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Schach-WM

Entsetzen und "Sorgen" nach nächstem Schach-Eklat

Magnus Carlsen "hat die Bombe gezündet"

20.09.2022 09:19
Schach-Superstar Magnus Carlsen hat die nächste Eskalationsstufe gezündet
© IMAGO/Carina Johansen
Schach-Superstar Magnus Carlsen hat die nächste Eskalationsstufe gezündet

Superstar Magnus Carlsen hat mit seiner vorzeitigen Aufgabe der Partie gegen Hans Niemann beim Julius Bär Generation Cup die nächste Eskalationsstufe im Schach-Skandal gezündet. Experten und andere Profis sind außer sich und fordern Antworten.

Wer dachte, dass der Schach-Eklat rund um Magnus Carlsen und Hans Niemann nicht weiter eskalieren könnte, wurde am Montagabend (MEZ) eines Besseren belehrt. Der Norweger weigerte sich, gegen den von ihm des Betrugs beschuldigten US-Amerikaners anzutreten und gab die Partie nach nur einem Zug auf.

Ein Eklat, den der Sport in dieser Form in seiner langen Geschichte so noch nicht gesehen hat. Entsprechend deutlich fielen die Reaktionen aus.

"Ich mache mir wirklich Sorgen um den Schach-Sport und denke, dass es keine schnelle Lösung geben wird", sagte etwa Großmeister Hikaru Nakamura in seiner "Analyse" der Partie, die mit Spannung erwartet wurde - und letztlich nicht stattfand.

In Nakamuras Augen gibt es für die gesamte Problematik nur zwei Lösungen: "Wenn Hans nicht betrogen hat, wird er auch nie überführt, muss mit diesen Beschuldigungen aber eine lange Zeit leben. Die andere Möglichkeit ist, dass Niemann betrogen hat und auf frischer Tat ertappt wurde." Was letztlich zutrifft, wisse er aber nicht. 

Wurden Magnus Carlsen rechtliche Schritte angedroht?

Das viel diskutiert und kritisierte Schweigen Carlsens begründet Nakamura in möglichen rechtlichen Schritten, die dem Norweger von Niemanns Team angedroht wurde.

Auch ihm selbst seien diese Schritte bereits angedroht worden, nachdem er sich ausführlich zu dem Thema äußerte, verriet der Großmeister.

Was für Nakamuras These spricht: Über sein Management ließ Carlsen gegenüber norwegischen Medien ausrichten, dass er während des Turniers kein Statement abgeben werde.

Ein ungewöhnlicher Schritt, schließlich wird das Turnier vom Norweger mitorganisiert. Zudem stehen die Spieler in der Regel nach ihren Spielen immer Rede und Antwort. 

Auch Niemann äußerte sich nach der Aufgabe seines Gegners nicht. 

Magnus Carlsen "hat eine Bombe gezündet"

Klar ist: Mit seiner Resignation hat Carlsen die Situation weiter eskalieren lassen. Das Verlangen und die Forderungen nach Antworten werden immer lauter. 

"Die Schach-Welt ist im Schockzustand", urteilte der "NRK"-Experte Atle Grönn, der über Carlsens Rückzug sagt: "Magnus hat eine Bombe gezündet. Er macht etwas, das es auf diesem Level noch nie gegeben hat."

Der norwegische TV-Experte Torstein Bae stimmte seinem Kollegen zu und meinte: "Es ist verblüffend und schwer zu verstehen: Wenn er sowieso aufgeben will, warum tritt er dann überhaupt an? Das ist sehr seltsam und schreit nach einer Erklärung."

Der ungarische Großmeister Peter Leko zeigte sich "sprachlos", Maurice Ashley, US-Großmeister, twitterte: "Das ist schockierend und beunruhigend. Niemand kann glücklich damit sein, dass das in der Schachwelt passiert. Unglaublich!"

Aus Sicht der Internationalen Meisterin Jovanka Houska, Kommentatorin bei dem Turnier, habe Carlsen "mehr Öl ins Feuer gegossen. Er kann nicht einfach sagen: 'Ich glaube, du hast betrogen' und damit eine Hexenjagd provozieren. Er muss sagen: 'Hier ist mein Beweis'."

Schach-Welt fordert Antworten: "So geht es nicht weiter"

Levy Rozman, einer der bekanntesten und einflussreichsten Schach-Streamer, sagte: "Es ist okay, jemanden zu verdächtigen, der in der Vergangenheit betrogen hat und jetzt andere Spieler deklassiert. Was nicht okay ist, ist die Art und Weise, wie Magnus damit umgegangen ist. Selbst wenn Hans betrogen hat, hätte man mit dieser Sache viel besser umgehen können. Und wenn er nicht betrogen hat, dann ist das wirklich nicht gut."

Carlsen oder auch sein Team müssten nun endlich Stellung beziehen, forderte Rozman: "Das kann nicht mehr lange so weitergehen. Die Karriere und die psychische Gesundheit eines Mannes stehen auf dem Spiel. Und das Erbe eines Weltmeisters und des vielleicht besten Spielers aller Zeiten steht auf dem Spiel."

Turnierdirektor Arne Horvei hielt sich in seiner Beurteilung der Situation auffallend zurück. Statt deutliche Worte zu finden, erklärte er gegenüber "Dagbladet" lediglich: "Das war für alle Fans, die sich auf das Spiel gefreut haben, sehr überraschend und bedauerlich. Am Ende wollen wir, dass die Spieler ihr Bestes geben."

Ein Wunsch, der sich am Montagabend nicht erfüllte.