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Tour de France

4. Etappe: Van Aert liefert Gala-Vorstellung in Gelb

05.07.2022 17:53
Erfolg für van Aert bei der Tour de France
© IMAGO/JASPER JACOBS
Erfolg für van Aert bei der Tour de France

Der Belgier Wout van Aert gewinnt mit einem Wahnsinns-Antritt die vierte Etappe der Tour. Landsmann Jasper Philipsen feiert einen Phantomsieg.

Jasper Philipsen raste wild jubelnd als Sieger des Massensprints über die Ziellinie. Dann aber erhielt der Möchtegern-Gewinner der vierte Etappe der Tour de France sogleich den zarten Hinweis: Du, da ist schon längst jemand im Ziel. Und dieser jemand hatte im Gelben Trikot eine ganz große Show abgezogen: Belgiens neuer Kannibale Wout van Aert war nach einer schieren Wahnsinns-Attacke am letzten Anstieg im Stile des großen Eddy Merckx zum ersten Etappenerfolg gerast - unbemerkt nicht nur vom völlig konsternierten Landsmann Philipsen.

"Das Trikot verleiht dir Flügel", sagte der 27 Jahre alte "WvA", der folgerichtig mit einer neckischen Flattergeste ins Ziel schwebte. Seinen Ruf als bester Allrounder der Radsport-Welt untermauerte er mit dem Coup bei der ersten Etappe der 109. Tour auf französischen Boden eindrucksvoll. "Hier allein wegzufahren, ist mit das schwierigste", sagte er: "Die Etappe war eigentlich für eine Sprintankunft ausgelegt."

Doch weil van Aert eben zu schnell sowohl für die Beine als auch offenbar für die Augen der Gegner war, durften Philipsen und Co. eben nur um Platz zwei kämpfen. Dritter wurde van Aerts französischer Teamkollege Christophe Laporte, der Philipsen dann auch genüsslich auf dessen Wahrnehmungs-Fauxpas hinwies.

"Wir sollten nicht über Philipsen lachen, das ist sicher schlimm für ihn", sagte van Aert. Zumal Philipsen nicht alleine falsch lag. "Ich habe auch nicht geschnallt, dass van Aert alleine vorne weg ist", sagte der deutsche Topfahrer Max Schachmann in der ARD: "Ich glaube, das ging einigen so."

Van Aert nach drei zweiten Plätzen endlich vorn

Für van Aert war es der Durchbruch mit der Brechstange. Auf den drei Etappen in Dänemark war er jeweils knapp geschlagen Zweiter geworden, hatte zwar das Maillot Jaune geholt - der Frust war ihm deutlich anzumerken. "Das war die erste große Enttäuschung", sagte er - Gelb ist manchmal eben nicht genug.

Nun legte er auf dem 171,5 km langen Weg von Dünkirchen nach Calais mit seinem unglaublichen starken Jumbo-Visma-Team alles in die letzte steile Rampe kurz vor dem Ziel und wurde für seinen Mut belohnt. Für Alleskönner van Aert war es der siebte Tour-Etappensieg - im Vorjahr hatte er im Sprint, im Zeitfahren und am Mont Ventoux Tagessiege gefeiert.

In der Gesamtwertung führt van Aert nun mit 25 Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann Yves Lampaert. Da der neue Kannibale auch am Mittwoch bei der "Roubaix-Etappe" auf Kopfsteinpflaster zu den Favoriten gehört, dürfte das Maillot Jaune erst am Freitag bei der ersten Bergankunft auf der Planche des Belles Filles ernsthaft in Gefahr geraten.

Die Favoriten um Titelverteidiger Tadej Pogacar (Slowenien) verlebten einen lange einen ruhigen Tag - bis van Aert und Jumbo ernst machten. Zeitverluste kassierte allerdings keiner der Top-Anwärter auf den Tour-Sieg.

Wie schon bei den beiden langen Etappen in seiner Heimat hatte der Däne Magnus Cort (EF Education-EasyPost) früh die Flucht nach vorne angetreten. "Ich habe hier die besten Tage meiner Karriere, das ist alles ein Traum für mich", sagte der Bergwertungs-Führende mit dem markanten Schnauzbart, der rund 450 der bisherigen 570 Rennkilometer als Ausreißer bestritten hat.