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Offene Worte im Interview

Darum hat Zverev so lange zu seiner Erkrankung geschwiegen

07.08.2022 08:37

Alexander Zverev leidet an Diabetes (Typ 1). Das ist seit dem heutigen Samstag kein Geheimnis mehr. Was das für unseren Tennis-Star bedeutet und warum er erst jetzt damit an die Öffentlichkeit gegangen ist, erzählt der 25-Jährige im exklusiven Interview mit den Kollegen von RTL/ntv.

"Ich wollte es nie ansprechen, wollte nie darüber reden, einfach, weil ich mich nie wohl gefühlt habe", verrät Zverev, warum er das Geheimnis so lange für sich behielt. Seit seinem vierten Lebensjahr leidet der Olympiasieger an Diabetes (Typ1).

Jetzt sieht er sich in der Lage, seine Erkrankung publik zu machen. "Weil ich mich jetzt einfach damit wohl fühle. Weil ich stolz darauf bin, was ich mit dieser Krankheit erreicht habe. Weil ich stolz darauf bin, der Welt zu zeigen, dass man sich keine Limits setzen muss mit dieser Krankheit. Ich habe das in der Jugend oft erlebt, meine Eltern auch, dass uns gesagt wurde, dass Leistungssport und Diabetes, vor allem mit einem Ausdauersport wie Tennis, dass wir keine Chance haben. Jetzt sitze ich hier als Nummer zwei der Welt", so Zverev, der nach seiner Horror-Verletzung im Halbfinale der French Open am 3. Juni hart für sein Comeback schuftet.

An diesem Samstag absolviert die deutsche Nummer 1 in Monte Carlo sein erstes Training auf dem Tennisplatz.

Zverev: habe "großen Respekt vor meinen Eltern"

Ein offener Umgang mit seiner Krankheit war für Zverev früher undenkbar. "Ich habe mich nie mit dieser Krankheit selbst wohl gefühlt, weil in der Schule sich andere über mich und meine Geräte lustig gemacht haben", schildert Zverev die Schattenseiten seines Handicaps.

Mit zunehmendem Alter und wachsendem Erfolg aber sei das Selbstvertrauen stetig gewachsen. "Ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich es kann. An dem ich genug Selbstvertrauen habe, das zu tun. Das ist immer eine Frage von ‘wie fühlst du dich’. Jetzt bin ich in einer Zeit angekommen, in der ich eine Persönlichkeit bin, die schon viel erreicht hat, wo ich sagen kann, dass ich für andere Kinder ein Beispiel sein kann. Ich wollte es nie ansprechen, wollte nie darüber reden, einfach, weil ich mich nie wohl gefühlt habe", gesteht Zverev und dankt seiner Familie für die jahrzehntelange Unterstützung und Liebe.

"Mit drei oder vier (Jahren, Anm.d.Red.) versteht man noch gar nicht, was mit dir passiert oder du weißt nicht, was jetzt los ist. Warum du dich jetzt plötzlich spritzen musst, wieso du deinen Zucker messen musst. Die Eltern müssen dich ja darauf einstellen. Deswegen habe ich großen Respekt vor meinen Eltern, großen Respekt vor meiner ganzen Familie, wie wir unseren eigenen Weg gegangen sind."

Erfolgreich trotz Diabetes: "Ich will, dass man den Kindern nicht ihre Träume nimmt"

Seinen eigenen Weg begleitet nunmehr eine Stiftung, die Zverev ins Leben gerufen hat, um vor allem an Diabetes (Typ 1) erkrankten Kindern zu helfen. Die Alexander Zverev Foundation hat ihren Sitz in Hamburg, der Weltranglisten-Zweite wird bei der Arbeit von Bruder Mischa und seinen Eltern Irina und Alexander Zverev unterstützt.

"Ich möchte Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und vor allem Eltern von Kindern Mut machen. Dass man die Träume den Kindern nicht einfach wegnehmen kann, nur weil sie Diabetes haben. Die Ärzte haben zu mir auch gesagt, dass ich mit dieser Krankheit keinen Leistungssport machen kann. Ich bin der perfekte Beweis dafür, dass sie falsch liegen. Es ist wichtig, dass sie ein sportliches Vorbild haben, das schon etwas erreicht hat. Wenn ich nur einem oder zwei Kindern helfen kann, ist diese Stiftung für mich schon erfolgreich", sagt Zverev. Und sie ist jetzt schon so viel mehr wert als jede Trophäe dieser Welt. 

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