfte den Unterschied würde machen können."

Als Dani Juncadella im Landgraf-Mercedes an die Box kam, gab es nur noch eine Ansage an den ZVO-AMG #8: "Für acht Minuten war nun volle Attacke angesagt. Diese Pushlaps waren nicht leicht, weil die Reifendrücke schon relativ hoch waren. Aber selbst damit war das Auto eine Rakete, da geht ein großer Dank ans Team."

Jede Runde mehr zu verlieren

"Ich habe dem Team gefunkt, ob ich an die Box kommen solle, weil ich gedacht habe, dass Marvin [mit abgesenktem Luftdruck] schneller fahren kann. Aber sie haben gesagt, dass ich noch ein bisschen attackieren muss, damit der Overcut funktioniert. Das war wirklich nicht einfach mit den Drücken."

Doch es funktionierte: Marvin Dienst quetschte sich vor Raffaele Marciello. Jan Marschalkowski hat die absolute Benchmark im AMG-Langer im Fernduell besiegt. Er bleibt auf dem Boden: "Ich glaube, er hat ein bisschen im Verkehr gehangen. Aber ich war bereits sehr glücklich, dass ich den Platz wiedergutgemacht habe, den ich zuvor verloren hatte."

Doch es kam noch besser: "Ich habe ein Interview gegeben und als ich in die Box zurückkam, waren wir schon Dritter! Da dachte ich: 'Wow, ein richtiges Podium und nicht bloß ein Junior-Podium!' Aber auch da habe ich noch nicht an den Sieg geglaubt."

Das änderte sich, als Jusuf Owega den Land-Audi #29 mit Reifenschaden vier Runden vor Schluss abstellen musste. Nun lag Dienst auf Platz zwei und holte in Riesenschritten auf den führenden Kim-Luis Schramm auf. "Da habe ich zum ersten Mal realisiert, dass wir gewinnen können."

Als es dann zum Überholmanöver kam, herrschte völlige Ekstase an der ZVO-Box: "Da war dann richtig was los. Aber als wir gesehen haben, dass der Zweitplatzierte mit Reifenschaden ausgerollt ist, ging das Zittern wieder los. Wir hatten immer mehr zu verlieren, der Puls schoss in die Höhe. Ich habe nur gebetet, dass der Reifen hält."

Wichtiger psychologischer Befreiungsschlag

Bekanntermaßen hat der Reifen gehalten und Dienst fuhr den Sieg nach Hause. Die Last für Marschalkowski, die von den Schultern gefallen ist, war riesig. Nach seinem öffentlichkeitswirksamen Abflug in Zandvoort in der Aufwärmrunde und dem Fehler im Regenrennen kurz vor Schluss auf dem Lausitzring hat der Rookie stark unter Druck gestanden.

"Ich hatte keine einfache Zeit", gibt er zu. "In beiden Fällen waren es kleine Fehler, die große Auswirkungen hatten. Zum Glück hatten wir eine etwas längere Pause. Da konnte ich den Reset-Knopf drücken und hochmotiviert zurückkommen. Deshalb war der Sieg gerade für den mentalen Part extrem wichtig."

"Es ist ein Wahnsinn, wie groß die Erleichterung ist, einmal so ein gutes Wochenende erlebt zu haben. Das war einfach so geil, das will man nicht nur einmal erleben!" Eine Chance auf Wiederholung hat er bereits in Hockenheim.

Auch Philipp Zakowski freute sich. Die Stimmung war beim ZVO-Teamchef auf eigenartige Weise zwiegespalten, denn im selben Rennen verlor das Schwesterfahrzeug mit Jules Gounon und Fabian Schiller alle Titelchancen. Gleichzeitig gab es den ersten Sieg für den Rookie und das pinke Auto zu feiern. Zakowski bezeichnete das Rennen gegenüber 'Motorsport-Total.com' als "Rollercoaster-Life".

"Ich habe Jan schon so lange begleitet, da freue ich mich natürlich sehr für ihn und macht mich sehr stolz", sagt er weiter. "Für so einen jungen Kerl ist es etwas sehr Besonderes, in einer so hochkarätigen Serie den ersten Gesamtsieg zu holen. Er ist ein kluges Köpfchen und hat sich zuvor schon gut geschlagen. Der Sieg kann ihm nur guttun."

Sachsenring 2022

1Marscha./Dienst1:01:58.461h
2Marciello/Junca+7.859s
3Paul/Mapelli+19.868s
4Haase/Owega+20.149s
5Winkel./Spengl.+23.363s
6Perera/Rougier+24.633s
7Costa/Aitken+25.106s
8Krohn/Green+28.536s
9Müller/Sturm+28.638s
10Seppänen/Bird+40.686s