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Peking 2022

Maier verliert Olympia-Bronze - DSV kündigt Nachspiel an

26.02.2022 10:36
Daniela Maier hat ihre Bronzemedaille verloren
© VEGARD GRoTT via www.imago-images.de
Daniela Maier hat ihre Bronzemedaille verloren

Neun Tage nach dem größten Erfolg ihrer Karriere muss Skicrosserin Daniela Maier ihre Bronzemedaille von den Olympischen Winterspielen in Peking wohl doch noch zurückgeben.

Die zuständige Kommission des Internationalen Ski-Verbandes FIS gab einem Protest des Schweizer Skiverbandes Swiss Ski gegen das Resultat des Rennens am 17. Februar statt. Bronze erhält die Schweizerin Fanny Smith, die nach dem Finale von der Jury wegen Behinderung von Maier auf den vierten Platz zurückgestuft worden war.

Die Aberkennung des dritten Platzes ist nicht automatisch gleichbedeutend mit dem Verlust der Olympia-Medaille. Ein mögliches Szenario wäre, dass eine weitere Bronzemedaille vergeben wird.

"Ich bin natürlich erleichtert über diesen Entscheid", wird die Schweizerin in einer offiziellen Mitteilung zitiert. Sie sei stets überzeugt gewesen, keinen Fehler gemacht zu haben: "Gleichzeitig schmerzt es mich aber für Daniela Maier, welche nun die Leidtragende der Situation ist."

Der Deutsche Skiverband wurde von der Entscheidung am Rande der alpinen Weltcup-Rennen in Garmisch-Partenkirchen kalt erwischt, will die Entscheidung der FIS aber nicht so stehen lassen. "Wir werden in Abstimmung mit dem DOSB alle rechtlichen Schritte prüfen", sagte DSV-Sprecher Ralph Eder. 

Das Internationale Olympische Komitee kündigte auf Anfrage an, dass man die Situation bewerten werde, wenn alle Einsprüche abgeschlossen seien.

Schweizer sprechen von "völligen Unsinn"

Maier und Smith hatten sich im olympischen Skicross-Finale am 17. Februar einen harten Zweikampf auf der Strecke geliefert. Smith war kurz vor dem Ziel mit ihrem linken Ski in die Fahrlinie von Maier geraten und hatte diese dabei behindert - die FIS wertete dies nun jedoch als eine Berührung, "die nicht zu verhindern gewesen war" und folglich nur eine "Offizielle Warnung" hätte nach sich ziehen dürfen. Eine Warnung zieht allerdings laut Reglement keine weitere Sanktionierung nach sich.

"Das ist sicherlich der härteste Tag meines Lebens. Ich kann die Entscheidung nicht akzeptieren", schrieb die Ex-Weltmeisterin nach dem Rennen, nachdem sie zunächst zurückversetzt wurde. Tatsächlich hatte auch Maier nach dem Zieleinlauf die fragliche Situation nicht als strafwürdig für ihre Konkurrentin angesehen. "Nein, nein, nein, nein, nein", rief sie während der minutenlangen Überprüfung der Szene durch die Rennjury und schüttelte immer wieder den Kopf: "Das war ganz normales Skicross."

Der Schweizer Nationaltrainer Ralph Pfäffli sprach im Anschluss von einem "völligen Unsinn", schätze die Erfolgsaussichten eines Einspruchs aber noch gering ein und fürchtete einen "Tatsachenentscheid". Dennoch ging der Schweizer Verband diesen Schritt.

Der deutsche sportliche Leiter Heli Herdt erklärte in Peking auf einer Presskonferenz noch, warum er kein Nachspiel fürchte: "Die Regel für Kontakt sieht weder eine Protestmöglichkeit vor noch ist die Juryentscheidung anfechtbar. Außerdem wurde sie einstimmig von einem Reviewboard bestätigt." 

Ski Cross (F) 2022

1SchwedenSandra Näslund1. Platz
2KanadaMarielle Thompson2. Platz
3DeutschlandDaniela Maier3. Platz
4SchweizFanny Smith4. Platz