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Rücktritt nach 40 Jahren

WWE-Chef Vince McMahon stürzt über Sex-Skandal

25.07.2022 14:49
Vince McMahon ist die wohl mächtigste Figur im Wrestling-Business
© IMAGO/RW
Vince McMahon ist die wohl mächtigste Figur im Wrestling-Business

Zeitenwende beim Wrestling-Marktführer WWE: Vince McMahon zieht sich zurück. Der 76-jährige hat in den vergangenen 40 Jahren die Showkampf-Liga seines Vaters von einem regionalen Produkt zu einer weltweit bekannten Marke aufgebaut. Doch der Abgang kommt nicht freiwillig: McMahon steht nach einem Sex- und Schweigegeld-Skandal in der Kritik.

"Bevor ich bald 77 Jahre alt werde, habe ich das Gefühl, dass die Zeit gekommen ist, mich als Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender von WWE zurückzuziehen", teilte McMahon am Freitag mit. Er bedankte sich bei seiner Familie, seinen Mitarbeitern und dem Publikum für die jahrelange Unterstützung.

Erst im Frühjahr hatte McMahon in einem Interview zu verstehen geben, noch lange nicht ans Aufhören zu denken. Doch jetzt stürzt der Wrestling-Macher über Enthüllungen des "Wall Street Journal". Demnach habe McMahon in den vergangenen 16 Jahren rund zwölf Millionen US-Dollar an vier frühere Mitarbeiterinnen gezahlt, um Affären zu vertuschen.

Erst im Januar 2022 war eine Rechtsassistentin aus der Firma ausgeschieden, mit der McMahon ein Verhältnis gehabt haben soll. Die 41-jährige sei mit drei Millionen US-Dollar zum Schweigen gebracht worden, heißt es.

WWE befürchtet weitere Enthüllungen

Noch schwerer wiegt der Fall einer früheren Wrestlerin aus dem Jahr 2005. McMahon soll die Mitarbeiterin zum Oralsex genötigt haben. Als die Frau sich später weigerte, mit McMahon intim zu werden, wurde ihr Vertrag nicht mehr verlängert. 2018 sei die Person dann mit einem Anwalt an McMahon herangetreten. Infolge dessen wurde eine gigantische Schweigegeldzahlung in Höhe von 7,5 Millionen US-Dollar ausgehandelt.

Noch vor dem Abschluss einer internen Untersuchung, die der WWE-Vorstand mit einer unabhängigen Kanzlei anberaumte, hat sich McMahon bereit erklärt, seinen Rückzug anzutreten.

Diese Entscheidung konnte nur mit der Kooperation McMahons zustande kommen, der über 80 Prozent der Stimmrechtsaktiven am börsendotierten Unternehmen hält. Schon jetzt belasten die Enthüllungen den 76-Jährigen so schwer, dass der Druck zu groß wurde. Befürchtet wird, dass große US-Medien bald mit weiteren Veröffentlichungen nachlegen könnten.


Stephanie McMahon folgt ihrem Vater als Geschäftsführerin

Die Tagesgeschäfte bei WWE werden in Zukunft dennoch von der McMahon-Familie geführt. Stephanie McMahon, Vinces Tochter, war bereits im Juni kommissarisch zur Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzenden berufen worden. Diese Aufgaben übernimmt die 45-Jährige nun dauerhaft.

Die Geschäftsführer-Position teilt sie sich allerdings mit dem bisherigen WWE-Präsidenten Nick Khan. Khan, ein einflussreicher Manager in der US-Medienwelt, war 2020 zum Unternehmen gestoßen. Er stieg unter Vince McMahon rasch zum wichtigsten Entscheider bei WWE auf, setzte neue Impulse und veränderte die Unternehmenskultur.

Khan hatte 2018 bereits die derzeit laufenden TV-Verträge mit den US-Partnern NBCUniversal und FOX ausgehandelt. 2022 setzt WWE allein für die Senderechte der wöchentlichen Formate "Raw" (NBCUniversal) und "SmackDown" (Fox) sowie den monatlich stattfindenden "Premium Live Events" wie "WrestleMania" und "SummerSlam" (ebenfalls NBCUniversal) 670 Millionen US-Dollar um. Insgesamt rechnet WWE über das Geschäftsjahr 2022 mit Einnahmen um die 1,1 Milliarden US-Dollar.

Das erfolgreichste Jahr in der Geschichte der Sports-Entertainment-Marke ist gleichzeitig das letzte für Vince McMahon als Geschäftsführer. Er hatte den Erfolg der damaligen World Wrestling Federation mit rapiden Entscheidungen und einem Händchen für massentaugliche Stars wie Hulk Hogan und "Macho Man" Randy Savage möglich gemacht.

Seitdem begleiteten zahlreiche Skandale McMahons berufliches Schaffen. Doch erst die jüngsten Enthüllungen bringen nach 40 Jahren als WWE-Chef und über fünf Jahrzehnten im Familiengeschäft nun das unrühmliche Ende des umstrittenen Wrestling-Promoters.

Christian Bruns

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