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FIS beschließt umstrittene Langlauf-Revolution

25.05.2022 19:46
Langläuferinnen und Langläufer müssen ab dem kommenden Winter die gleichen Distanzen absolvieren
© FrankHoermann/SVEN SIMON via www.imago-images.de
Langläuferinnen und Langläufer müssen ab dem kommenden Winter die gleichen Distanzen absolvieren

Trotz zahlreicher Gegenstimmen und großer Kritik hat der Weltskiverband FIS am Mittwoch eine weitreichende Änderung für den Langlauf-Weltcup beschlossen. Bei den Athletinnen und Athleten stößt dies auf großen Widerstand. 

Der Vorschlag lag schon länger auf dem Tisch, nun hat ihn die FIS auf ihrer Tagung in Mailand endgültig abgesegnet: Ab der kommenden Langlauf-Weltcupsaison werden Frauen und Männer die gleichen Distanzen laufen. Welche Distanzen im endgültigen Kalender auftauchen werden, steht noch nicht fest. Darüber entscheidet der Weltverband zu einem späteren Zeitpunkt.

Das Langlauf-Komitee hatte schon vor einigen Wochen vorgeschlagen, Rennen über 10, 15, 20 und 50 Kilometer in das Programm aufzunehmen. Die 30 Kilometer der Frauen würden demnach ersatzlos gestrichen. Die Langläuferinnen müssen ab der kommenden Saison also über 50 Kilometer ran, sofern die FIS den Vorschlag durchwinkt. Das wiederum gilt als Formsache. 

Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit allerdings noch nicht gesprochen, denn im Kreis der Athletinnen und Athleten regt sich großer Widerstand gegen die geplante Revolution.

Dem norwegische Rundfunksender "NRK" liegt die von der FIS durchgeführte Umfrage vor, in der sich 114 Sportlerinnen und Sportler aus 25 verschiedenen Nationen mit der durchschnittlichen Weltcup-Erfahrung von sechs Jahren zu der Thematik geäußert haben. Das Ergebnis könnte nicht eindeutiger sein.

Auf die Frage, ob Frauen und Männer künftig die gleichen Distanzen laufen sollen, antworteten 73 Prozent aller Befragten mit Nein. Unter den Frauen ist die Ablehnung noch größer. Hier votierten sogar 88 Prozent aller Befragten gegen den Vorschlag. 

Norwegen-Stars kritisieren neue Regel

Langlauf-Sprecherin Virginia de Martin Topranin zeigte sich von dem Ergebnis der Umfrage gegenüber "NRK" erstaunt und sagte: "Vor ein paar Jahren haben wir fast das Gleiche schon einmal gefragt. Und da waren die Athleten eher für gleiche Distanzen. In diesem Jahr war das Ergebnis plötzlich anders. Das war für uns schon etwas überraschend."

Das Problem in den Augen vieler Läuferinnen: Je größer die Distanzen, desto größer werden die Abstände und langweiliger die Rennen. Diese Entwicklung hatte schon die zurückgetretene Therese Johaug vor einigen Wochen angemahnt. Ihre Teamkollegin Heidi Weng stimmt zu: "Wir brauchen mehr Zeit für die gleiche Distanz und sind länger als die Männer unterwegs. Um es spannender zu machen, braucht es Rennen über fünf oder 7,5 Kilometer. Da werden dann mehr Läuferinnen um das Podest kämpfen."