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Wintersport

"Es tut weh, das zu hören"

Skisprung-Zoff: Lundby erhebt Vorwürfe gegen Schlierenzauer

05.07.2022 12:31
Skisprung-Star Maren Lundby ärgert sich über Gregor Schlierenzauer
© IMAGO/GEPA pictures/ Matic Klansek
Skisprung-Star Maren Lundby ärgert sich über Gregor Schlierenzauer

In der kommenden Saison tragen die Frauen im Weltcup erstmals ein Skiflug-Wettbewerb aus. Der Weg dorthin war schwierig. Die Befürworter der neuen Disziplin kämpften gegen große Widerstände. Diese kamen unter anderem von einem der prominentesten Gesichter der Skisprung-Geschichte. 

Mitte April sprang die FIS endlich über ihren Schatten und führte einen Skiflug-Wettbewerb für Frauen ein. Viele Top-Athletinnen und Verbände warben schon seit Jahren für die neue Disziplin. Norwegens Superstar Maren Lundby gehörte dazu. 

Lundby war eine der größten Befürworterinnen des Skifliegens für Frauen. Umso enttäuschter zeigt sich über die Reaktion einiger männlicher Kollegen, die sich gegen den neuen Wettbewerb aussprachen. "Wir haben herausgefunden, dass nicht viele diese Idee unterstützen", erinnerte sie sich im Gespräch mit dem norwegischen Rundfunksender "NRK". 

Im norwegischen Männer-Team habe es zwar ausschließlich Fürsprecher gegeben, "aber bei den ausländischen Springer war es nicht so leicht". Einige Springer hätten sich sogar klar gegen einen Skiflug-Wettbewerb für Frauen ausgesprochen: "Sie dachten, wir sollten das nicht machen, weil wir nicht gut genug sind. So einfach ist das. Und es tut weh, das zu hören", ärgerte sich Lundby über den Widerstand aus dem männlichen Lager. 

Lundby erhebt Vorwürfe gegen Skisprung-Legende Schlierenzauer

Eine der bekanntesten Gegner war ausgerechnet einer der erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten: Gregor Schlierenzauer. "Er meinte, wir wären nicht gut genug und hat uns nicht unterstützt", klagte Lundby: "Ich finde das schlecht. Die Einstellung unserer ausländischen Kollegen hat mich sehr enttäuscht."

Von "NRK" auf die Worte Lundbys angesprochen, wies Schlierenzauer die Aussagen der norwegischen Top-Springerin zurück. "Ich habe immer gesagt, dass ich die Frauen wirklich beim Skifliegen sehen will. Aber das Timing muss passen. Meiner Meinung nach gibt es 20 Frauen, die mit der großen Schanze umgehen und es genießen können", glaubt der Österreicher, dass nicht alle Springerinnen im Feld der Herausforderung gewachsen sind. 

Lundby könne ihn jederzeit anrufen und mit ihm über dieses Thema sprechen, meinte Schlierenzauer, der versicherte: "Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass der Sport wächst, vor allem auf Seiten der Frauen."

Die Sicherheitsbedenken von Schlierenzauer kann Lundby indes nicht nachvollziehen. "Wenn man sich das Skifliegen in den 80er-Jahren ansieht, da haben sie sich beinahe umgebracht. Und trotzdem hat es niemand infrage gestellt. [...] Das Material ist heute so viel besser und alles ist sicherer. Es fühlt sich aber so an, als ob das Skifliegen nur etwas für Männer wäre. Und das ist das Schlimmste", erklärte die Norwegerin.