Heute Live
Roland Garros

Spaniens Superstars trennen 16 Jahre - Zverev träumt

Kampf der Generationen? Die Top-Favoriten bei Roland Garros

18.05.2022 14:21
Carlos Alcaraz (l.) will in die Fußstapfen von Rafael Nadal treten
© IMAGO/Mutsu Kawamori
Carlos Alcaraz (l.) will in die Fußstapfen von Rafael Nadal treten

Endlich fliegt der gelbe Filzball wieder durch das Stade Roland Garros. Nach der Qualifikation startet ab dem kommenden Sonntag das Hauptfeld der French Open in das zweite Grand-Slam-Turnier des Tennis-Jahres 2022. Bei den Herren könnte es in diesem Jahr zur großen Wachablösung kommen.

Erst zum zweiten Mal seit 2005 könnte der Sieger nicht Rafael Nadal, Novak Djokovic oder Roger Federer heißen, denn mit Carlos Alcaraz befindet sich ein eines der größten Tennis-Talente der letzten Jahre in absoluter Topform. Wer sind darüber hinaus die heißesten Titelanwärter bei den French Open? 

  • Carlos Alcaraz - der junge Wilde will's wissen

Gerade erst 19 Jahre jung geworden, hat das spanische Top-Talent seit dem letzten Jahr einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Vier Turniersiege stehen in diesem Kalenderjahr auf der ATP-Tour schon zu Buche, darunter zuletzt die beiden Sandplatz-Siege in Barcelona und Madrid. 

Alcaraz begeisterte das heimische Publikum vor allem vor zwei Wochen in der spanischen Hauptstadt, als er auf dem madrilenischen Sand nacheinander Rafael Nadal, Novak Djokovic und Alexander Zverev bezwang. Seit dem ist klar: Dem Teenager ist beim diesjährigen Highlight der Sandplatz-Saison alles zuzutrauen, auch der Sieg im Finale am 5. Juni.

Carlos Alcaraz bezwang in diesem Jahr schon Rafael Nadal und Novak Djokovic auf Sand
Carlos Alcaraz bezwang in diesem Jahr schon Rafael Nadal und Novak Djokovic auf Sand

Alcaraz ist vom Geheimfavoriten längst zum ernsthaften Titelanwärter geworden, kletterte in den letzten Monaten bis auf Platz sechs der Weltrangliste. Der Schützling der einstigen Tennis-Größe Juan Carlos Ferrero verfolgt einen klaren Karriereplan, macht aus seiner großen Vision keinen Hehl: "Ich bin ein Junge, der sich absolut klar über seine Ziele ist. Und ein Ziel ist es, die Nummer eins der Welt zu werden." Die French Open könnten auf dem Weg dahin ein ganz wichtiges Etappenziel werden.

  • Novak Djokovic - die Nummer eins ist wieder da

Rechtzeitig zum zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres ist Novak Djokovic zurück auf der großen Tennis-Bühne, schreibt nach seinen monatelangen Querelen in der Impf-Debatte rund um die Australian Open endlich wieder rein sportliche Schlagzeilen.

Der Djoker triumphierte bei der Roland-Garros-Generalprobe im Rom am letzten Wochenende, überzeugte dabei mit einem glatten Finalsieg (6:0, 7:6) gegen Stefanos Tsitsipas. Es war der erste Turniersieg auf der roten Asche seit dem French-Open-Sieg von vor einem Jahr. 

Novak Djokovic meldete sich mit dem Sieg in Rom zuletzt zurück
Novak Djokovic meldete sich mit dem Sieg in Rom zuletzt zurück

Als Titelverteidiger in Paris steht für den Serben fest: Alles andere als der 21. Grand-Slam-Sieg kommt gar nicht infrage. Im historischen Ranking will Djokovic endlich wieder mit Rafael Nadal gleichziehen, der seit Melbourne mit 21 Grand-Slam-Titeln alleiniger Weltrekord-Halter ist. 

"Ich habe meine Form über die vergangenen Wochen aufgebaut. Es könnte nicht besser sein, als mit einem Titel im Rücken zu Roland Garros zu fahren", war Djokovic die breite Brust nach seinem insgesamt sechsten Titel in Rom anzumerken. Der 34-Jährige ist bereit für sein nächstes Meisterstück.

  • Rafael Nadal - der Rekordchampion reist mit Sorgenfalten an

Als 13-facher Gewinner der French Open ist Rafael Nadal unumstritten der beste Sandplatz-Spieler aller Zeiten. Doch reicht es auch im reifen Tennis-Alter von 35 Jahren und zunehmenden Verletzungssorgen noch einmal zum ganz großen Wurf?

Bis zuletzt mehrten sich die Zweifel, ob der Mallorquiner seine anhaltenden Schmerzen im linken Fuß bis zum Turnierstart einigermaßen in den Griff bekommen wird. Mittlerweile ist längst klar: Nadal wird auch in Paris nur unter Schmerzen aufschlagen können. "Ich bin nicht verletzt, ich lebe mit dieser Verletzung", meinte er in Bezug auf die seit Jahren auftretenden Probleme mit einem Mittelfußknochen. 

Mit Rafael Nadal ist in Paris immer zu rechnen
Mit Rafael Nadal ist in Paris immer zu rechnen

Klar ist aber auch: Keiner besitzt auf der Tennis-Tour ein größeres Kämpferherz als Rafael Nadal. Der König des Sandes wird bei den French Open immer um die Krone mitspielen. Doch der Stier aus Manacor, in 2021 bislang ohne einen Turniersieg auf Sand, musst zunächst sein eigenes Handicap überwinden.

  • Stefanos Tsitsipas - der große Wurf soll endlich gelingen

Novak Djokovic wurde vor einer Woche wieder zum Alptraum-Gegner für den 23-jährigen Griechen, als er ihm im Rom-Finale beim 0:6 und 6:7 eine weitere Lektion auf Sand erteilte. Schon im letzten Jahr musste er sich dem Serben im Roland-Garros-Endspiel beugen, damals aber nach hartem Fünf-Satz-Fight.

Stefanos Tsitsipas ist als Nummer vier der Welt bereit für seinen ersten Grand-Slam-Titel, stand bei den größten Turnieren der Welt immerhin schon viermal im Halbfinale. 

Stefanos Tsitsipas stand in Paris 2021 bereits im Finale
Stefanos Tsitsipas stand in Paris 2021 bereits im Finale

Der Endspiel-Niederlage gegen Djokovic ging auf Sand sein zweiter Triumph in Monte Carlo voraus. Der Athener ist also durchaus in der Form und Verfassung, auch bei Roland Garros wieder richtig weit zu kommen. Ein Aufeinandertreffen mit seinem vermeintlichen Angstgegner droht dieses Mal bereits im Halbfinale. Für Tsitsipas wohl die härteste Prüfung auf dem Weg zu seinem ersten Major-Titel. 

  • Alexander Zverev - Deutschlands Tennis-Star sucht seine Topform

Seit dem großartigen Triumph mit der Olympischen Goldmedaille von Tokio läuft es für die deutsche Nummer eins ziemlich beschwerlich. Turniersiege hat es in 2022 noch keine gegeben, zuletzt reichte es in Rom immerhin bis ins Halbfinale (6:4, 3:6, 3:6 gegen Stefanos Tsitsipas).

Zverev spielt auf der Suche nach seiner Bestform vor allem gegen sich selbst. Der wechselhafte erste Aufschlag, die Unforced Errors und mentale Schwächephasen pflasterten seinen Weg durch eine bislang mäßige Saison. Der Hamburger selbst zeigte sich zuversichtlich: "Paris ist das Turnier, auf das man schaut. Dort möchte ich meine beste Leistung zeigen."

Alexander Zverev sucht 2022 noch seine Top-Form
Alexander Zverev sucht 2022 noch seine Top-Form

Gelingt ihm das, kann der 24-Jährige in Paris jeden schlagen. Zu den heißesten Anwärtern auf die Coupe-des-Mousquetaires-Trophäe gehört Zverev knapp zehn Monate nach Olympia-Gold aber nicht. 

Mats-Yannick Roth