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Eiskunstlauf

"Sie müssen Beweise gefunden haben"

Doping-Drama um Valieva geht in die nächste Runde

17.09.2022 11:11
Kamila Valieva führte Russland zu Gold bei Olympia
© IMAGO/Vladimir Astapkovich
Kamila Valieva führte Russland zu Gold bei Olympia

Im Alter von gerade einmal 15 Jahren führte Kamila Valieva die russische Eiskunstlauf-Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking im Februar zur noch immer nicht vergebenen Goldmedaille. Doch seitdem umringt die Russin eine dramatische Dopingposse, in der nun das nächste Kapitel geschrieben wurde. 

Wie die russische Antidoping-Agentur RUSADA diese Woche bekannt gab, habe sie ihre Untersuchung der Vorfälle nun abgeschlossen und werde zeitnah mit Anhörungen beginnen. Welche Resultate die Ermittlungen zu Tage befördert haben, ließ die Behörde allerdings offen. 

Der Chef der US-Antidoping-Agentur Travis Tygart glaubt, dass dieser Schritt für die Athletin nicht Gutes verheiße.

"Es sieht danach aus, dass die Ermittlung der RUSADA vorbei ist und der Fall nun vor Gericht geht. Das heißt, sie müssen belastbare Beweise eines Verstoßes gefunden haben", sagte er der Zeitung "USA Today". "Ansonsten hätten sie den Fall geschlossen und die WADA über ihr Berufungsrecht informiert", argumentierte er. 

In einer Dopingprobe Valievas vom 25. Dezember war der verbotene Stoffwechsel-Modulator Trimetazidin entdeckt worden. Ausgewertet war die Probe aber erst am 8. Februar - einen Tag nach dem Sieg des Russischen Olympischen Komitees (ROC) um Valieva im Olympischen Teamwettbewerb.

Russland zieht Aufarbeitung unnötig lange hin

Die Medaillen in dieser Konkurrenz wurden immer noch nicht vergeben. Hauptsächlich, weil Russland die Aufarbeitung des Doping-Falles nach Einschätzung von Experten unnötig in die Länge zieht. 

Auch Tygart ist entsetzt über das Vorgehen der russischen Behörden. "Gerechtigkeit nach den Winterspielen so lange zu verzögern, hat die anderen Athleten um ihre Medaillenehrung gebracht. Und es ist kein Ende in Sicht", klagte er. 

Ähnlich sieht das auch die Chefin des US-amerikanischen Olympischen Komitees Sarah Hirshland. Die USA hatten hinter Russland den zweiten Platz belegt und sind von der Hinhaltetaktik besonders betroffen. 

"Es bleibt eine empörende Situation", prangerte Hirshland an. "RUSADA hat angekündigt, dass es disziplinarische Anhörungen geben wird. Das ist alles, was wir wissen. Ich habe keinerlei Details."

Die US-Seite rechnet damit, dass sich der Fall noch über Jahre hinziehen wird. Allein schon, weil es als sicher gilt, dass die unterlegene Seite - sei es Valieva bei einer Verurteilung oder die Welt-Anti-Doping-Agentur bei einem Freispruch - letztlich vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen wird.

"Wir stehen vor der möglichen Situation, dass es bis 2024 nicht aufgelöst ist. Das ist furchtbar", prognostizierte Anwalt Paul Greene, der die US-Eiskunstläufer juristisch vertritt.