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ATP 500 Queens

Drei Wochen später folgte der erste Wimbledon-Triumph

Damals: Beckers erster Sieg auf dem Weg zum Rasen-König

16.06.2022 22:39
Boris Becker begründete 1985 seinen Legendenstatus im Tennis
© imago sportfotodienst
Boris Becker begründete 1985 seinen Legendenstatus im Tennis

Wegen Insolvenzverschleppung wurde Boris Becker im April dieses Jahres in London zu einer zweieinhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Derzeit sitzt der 54-Jährige in der Haftanstalt Huntercombe ein. An seinem Status als deutsche Sportlegende ändert das nichts. Er triumphierte in seiner aktiven Karriere insgesamt sechsmal bei einem Grand-Slam-Turnier, auf der ATP-Tour gewann er insgesamt 49 Turniere. Seinen ersten großen Sieg feierte der Leimener am 16. Juni 1985 beim Rasenturnier von Queens, drei Wochen vor dem bis heute unvergessenen Wimbledon-Triumph. 

Im Sommer 1985 war Boris Becker zwar gerade einmal 17 Jahre alt. Doch auf der ATP-Tour hatte sich der Rotschopf aus Leimen längst einen Namen gemacht. 

Ein Jahr zuvor erstmals auf der Profi-Tour dabei, feierte Becker als 16-Jähriger schon seine ersten Achtungserfolge auf den größten Bühnen der Tennis-Welt. Bei den Australien Open spielte er sich bis ins Viertelfinale vor, in Wimbledon reichte es immerhin schon für die dritte Runde. 

Becker überzeugt mit seinem mutigen Spiel

Im Januar 1985 folgte dann das nächste große Ausrufezeichen, als sich Becker in Birmingham gegen seinen langjährigen Widersacher Stefan Edberg die Junioren-Weltmeisterschaft sicherte. 

Im Londoner Queens-Club startete Becker somit schon als 29. der Tennis-Weltrangliste. Beim Wimbledon-Vorbereitungsturnier selbst war er an Position elf gesetzt. 

Seine außergewöhnlichen Qualitäten auf dem schnellsten aller Beläge wurden nur allzu schnell deutlich. Beckers kraftvolles Service, sein sicheres Volleyspiel am Netz sowie sein großer Mut im Grundlinienspiel brachten ihn im Queens-Club von Sieg zu Sieg. Unter anderem bezwang er den späteren Wimbledonsieger Pat Cash in der Runde der letzten Acht. 

Becker gewinnt insgesamt sieben Titel auf Rasen

Auf dem Weg zum ersten ATP-Titel stellte sich dem Deutschen im Endspiel noch Johan Kriek in den Weg. Doch auch der fast zehn Jahr ältere Südafrikaner hatte der kraftvollen und aggressiven Spielweise Beckers nichts entgegenzusetzen. Auf dem Centre Court des Queen's Klub im Londoner Stadtteil in West Kensington nutzte der Teenager seinen ersten Matchball zum überlegenen 6:2 und 6:3-Erfolg.

Der erste von insgesamt sieben Turniersiegen auf Rasen bedeutete so etwas wie die Initialzündung für den bis heute besten deutschen Tennisspieler aller Zeiten. Becker selbst meinte damals in seiner jugendlichen Unbekümmertheit: "Seitdem ich zehn Jahre alt bin, war es mein Traum, ein ATP-Turnier zu gewinnen. Die Woche war fantastisch. Ich habe mein bestes Tennis gespielt und viele gute Spieler bezwungen."

Viermal konnte Becker das Vorbereitungsturnier für Wimbledon in seiner Karriere insgesamt gewinnen. Nur einmal weniger als der Rekordchampion Andy Murray, der zwischen 2009 und 2016 fünfmal erfolgreich war.

Sein unterlegener Kontrahent ahnte schon unmittelbar nach der glatten Niederlage, wohin der Weg des Serve-and-Volley-Spielers schon in diesem Jahr noch führen würde: "Wenn Becker so wie heute jeden Tag in Wimbledon spielt, kann er das Turnier gewinnen."

Drei Wochen später bestätigte Boris Becker die Prognose seines Kontrahenten und holte als bis heute jüngster Spieler der Geschichte den Sieg beim größten und wichtigsten Rasenturnier der Welt.

Mats-Yannick Roth