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Wintersport

Skisprung-Verband nach Regel-Eklat am Pranger

10.08.2022 09:27
Adam Malysz hat den Entschluss des polnischen Verbandes gerechtfertigt
© IMAGO/Mateusz Birecki
Adam Malysz hat den Entschluss des polnischen Verbandes gerechtfertigt

Der polnische Skisprung-Verband will endlich auch beim Frauen-Skispringen ganz vorne mitmischen. Damit das gelingt, wurde eine neue Gewichts-Regel eingeführt, die international heftige Reaktionen hervorrief.

Keine finanzielle Förderung bei "Übergewicht"! Wenn die polnischen Skispringerinnen künftig weiterhin Mittel vom Verband erhalten wollen, muss ihr Body-Mass-Index (BMI) bei unter 21 liegen. Diese Vorgabe beschloss der nationale Verband vor wenigen Wochen und zog damit viel Kritik auf sich.

Neu-Präsident und Ex-Skisprung-Superstar Adam Malysz begründete den höchst umstrittenen Schritt im Interview mit "Sportowe Fakty" wie folgt: "Das ist ein brutaler Sport, deswegen haben wir strikte Regeln für unser Nationalteam eingeführt. Das Gewicht spielt eine große Rolle, da wird nichts verziehen. Mit einem BMI von 24 oder 25 hat man in dieser Disziplin keine Chance."

Dass den Springerinnen beim Überschreiten der internen BMI-Grenze direkt die finanziellen Mittel gestrichen werden, empfinden nicht wenige als viel zu hart. Vor allem im Ausland reiben sich andere Athletinnen verwundert die Augen. 

"Für die Springerinnen ist das meiner Meinung nach niederschmetternd. Von jungen Frauen wird erwartet, dass sie Gewicht verlieren, um in die Nationalmannschaft zu kommen. Sie sollten sie lieber in das Team aufnehmen und ihnen helfen. Ich finde, das ist ein Schritt zurück", kritisierte etwa Norwegens Top-Springerin Maren Lundby den Entschluss des polnischen Verbandes bei "Verdens Gang".

In Norwegen "wäre so etwas ohne Zweifel nicht passiert", betonte Lundby

"Viele Springerinnen werden so ausgeschlossen"

Auch die Schwedin Astrid Norstedt heißt den Schritt von Adam Malysz und Co. nicht gut. Auch sie findet, die finanzielle Unterstützung sollte nicht an Bedingungen gekoppelt werden, wie die 21-Jährige im Gespräch mit "SVT" erklärte.

"Natürlich ist das Gewicht wichtig, aber es ist nicht alles. Viele potenziell talentierte Springerinnen werden so ausgeschlossen", fürchtet sie, dass die Regel eher das Gegenteil von dem bewirkt, was sie eigentlich bewirken soll: einen Aufschwung der polnischen Skispringerinnen. 

Der Beschluss des polnischen Verbandes ist eng verknüpft mit einer Regeländerung der FIS, die den BMI-Wert in ihr Regelwerk einbaute. So entscheidet der BMI darüber, wie lang die Skier der Springerinnen und Springer sein dürfen. Bei einem BMI von 19 sind zum Beispiel 2,33 Meter lange Skier erlaubt, bei einem BMI von 21 dürfen die Bretter 2,47 Meter lang sein.