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Angriff bei Olympia? China setzt auf neue "Geheimwaffe"

30.05.2022 12:01
Song Qiwu ist die chinesische Hoffnung im Skispringen
© Koji Aoki via www.imago-images.de
Song Qiwu ist die chinesische Hoffnung im Skispringen

Bei den Olympischen Winterspielen in Peking enttäuschten die Skispringerinnen und Skispringer aus China noch auf ganzer Linie und erreichten im Team-Wettkampf die schlechteste Punktzahl aller Zeiten. Damit es in vier Jahren besser wird, hat sich der chinesische Verband nun offenbar eine "Geheimwaffe" zugelegt. 

Wie das polnische Portal "Skijumping.pl" schreibt, hat China jüngst die Trainingsbedingungen im Skispringen deutlich professionalisiert. Die Nationalteams trainieren demnach seit dem 10. Mai am Institute of Physical Education der Sporthochschule in Tianjin unter akribischer wissenschaftlicher Betreuung. 

"Zuvor mussten wir uns immer an verschiedene Experte im ganzen Land zu Themen wie Fitness, Ernährung oder Trainingssteuerung wenden. Die Kooperation mit Tianjin wird die Effizienz unseres Trainings steigern und hoffentlich Verletzungen vorbeugen", wird Zhou Xiaozhuang, der Leiter des Skisprungprojektes in China, zitiert.

Die Olympionikin Peng Qingyue konnte derweil schon nach zwei Wochen in Tianjin eine deutliche Leistungssteigerung ihrer Fitnesswerte erkennen: "Bis vor kurzem war meine Bestzeit über 3000 Meter noch 14:20 Minuten. Jetzt habe ich es geschafft, sie auf 13 Minuten zu verbessern. Das ist eine große Verbesserung", freute sich die 17-Jährige.

Bessere Bedingungen mit einer großen Schattenseite 

Allerdings geht es dem chinesischen Sportministerium bei der neuen Kooperation wohl nicht nur um die sportliche Leistungsfähigkeit der eigenen Athletinnen und Athleten. Scheinbar soll durch die Zentralisierung des Trainings auch mehr Kontrolle ausgeübt werden.

"Zusätzlich zur physischen Vorbereitung sorgt es [das Tianjin Institute of Physical Education, Anm. d. Red.] auch für angemessene kulturelle Erziehung. Es beruht auf der marxistischen Akademie, um ideologische und politische Bildung zu vermitteln", schreibt die Zeitung "Tianjinwe" zum Projekt.

Der neuen Kaderschmiede geht es folglich auch darum, die eigenen Olympionikinnen und Olympioniken auf die Linie der kommunistischen Einheitspartei zu bringen. 

In China gehört die strenge Kontrolle der Zivilbevölkerung zum Alltag. Rund um die Olympischen Spiele hatte sich abgezeichnet, dass dies auch für den Sport gilt. Westliche Verbände warnten damals vor Dauerüberwachung und Bespitzelung im Olympischen Dorf. 

Der frühere norwegische Skispringer Joakim Aune, der das chinesische Team drei Monate als Trainer betreute, berichtete innerhalb das Teams von noch schlimmeren "Gruselgeschichten". Neben Lausch-Attacken habe auch ein archaisches Bestrafungssystem existiert.