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Wintersport

Mega-Zoff um Biathlon-WM: "Das ist absoluter Unsinn"

29.06.2022 12:55

Die Norweger gehören zu den dominierenden Figuren der Biathlon-Szene. Dass es der nationale Verband nicht geschafft hat, die Weltmeisterschaften 2027 nach Oslo zu holen, sorgt für Verstimmung bei Superstar Johannes Thingnes Bö und Co. Im Hintergrund schwelt ein Konflikt, zu dem jetzt neue Details durchsickern.

Fünf olympische Goldmedaillen, zwölfmal Gold bei Weltmeisterschaften, drei Gesamtweltcupsiege und und und: Johannes Thingnes Bö gehört schon jetzt zu den erfolgreichsten Biathlon-Stars aller Zeiten.

Jedoch zeichnet sich ein Schlusspunkt seiner beeindruckenden Karriere ab: die Olympia-Saison 2025/2026 mit den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

Keine Biathlon-WM 2027 in Norwegen

Lediglich die Aussicht auf den Start bei Heim-Weltmeisterschaften im Jahr 2027 hätte Bö noch von dieser Entscheidung abbringen können.

Inzwischen ist klar: Dazu wird es nicht kommen. Die Entscheidung über die Vergabe der Titelwettkämpfe fällt zwischen Otepää in Estland und dem finnischen Kontiolahti. Norwegens Hauptstadt Oslo mit der Loipe am legendären Holmenkollen ist nicht im Rennen - für Bö eine große Enttäuschung.

"Vielleicht will der norwegische Biathlon-Verband, dass ich aufhöre? Das bedeutete in vielerlei Hinsicht den Schlusspunkt für mich", klagte der 29-Jährige gegenüber dem öffentlich-rechtlichen "NRK".

Zu wenig Unterstützung für Norwegens Biathlon-Verband?

Warum Oslo trotz vollmundiger Ankündigungen von Verbandschef Arne Horten nach der verpassten Bewerbung 2025, als man eine Deadline zur Einreichung der Unterlagen verpasste, erneut leer ausgeht, sorgt für viele Spekulationen in Norwegen.

Horten versucht, der kommunalen Politik den schwarzen Peter zuzuschieben. "Es gab zu wenig Bemühungen der Gemeinde, die Weltmeisterschaften auszurichten. Das hat uns sehr enttäuscht. Wir hätten uns da mehr positives Feedback gewünscht."

Die Zuschauertribünen sowie das Flutlicht an der Biathlon-Strecke am Holmenkollen hätten für die WM um- und ausgebaut werden müssen, so Horten. "Jetzt heißt es, wir hätten mehr um die Austragung kämpfen müssen. Aber das wäre unnütz gewesen", so Norwegens Biathlon-Boss. Er hätte sich "mehr Unterstützung" aus Oslo gewünscht.

"Das ist absoluter Unsinn"

Die dortigen Verantwortungsträger wehren sich gegen die Vorwürfe aus dem Biathlon-Verband. "Das ist absoluter Unsinn", sagte Omar Gamal, der örtliche Sportdezernent. "Sie sind selbst dafür verantwortlich, es ist nur ihre Schuld. Wir sind ihnen offen gegenübergetreten."

Tatsächlich liegt "NRK" eine Schriftwechsel vom November 2021 vor, in dem die Gemeinde Oslo den norwegischen Biathlon-Verband dazu auffordert, Details zu einer möglichen Bewerbung zu nennen. Eine Antwort sei nicht erfolgt, heißt es. Warum, das wiederum könne Horten nicht erklären.

Die Athleten haben ihren Buhmann jedenfalls eindeutig ausgemacht. "Ich habe mir mehr Offensive und Mut des Verbands bei der Bewerbung erhofft. Man bekommt keinen Job, für den man sich nicht bewirbt, so einfach ist das", sagte Johannes Thingnes Bös älterer Bruder Tarjei.