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Leichtathletik-WM 2022

Mihambo - und sonst?

Trübe WM-Aussichten für deutsche Leichtathleten

11.07.2022 12:42
Auf Mihambo ruhen die deutschen Hoffnungen
© IMAGO/Anke Waelischmiller/SVEN SIMON
Auf Mihambo ruhen die deutschen Hoffnungen

Malaika Mihambo springt wieder um den Titel - ansonsten aber sind die deutschen Aussichten für die WM eher bescheiden.

Malaika Mihambo - und sonst? Wenn die deutschen Leichtathletik-Asse ab Freitag in Eugene/USA die große WM-Bühne betreten, gilt die Weitsprung-Königin wieder einmal als Favoritin auf den Titel. Für den Rest des Teams sind die Aussichten hingegen eher trübe.

"Natürlich wäre es schön, wenn wir dort mehr Medaillen holen als zuletzt bei den Olympischen Spielen", sagte Chefbundestrainerin Annett Stein über das WM-Ziel - großer Optimismus klang allerdings nicht durch. Dabei holten in Tokio "nur" Mihambo (Gold), Diskuswerferin Kristin Pudenz und Geher Jonathan Hilbert (beide Silber) Medaillen.

Doch die deutsche Mannschaft geht angeschlagen in die Titelkämpfe, zahlreiche bekannte Namen wie Konstanze Klosterhalfen (5000 m), Gesa Felicitas Krause (Hindernis) oder Zehnkampf-Titelverteidiger Niklas Kaul hatten zuletzt gesundheitliche Probleme oder mit Verletzungen zu kämpfen. Hilbert und die Speerwurf-Asse Johannes Vetter, Thomas Röhler oder Christin Hussong, Medaillensammler von einst, sind gar nicht erst am Start. Und so könnte es ziemlich schwierig werden, die Bilanz von der WM 2019 in Doha zu wiederholen. In der Wüste hatten die DLV-Athleten sechs Medaillen gewonnen: Zwei Mal Gold und vier Mal Bronze.

Aber es gibt sie dennoch, die Hoffnungsträger neben Mihambo. Pudenz, mit ihren 67,10 m die Nummer drei der Welt, gilt erneut als Kandidatin für das Podium. Und auch wenn Ex-Weltmeister Vetter (verletzt) und Rio-Olympiasieger Röhler (außer Form) fehlen, mit Julian Weber geht erneut ein deutscher Speerwerfer aussichtsreich in den Showdown. Und auch Aufsteiger Bo Kanda Lita Baehre (Stabhochsprung) gibt sich selbstbewusst.

Lückenkemper "fällt die Kinnlade runter"

"Es kann alles passieren", sagte Lita Baehre, der sich in diesem Sommer auf 5,90 m gesteigert hat und in der Welt damit auf Platz fünf liegt. Weber lauert ebenfalls von Platz fünf der Weltbestenliste - dabei hat der Mainzer in diesem Jahr schon starke 89,54 m geschafft. "Ich bin einfach gut drauf, ich bin stark und konnte beschwerdefrei durchtrainieren. Es macht einfach Bock gerade", sagte der 27-Jährige: "Dieses Jahr soll unbedingt die erste internationale Medaille her. Die Weltelite ist sehr stark, aber ich bin auch stark. Ich denke, man muss um die 90 Meter werfen, wenn nicht sogar weiter. Das ist auf jeden Fall drin."

Nicht nur im Speerwurf ist die Konkurrenz groß, das Welt-Niveau in fast allen Disziplinen ist enorm. Sprinterin Gina Lückenkemper, die mit ihren 10,99 Sekunden über 100 m hatte aufhorchen lassen bei den deutschen Meisterschaften, liegt mit der Zeit nur auf Platz 32 in der Welt. Angesichts des Tempos, das besonders die US-Amerikanerinnen und Jamaikanerinnen um Titelverteidigerin Shelly-Ann Fraser-Pryce (10,67) vorgelegt haben, sei ihr schon "die Kinnlade runtergefallen", sagte Lückenkemper.

Selbst Mihambo ist nach EM- und WM-Gold sowie ihrem Olympia-Triumph nicht automatisch wieder auf Gold programmiert, weder bei der WM in Eugene noch bei der danach noch anstehenden Heim-EM in München (15. bis 21. August). Ihr sei es "wichtig, einen guten Wettkampf zu zeigen - und dann kann es auch für eine Medaille oder einen Titel reichen", sagte sie.