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Boxen

Box-Weltmeister vermöbelt Twitter-Troll

24.07.2022 12:44
Mit einem Box-Weltmeister legt man sich besser nicht an
© imago sportfotodienst
Mit einem Box-Weltmeister legt man sich besser nicht an

Ein englischer Twitter-User provoziert einen amtierenden Box-Weltmeister und fordert ihn zu einem Kampf heraus. Der Champion nimmt das Angebot an und steht wenig später tatsächlich mit dem Provokateur im Ring - und erteilt ihm dort eine kleine Lehrstunde. Am Ende gehen trotzdem beide als Gewinner aus dem Duell hervor.

Große Klappe, nichts dahinter? Was so genannte "Twitter-Trolle" auf der Kurznachrichtenplattform mittlerweile zu einem Geschäftsmodell entwickelt haben, muss doch auch für mich möglich sein, dachte sich Fabrizio Tanga, als er mit einer Reihe von Nachrichten den amtierenden IBF-Fliegengewichts-Weltmeister Sunny Edwards provozierte.

Tanga beschimpfte Edwards und forderte ihn zu einem Kampf heraus. Wie reagierte der Weltmeister? Er lud ihn zu einem Duell im Ring ein, bot sogar an, das Zugfahrticket nach Sheffield und die Übernachtung für ihn zu finanzieren. Tagelang herrschte danach Funkstille - wie das eben so ist, wenn ein Troll zur Rede gestellt wird. Doch dann, am Samstag, stand Tanga tatsächlich vor der Trainingshalle des Weltmeisters.

"Lauf bloß nicht weg, du verdammter Mistkerl"

"Ich bin auf dem Weg. Lauf bloß nicht weg, du verdammter Mistkerl", twitterte Edwards als Antwort auf den vor seiner Halle wartenden Tanga. Als der Profi-Boxer an der Halle ankam, weigerte sich Tanga zunächst, mit ihm in den Ring zu steigen, willigte wenig später aber doch ein. Eine Entscheidung, die er schnell bereute.

Auf YouTube ist das Duell der beiden in voller Länge zu sehen. Obwohl Edwards mit deutlich angezogener Handbremse boxte, ließ er seinem Gegner keine Chance. Tanga traf den Weltmeister kein einziges Mal und pfiff schon nach der ersten Runde aus dem letzten Loch. Nach der zweiten Runde warf er schließlich das Handtuch und gab auf. 

"Ich habe ihm gesagt, er ist verrückt. In meinem Leben haben mir schon Hunderte, wenn nicht sogar Tausende gesagt, sie würden mich schlagen", sagte Edwards nach dem "Kampf".

Dass aber tatsächlich jemand seinen Worten Taten folgen lässt, passiere nicht oft, lobte der Champion den Mut seines Herausforderers, der wusste, "dass ich ihn nicht komplett verprügeln würde", schilderte Edwards, der die Minuten im Ring lediglich als dezentes Aufwärmprogramm bezeichnete: "Es ging nur darum, mich etwas zu bewegen."

"Ich habe fast geheult und gedacht, ich müsste kotzen"

Am Ende zog der Weltmeister trotz des unschönen Vorspiels den Hut vor Tanga. "Ich respektiere, dass er gekommen ist und eine vierstündige Anreise auf sich genommen hat. Er ist ein guter Junge", sagte Edwards, der versprach, alle Einnahmen, die durch die Videoaufnahmen generiert werden, seinem Gegenüber zukommen zu lassen.

Tanga zeigte sich nach dem Duell versöhnlich und lobte die Fähigkeiten des Champions. "Ich habe fast geheult und gedacht, ich müsste kotzen. Er hat mich ein paar Mal im Magen erwischt. Und dabei hat er nicht mal seine volle Kraft benutzt. Das hat mich noch wütender gemacht. Immer, wenn ich versucht habe, ihn zu treffen, war er schon woanders", schilderte er seine Eindrücke von dem ungleichen Kampf.