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Schach

"Es ist das unsportlichste Verhalten überhaupt"

Superstar Carlsen sorgt für nächsten Schach-Eklat

19.09.2022 19:24
Magnus Carlsen hat seine Partie gegen Hans Niemann aus Protest aufgegeben
© IMAGO/Sri Loganathan
Magnus Carlsen hat seine Partie gegen Hans Niemann aus Protest aufgegeben

Die Schach-Welt kommt nicht zur Ruhe: Nach den auf Twitter angedeuteten Anschuldigungen gegen Hans Niemann hat Superstar Magnus Carlsen erneut ein wortloses Statement abgeliefert, das den Sport erschüttert. Der 31-Jährige gab er eine Partie gegen den jungen US-Amerikaner kommentarlos auf.

Die im Vorfeld mit großer Spannung erwartete Schachpartie zwischen Magnus Carlsen und Hans Niemann beim Julius Bär Generation Cup endete am Montagabend in nur wenigen Sekunden. Der Norweger gab die Partie, ohne einen Kommentar abgegeben zu haben, nach nur einem Zug auf. Damit rückt Niemann eine Runde weiter.

Carlsens Rückzug ist eine weitere klare Andeutung, mit der er seinem Kontrahenten Betrug vorwirft. Auf Twitter hatte er dies, ohne Beweise vorgelegt zu haben, jüngst bereits beim Sinquefield Cup in St. Louis getan, nachdem er die Partie gegen den Weltranglisten-49. verloren hatte.

Seither sind die Anschuldigungen das Thema Nummer eins unter den Schach-Experten auf der ganzen Welt. 

Magnus Carlsen steht nun unter Zugzwang

Der 19 Jahre alte Niemann selbst hatte am vergangenen Mittwoch Stellung bezogen, nachdem er sich vor allem in den sozialen Medien zahlreichen Beschuldigungen ausgesetzt gesehen hatte. "Viele Menschen, vor denen ich mal Respekt hatte und die meine Vorbilder waren, haben sich dazu entschieden, den Vorwürfen [von Carlsen, Anm. d. Red.] zuzustimmen. Es gab viele Spekulationen und viele Dinge wurden gesagt. Ich denke aber, ich bin der Einzige, der die Wahrheit kennt", sagte er in einem vom Veranstalter veröffentlichten Video. Die Vorwürfe bezeichnete er als haltlos.

Magnus Carlsen steht nach seinem nächsten Statement nun unter großem Zugzwang: Nicht wenige fordern, dass der ohne Zweifel größte Name im Schach-Sport nun endlich Belege liefern muss. Einige Großmeister hatten Hans Niemann zuvor öffentlich schon zur Seite gestanden und Zweifel an den Anschuldigungen geäußert.

"Vielleicht weiß er etwas, was wir nicht wissen. Aber dann muss er es jetzt sagen", kommentierte Schachspieler Alejandro Ramirez, der für die Partie zugeschaltet wurde: "Das ist ein noch stärkeres Statement als der Rückzug vom Sinquefield Cup."

Große Kritik an Carlsen aus der Heimat

Für großen Wirbel sorgte Carlsens Verhalten derweil auch in seiner Heimat Norwegen, in der er zu den größten Sport-Persönlichkeiten des Landes gehört.

Der Norweger Jon-Ludvig Hammer sagte am Rande der TV-Übertragung bei "TV2": "Es ist völlig unakzeptabel, absichtlich zu verlieren. Es ist das unsportlichste Verhalten überhaupt."

Im Vorfeld auf die Partie beim Generation Cup hatten die Veranstalter zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um etwaigen Betrugsversuchen vorbeugen zu können. Das Turnier wird online ausgetragen, die Spieler befinden sich daher in den eigenen vier Wänden.