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Bundesliga

Exklusives Interview über Trainer, Sportchef und Zuschauer

Schalke-Expertin: "Sofa-Fans" haben es noch nicht verstanden

22.09.2022 13:01

Obwohl der FC Schalke 04 am vergangenen Wochenende im Revierderby unterlag, bleibt die Stimmung rund um Gelsenkirchen positiv. Viele Anhänger des Klubs haben bereits verstanden, dass es in dieser Saison allein um den Klassenerhalt geht. So auch Fan-Kennerin Susanne Hein-Reipen, die die Königsblauen seit 1983 begleitet, und etwas verärgert darüber ist, dass insbesondere in den Sozialen Netzwerken gegen einzelne Spieler oder Verantwortliche gewettert wird.

Im Gespräch mit sport.de hat Schalke-Expertin und Fan-Insiderin Susanne Hein-Reipen verraten, wie sie selbst zu Trainer Frank Kramer steht, wie bei den Königsblauen nach den schlimmen Szenen am Ende der Abstiegssaison mittlerweile ein neuer Zusammenhalt zwischen Zuschauern und Team entstanden ist und wie sie die Arbeit von Sportdirektor Rouven Schröder bewertet.

Frau Hein-Reipen, wie haben Sie Schalke im Revierderby erlebt, das knapp verloren wurde (0:1)?

Susanne Hein-Reipen: Mit dem Einsatz war ich auf jeden Fall zufrieden. Da es 80 Minuten 0:0 stand, wäre es natürlich schön gewesen, wenn am Ende ein Punkt dabei herumgekommen wäre. Auf der anderen Seite: wenn man sieht, wo der Gegner steht, welchen Kaderwert er hat und uns als Aufsteiger damit vergleicht, dann ist das Ergebnis okay. Ich hatte gehofft, dass sich Schalke nicht abschlachten lässt, das ist gelungen. Sie haben gut dagegengehalten, offensiv gab es jedoch Luft nach oben.

Von der Derbyniederlage mal abgesehen ist die Stimmung im Schalker Fanlager gut, das war ja rückblickend auf das Ende der Abstiegssaison 2020/21 ganz anders, mit dem negativen Höhepunkt, als es Jagdszenen auf dem Arenaring gab.

Die Stimmung hat sich definitiv gedreht. Wobei man auch sagen muss: Was damals nach dem Bielefeld-Spiel passiert ist, war auch nicht repräsentativ für die Schalker Fanszene. Da hat sich einfach der Frust bei einem harten Kern, der sonst auch immer dabei gewesen wäre, entladen. Es gab ein Gefühl von Machtlosigkeit, man konnte nichts tun, nur vor dem Fernseher zusehen, wie es bergab ging. 

Im Normalfall kann man als Fan ja wenigstens ein bisschen bewirken, mit Support, mit Rufen, mit Pfiffen. Aber in der Abstiegssaison waren es die Geisterspiele, die das verhinderten. Woche für Woche hat man im TV gesehen, wie grausam sie sich haben hängen lassen. Das staute sich dann an und in der besagten Nacht brachen alle Dämme. 

Durch das Aufstiegsjahr hat sich das mittlerweile geändert, es gab eine neue Beziehung, das hat man bei den Aufstiegsfeiern gesehen und das spürt man auch jetzt noch, wenn man sieht, wie das Team nach verlorenen Spielen oder Unentschieden gefeiert wird. Es hat sich gewandelt, die Mannschaft hat wieder Kredit.

Man hat tatsächlich das Gefühl, dass ganz neue Verbindungen gewachsen sind ...

Das stimmt. Im ersten Heimspiel gegen Gladbach hat man das deutlich gemerkt. Nach der Führung lag Schalke ja 1:2 hinten. Und als dann der verdiente späte Ausgleich fiel, sind die Spieler abgefeiert worden, als hätten sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Selbst beim 1:6 gegen Union Berlin hat die Nordkurve - trotz der klaren Klatsche - eingesehen, dass es blöd gelaufen ist und das Team wieder aufgebaut.

Da merkt man auch genau, wie unterschiedlich solche Spiele von den Fans im Stadion und gleichzeitig in den sozialen Medien wahrgenommen werden. Bei Twitter und Co. wird draufgehauen, auf Frank Kramer, auf Sebastian Polter. Im Stadion hingegen weiß die Mehrheit, wie schwierig diese Saison wird, dass es nur darum geht, den Abstieg zu verhindern. Dort wird dann der Kampf der Mannschaft und jeder Punkt honoriert.

FC Schalke 04: Kampf um Klassenerhalt noch nicht bei den "Sofa-Fans" angekommen

Mit Blick auf die bisherige Ausbeute von sechs Punkten aus sieben Spielen: Wie lange bleibt es ruhig, wenn es in den nächsten Partien zu wenige Dreier gibt?

Ich glaube, dass das halten wird, solange die Fans im Stadion das Gefühl haben, dass die Mannschaft alles gibt. Sollte sich das ins Gegenteil verkehren, dann könnte es kippen. Dass es allein wegen magerer Punkteausbeute ungemütlich werden könnte, glaube ich hingegen nicht. Rouven Schröder hat ja alle darauf eingeschworen, dass es eine Saison wird, in der es nur um den Klassenerhalt geht. Wenn man sich die Kaderwerte im Vergleich anschaut, ist das auch relativ schnell klar. Wobei das noch nicht bei allen Sofa-Fans angekommen ist.

Ein Beispiel die Partie gegen Union. Da gab es Stimmen, die sagten, dass man ein solches Spiel doch gewinnen muss. Ich sage: Nein, muss man nicht. Union ist Europa-League-Teilnehmer, die haben verdammt viel richtig gemacht in den letzten Jahren und wir sind im Moment ein Aufsteiger.

Frank Kramer ist beim FC Schalke 04 nicht unumstritten
Frank Kramer ist beim FC Schalke 04 nicht unumstritten

Heißt das denn, dass für Sie Trainer Frank Kramer trotz aufkommender negativer Stimmen weiter der richtige Mann ist?

Jein. Frank Kramer hat weder bei seiner Bekanntgabe noch jetzt bei mir bislang eine riesige Begeisterung ausgelöst. Aber ich glaube einfach, dass das im Moment die Art von Trainer ist, die wir uns leisten können. Solange er in Amt und Würden ist, werde ich ihn auch in jedem Fall unterstützen.

In den Pressekonferenzen und in der Öffentlichkeit kommt er noch sehr verhalten rüber. Er schafft es nicht so richtig, Enthusiasmus oder Stärke und Mut zu vermitteln. Ich kann nicht richtig beurteilen, ob er diese Dinge nicht hat oder ob es wirklich ein Vermittlungsproblem ist. Auf der anderen Seite hat sich Rouven Schröder lange Zeit gelassen, Kramer auszuwählen, Mike Büskens und Gerald Asamoah kennen ihn schon von früher. Ich hoffe, dass sie den besseren Durchblick haben und wissen, wofür er geholt wurde.

Wären Sie denn mit dem mittlerweile freigestellten Bochum-Coach Thomas Reis zufriedener gewesen, der - wie sich jetzt herausstellte - im Sommer auch Thema war?

Nicht unbedingt. Ich glaube einfach, dass Schalke im Moment gar nicht das Geld hat für die großen Trainer-Namen, deren Verpflichtung eine riesige Begeisterung auslösen würde.

Außerdem: Mit dem, was Kramer bisher erreicht hat, kann man zufrieden sein. Die Mannschaft ist nicht schlecht eingestellt. Nach dem Spiel gegen den BVB hieß es von einigen: Die Mannschaft hätte toll gekämpft, aber der Trainer ist Mist. Diese Aussagen haben mich geärgert. Dass die Mannschaft toll kämpft, liegt ja vermutlich genau daran, wie der Trainer sie eingestellt und welchen Matchplan er ihr mitgegeben hat. 

"So hätte Terodde in der 2. Liga nie geschossen!"

Was sagen Sie zu den Schwierigkeiten, die Simon Terodde hat, in der ersten Liga das Tor zu treffen?

Ich glaube, dass er es im Moment schwer hat. Was mich wirklich erstaunt hat, war, wie blöd er die Elfmeter in Wolfsburg verschossen hat. Zweimal hintereinander so ein Schüsschen. Erste Liga hin oder her, Elfmeter sind Elfmeter und so hätte er die in der 2. Liga nie geschossen. 

Dass Terodde es ansonsten schwer hat, liegt sicher auch daran, dass Rodrigo Zalazar nur unregelmäßig spielt und dass auch Thomas Ouwejan nicht immer auf dem Feld steht. Das waren in der letzten Saison die beiden Hauptvorbereiter für Terodde. Als Alleinunterhalter ist es schwer, er ist auf Zuspiele im Strafraum angewesen. Inwieweit da auch noch eine mentale Blockade im Kopf steckt aufgrund der ersten Liga, weiß ich  nicht. Aber er wird definitiv zu wenig gefüttert.

Wer war für Sie eine positive Überraschung der bisherigen Saison?

Da denke ich vor allem an Tom Krauß. Ich bin begeistert, mit welchem Selbstverständnis er sich in seinen jungen Jahren sofort ins Team eingefügt hat. Aus den eigenen Reihen möchte ich Florian Flick hervorheben. Der macht gerade ein ganz tolle Entwicklung durch. Wenn man in den letzten Jahren über die Knappenschmiede sprach, wurde Flick nicht unbedingt ganz vorn genannt. Aber er hat sich wirklich nach vorn gearbeitet und spielt wie ein Uhrwerk. Wenn er fit bleibt, wird es eine tolle Saison für ihn.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Sportdirektor Rouven Schröder in seiner ersten Transferphase für die Bundesliga?

Er hat aus den gegebenen Möglichkeiten mal wieder beinahe das Beste gemacht. Dass wir Ko Itakura nicht halten konnten, hat wehgetan. Aber da hätte die Klausel auch so früh gezogen werden müssen, dass das nicht möglich war, weil man zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, wen man verkauft bekommt. 

Ein kleines Fragezeichen würde ich noch hinter die Verpflichtung von Kenan Karaman und Sebastian Polter setzen, weil die beiden vom Typ her nicht viel anders sind als Simon Terodde. Da hätte uns möglicherweise ein anderer Typ Angreifer - schneller, wuseliger, variabler - besser zu Gesicht gestanden. Ansonsten war es ein sehr guter Job von Schröder.

Wie ist Ihr Ausblick auf die kommenden Wochen?

Meine persönliche Hoffnung ist, dass sich Schalke bis zur WM-Pause möglichst weit über dem Strich und den Anschluss hält. Und dann glaube ich, dass sich das Team noch besser findet und es in der Rückrunde samt Fans zum Klassenerhalt reicht.

Haben Sie eigentlich schon die exklusive Schalke-Doku von den Kollegen von RTL+ gesehen?

Nein, bislang noch nicht. Aber ich habe sehr viel Gutes darüber gehört. Sie steht auf meiner Liste. 


Zur Person: Susanne Hein-Reipen, geboren 1971, Schalke-Fan seit 1983, berichtet in ihrem Blog, auf ihrer Facebook-Seite "Susanne Blondundblau auf Schalke" sowie für das Portal "100ProzentMeinSchalke" von ihren Erfahrungen als Dauerkarteninhaberin und Vielfahrerin bei den Königsblauen. Sie gilt als intime Kennerin der Schalker Anhängerschaft. Zudem beschäftigt sich Hein-Reipen vereinsübergreifend mit Fußball- und Fankulturthemen.

Das Gespräch führte Chris Rohdenburg

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Mainz 05
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