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Skisprung-Novum beschlossen - scharfe Kritik an der FIS

26.05.2022 16:50
Bei den Preisgeldern hört die Gleichberechtigung im Skispringen auf
© IMAGO/GEPA pictures/ Oliver Lerch
Bei den Preisgeldern hört die Gleichberechtigung im Skispringen auf

Auf dem Kongress des Weltskiverbandes FIS in Mailand wurden am Mittwoch weitreichende Änderungen im Skispringen beschlossen. Restlos glücklich sind die Skispringerinnen und Skispringer damit aber bei weitem nicht. 

Wie im Vorfeld bereits erwartet wurde, beschloss die FIS auf ihrem Kongress unter anderem die Einführung eines Skiflug-Wettbewerbs für Frauen. Bislang war das Skifliegen eine reine Männer-Domäne, ab sofort bekommen auch die Springerinnen die Gelegenheit, sich auf den größten Schanzen der Welt zu messen. 

Das Skisprung-Komitee selbst gab bereits zu, dass die Idee nicht in allen Verbänden gut ankommt und berichtete von kritischen Stimmen.

"Es gibt immer noch viele Bedenken und Ängste hinsichtlich der Sicherheit und weiterer Aspekte, aber der Zeitpunkt ist der richtige, um die Frauen von einer Skiflugschanze starten zu lassen", hieß es dazu vor wenigen Wochen in einer Mitteilung des Verbandes. 

Weiter keine Gleichberechtigung in Sachen Bezahlung

Bereits vor einem Jahr war das Skifliegen für Frauen intern diskutiert worden. Damals sprach sich aber ein Großteil der Verbände gegen die Einführung aus. Diese konnten in den vergangenen zwölf Monaten umgestimmt werden. 

Ein Argument für die Einführung des Skifliegens für Frauen war stets die Gleichberechtigung. Doch während diese in den Wettkampfformen nun gewährleistet ist, kommt sie beim Thema Bezahlung weiterhin zu kurz. 

Zwar beschloss die FIS, die Preisgelder zur Saison 2022/23 anzuheben und in den nächsten Jahren stufenweise zu erhöhen. Am Ende profitieren davon aber vor allem die Männer.

Der Plan sieht vor, das Preisgeld für die Männer pro Wettkampf bis zur Saison 2024/25 auf 100.000 Schweizer Franken zu erhöhen. In der Saison 2021/22 waren pro Wettkampf lediglich 71.800 Schweizer Franken im Pott.

Auch für die Frauen gibt es demnächst höhere Preisgelder zu gewinnen. Ihre Gewinnsumme pro Wettbewerb wird von 25.194 Schweizer Franken (2021/22) auf 30.156 Schweizer Franken (2024/25) erhöht. Anders ausgedrückt: Das Preisgeld bei den Männer steigt in den kommenden drei Jahren um 39 Prozent, das der Frauen nur um 19 Prozent. 

Norwegen-Star stellt erschütternde Rechnung auf

"Ich hätte mir gewünscht, dass es gleicher verteilt worden wäre", klagte unter anderem die norwegische Spitzenspringerin Silje Opseth gegenüber dem Rundfunksender "NRK".

Auch ihr Teamkollege und Superstar Halvor Egner Granerud sieht das so.

"Jedes Jahr checke ich, wie viele Athleten aus wie vielen Ländern über 30.000 Franken im Winter verdienen. In den meisten Ländern der Welt ist das genug, um davon zu leben", rechnete er vor.

Sein Ergebnis aus dem letzten Jahr: 25 Springer verdienten über 30.000 Franken, insgesamt 35 kassierten über 20.000.

Bei den Frauen waren es hingegen nur sieben Springerinnen, die über 30.000 Franken Preisgeld verdienten - und genau diese sieben Springerinnen waren auch die einzigen, die über der 20.000er-Marke lagen.

FIS äußert sich zur Kritik

Mit Blick auf die Frauen sagte Granerud: "Die Gesamtsumme ist zu niedrig, um Vollzeit zu arbeiten. Und wenn ein Athlet noch nebenbei arbeiten muss, ist er benachteiligt. So bremst man ein Produkt aus, das sich gut entwickelt."

Auch Norwegens Skisprung-Manager Claas Brede Braathen übte Kritik und meinte: "Im Prinzip suchen wir nach einer Lösung, bei der beide Geschlechter exakt die gleiche Belohnung bekommen. Aber davon sind wir jetzt weit entfernt."

Auf die Kritik angesprochen begründete die FIS die große Differenz bei den Preisgeldern wie folgt: "Die Männer sind seit über 100 Jahren aktiv, die Frauen seit rund 20. Der Frauen-Sport wächst, aber in dieser frühen Phase gibt es Unterschiede beim Interesse und die Einnahmen werden vom TV-Markt und den Sponsoren bestimmt." Es sei ein langfristiges Ziel, die Bezahlung anzugleichen, erklärte die FIS: "Aber das braucht Zeit."