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Das Ende der Bayern-Dominanz

Bayern ausbremsen? Absurder Plan zur Rettung der Bundesliga

18.08.2022 12:40
Ist der FC Bayern noch vom Thron zu stoßen?
© IMAGO/Sammy Minkoff
Ist der FC Bayern noch vom Thron zu stoßen?

Die Bundesliga hat seit langer Zeit ein Problem: Die Dominanz des FC Bayern München hat jeden Wettbewerb an der Spitze außer Kraft gesetzt. Auf der DFL-Generalversammlung präsentieren die Liga-Vertreter keine Lösung. Die hat ausgerechnet ein britischer Autor. Sie ist mindestens ungewöhnlich.

Wenig Aufbruchsstimmung, so ist zu hören, ging gestern von der DFL-Generalversammlung aus. Die Fußball-Bundesliga der Männer, wie nun seit der wunderbaren Europameisterschaft in England gesagt wird, hat ein Problem: Sie kennt nur noch einen Meister. Der heißt seit einem Jahrzehnt FC Bayern München und der Rekordmeister hat keine Pläne, das in Zukunft zu ändern. Die komplette Aussetzung des Wettbewerbs an der Spitze führt immer wieder zu neuen Ideen, zu neuen Überlegungen.

Denn am Ende mag es für einige Fans interessant sein, wer sich für die Europa League qualifiziert und wer absteigt, doch sogar die Teilnehmer an der Champions League sind Jahr für Jahr gleich. Die Liga verharrt in Stillstand und verliert an nationaler und internationaler Bedeutung. Änderungen jedoch sind erst einmal nicht geplant, verkündete DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke am Mittwoch. "Ich halte nichts davon, das übers Knie zu brechen", erklärte der 63-jährige Sauerländer, dessen Verein Borussia Dortmund vor einigen Jahren einmal fast Meister geworden war - das höchste der Gefühle in der Liga.

Die große Schere

"Es spricht schon relativ viel dafür, dass derjenige, der nach 34 Spieltagen Meister wird, das auch verdient hat", sagte er und erteilte damit auch den Überlegungen, mit Playoffs gegen die Langeweile in der Liga zu wirken, eine klare Absage. Er glaube, sagte Watzke, "dass wir die nächsten Jahre keine Modusänderung erwarten können". In der näheren Zukunft schon gar nicht. Keine Veränderungen. Jetzt. Bayern bleibt Meister.

Denn mit ihrer ausgeklügelten Transferstrategie in dieser Saison und durch das Dortmunder Pech bei der Neuverpflichtung des zentralen Stürmers Sébastien Haller, der nach seiner Hodentumor-Diagnose für lange Zeit ausfallen wird, ist auch in dieser Saison eher nicht mit einem Titelkampf zu rechnen. Die Frage ist nur, wann und nicht ob der FC Bayern München Deutscher Meister wird. Dann sind sie zum elften Mal in Folge Meister. Dahinter qualifizieren sich, wie eigentlich immer in den letzten Jahren, der BVB, RB Leipzig und Leverkusen für die Champions League.

In einem kürzlich im Werkstatt-Verlag veröffentlichten Buch namens "Tradition schießt keine Tore" veranschaulichen der Autor Dietrich Schulze-Marmeling und der ehemalige Nationalspieler Marco Bode das Problem. In den elf Spielzeiten zwischen der Saison 2000/2001 und 2010/2011 landeten insgesamt zehn verschiedene Teams unter den ersten vier der Bundesliga. Darunter Mannschaften wie Hertha BSC, der Hamburger SV, Werder Bremen, der VfB Stuttgart und Hannover 96.

In den folgenden elf bis zum Ende der letzten Spielzeit waren es noch acht Klubs. Die oben genannten Verein gehörten nicht dazu. Neben den Dauergästen Bayern und Dortmund etablierten sich Leverkusen und Leipzig an der Spitze. Die Hälfte, denn Wolfsburg und Hoffenheim kamen noch hinzu, operiert unter besonderen Bedingungen. Der HSV und Hannover 96, aber auch der VfB Stuttgart und die Liga-Rückkehrer FC Schalke 04 und Werder Bremen werden auf absehbare Zeit nicht mehr in die oberen Regionen vorstoßen. Das Verschwinden der Traditionsvereine schreitet voran.

Dann muss jetzt 50+1 fallen

Keine Playoffs also und kein Wettbewerb, nur leere Worthülsen wie "der BVB muss es einfach mehr wollen" oder "wenn die Bayern stolpern, muss RB Leipzig da sein" bleiben. Es bedarf neuer Ideen. Die Bayern pflegen einen Kader, der für die Liga zu stark und vollkommen auf den Erfolg in der Champions League getrimmt ist. Borussia Dortmund hechelt hinterher, zahlt immer noch mehr als ein Großteil der anderen Klubs in der Liga, aber eben auch um einiges weniger als Bayern München.

Ein im Februar 2022 veröffentlichter Report der UEFA wies die Spielergehälter der Bayern mit 262 Millionen Euro aus, die von Borussia Dortmund mit 164 Millionen Euro. Insgesamt zahlten die Klubs der ersten Liga 1,416 Milliarden Euro an die Spieler. Bayern war somit für 18,5 Prozent aller gezahlten Gehälter in der Liga verantwortlich, der BVB für 11,58 Prozent. Die Bayern bewegten sich damit in der europäischen Spitze, Dortmund im erweiterten Verfolgerfeld. Die restlichen ungefähr 70 Prozent teilten sich die anderen 16 Klubs. Klingt ungesund. Doch an den Stellschrauben will niemand drehen. Die Verteilung der TV-Gelder, die gerade die Teilnehmer an der Champions League weiter vom Rest der Liga entfernt, bleibt in großen Teilen unberührt.

Stattdessen geht es in den Diskussionen meist darum, die 50+1-Regelung abzuschaffen. Diese Forderung wird mit lauter Unwissenheit auf oder von dem Boulevard vorgetragen. Ein Großteil der aktiven Fans, aber auch viele Klubs lehnen dies ab. Die 50+1-Regelung hält bislang die meisten Investoren aus der Bundesliga fern. Zu gering sind die Einflussmöglichkeiten der Geldgeber. Das zementiert einerseits die Verhältnisse im deutschen Fußball, stellt auf der anderen Seite jedoch sicher, dass die großen Sportswashing-Projekte der Oligarchen (vor dem russischen Angriff auf die Ukraine) und von Staaten wie Katar oder Saudi-Arabien in anderen Ligen über die Bühne gehen.

Verkürzt dargestellt und die Werksvereine Wolfsburg und Leverkusen sowie die Konstrukte Hoffenheim und Leipzig außen vor: Die Premier League hat den Scheich-Klub Newcastle United und die Bundesliga maximal den Windhorst-Klub Hertha BSC. Die Scheichs schießen Geld nach, stehen jedoch für alles, was den Fußball dreckig werden lässt. Windhorst hingegen scheitert mit - im Gegensatz zu den Staaten-Vereinen - bescheidenen Mitteln, hat dem Hauptstadtklub maximal das Überleben in der Pandemie gesichert. Und innerhalb des Vereins gibt es mit dem Präsidenten Kay Bernstein, einem aus der Fanszene, mittlerweile sogar ein Gegengewicht.

Wie ein britischer Autor die Liga retten will

Playoffs ausgeschlossen, die TV-Gelder unberührt und 50+1 unantastbar. Wie soll sich in der Bundesliga überhaupt etwas ändern? "Unsere Liga, unser Fußball ist besonders. Deshalb brauchen wir eine besondere Lösung", erklärte Hopfen am Mittwoch und es bleibt unklar, was damit gemeint ist. Vielleicht hatte sie vorher in der internationalen Presse gestöbert? Dort wählte der britische Autor Michael Cox in einem Text für das Portal "The Athletic" einen wirklich besonderen Ansatz. Der renommierte Autor mehrerer Bücher hat sich das Jahrzehnt der Bayern-Dominanz angeschaut und einen neuen Maßstab angewendet.

Was würde eigentlich passieren, wenn der FC Bayern München jedes Spiel mit einem 0:1 beginnen würde? Cox kam zu einem erstaunlichen Ergebnis. Gar nicht so viel, aber zumindest etwas mehr als bislang. Die Bayern hätten immer noch drei Meisterschaften gewonnen, aber immerhin wären mit Borussia Dortmund und RB Leipzig zwei gleichwertige Konkurrenten erwachsen. Auch sie hätten je drei Titelgewinne feiern können. Die Leipziger in der Saison 2016/2017 sogar als Aufsteiger. Die letzte der zehn Meisterschaften wäre in diesem Modell in der Saison 2014/2015 an das wunderbare Team des VfL Wolfsburg gegangen. Für die Elf vom Mittellandkanal reichte es damals unter Trainer Dieter Hecking immerhin für den DFB-Pokalsieg.

In der vergangenen Saison hätte es für Neu-Trainer Julian Nagelsmann nicht einmal für einen Platz unter den ersten vier gelangt. Zwölf Punkte hinter Meister Dortmund, zehn hinter Leverkusen, zwei hinter Leipzig und einen Punkt hinter Union Berlin, diesem Klub aus Köpenick, der seit Jahren weit über der eigentlichen Gewichtsklasse boxt.

Wo ist die Aufbruchsstimmung?

Der Vorschlag von Cox wurde in den sozialen Medien heftig kritisiert. So könne man das alles nicht lösen, riefen die Nutzer der Netzwerke ihm entgegen und kamen mit den alten Vorschlägen und mit altbekannten Vorwürfen in Richtung Borussia Dortmund und die anderen "Herausforderer", die es einfach nicht genug wollen. Cox aber blieb gelassen. Er schaue die Liga überhaupt nicht mehr. "Das ist eine Zeitverschwendung", schrieb er. Das Geschehen langweile ihn. Und das ist eines der Hauptprobleme der Liga: der internationale Bedeutungsverlust durch die Entwertung des Meisterschaftskampfs.

Parallel dazu verlieren die Fans in Deutschland ebenfalls das Interesse. Verantwortlich dafür sind zum Beispiel: der VAR, die steigenden Preise der unzähligen TV-Abomodelle, die manchmal unsägliche Behandlung der reisenden Fans durch die Polizei, die steigenden Eintrittspreise, das alternde Publikum in den Stadien, der fehlende Wettbewerb und die anderen Freizeitmöglichkeiten für die Jugend. Lösungen sind nicht in Sicht. Auch nicht nach der DFL-Generalversammlung am Mittwoch, von der, wie zu hören ist, wenig Aufbruchsstimmung ausging.

Stephan Uersfeld

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