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Peking 2022

Erste deutsche Sportler in der Hochsicherheitszone

Mit Kontroversen und Corona: Olympia-Betrieb fährt hoch

28.01.2022 13:32
Bei den Olympischen Spielen befinden sich die Athleten in einer Blase
© Zoya Rusinova via www.imago-images.de
Bei den Olympischen Spielen befinden sich die Athleten in einer Blase

Die Olympischen Dörfer sind eröffnet, die ersten Athleten eingetroffen: Eine Woche vor der Eröffnungsfeier beginnt der Olympia-Betrieb in Peking - begleitet von Coronasorgen und Kontroversen.

Viel Schnee sah Josef Ferstl nicht. Ein bisschen Puderzucker auf den Hängen filmte der Skirennläufer, als er im Bus hinauf ins olympische Alpin-Zentrum Yanqing fuhr. Viel wichtiger war dem 33-Jährigen aber ohnehin, dass er mit der ersten deutschen Athletengruppe ohne Zwischenfälle in die "Blase" der Winterspiele von Peking gelangte.

Kein positiver Coronatest, am nächsten Morgen ging es mit seinen Alpinkollegen zum Frühstück in die Mensa. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen strikt abgeschottet.

Die Olympia-Mitarbeiter empfingen sie in Schutzanzügen mit Gesichtsschild wie auf einer Intensivstation. Beim Essen teilten Plexiglasscheiben die langen Tischreihen ab.

"Die Covid-Maßnahmen sind wie erwartet stringent", berichtete Alpin-Cheftrainer Christian Schwaiger dem "SID", "aber das Testprozedere ist täglich unkompliziert durchzuführen." Der erste Eindruck in der Hochsicherheitszone vor Ort ist besser als befürchtet: "Wir sind positiv überrascht. Die Unterbringung ist gut, die Sportstätten präsentieren sich auf den ersten Blick in einem sehr guten Zustand."

Experten warnen vor Spionage im Olympischen Dorf

Eine Woche vor der Eröffnungsfeier im "Vogelnest" in Peking fährt der Olympia-Betrieb in den drei Dörfern der Athleten hoch - in "geschlossenen Kreisläufen", hermetisch abgeriegelt vom Rest des Landes, in dem die Regierung ihre No-Covid-Politik mit rigiden Maßnahmen durchsetzt.

Ferstl und Co. sind die ersten der insgesamt 149 deutschen Sportlerinnen und Sportler, die an den umstrittenen Winterspielen in China teilnehmen. Inmitten großer Coronasorgen und Kontroversen um Menschenrechte und befürchtete Überwachung.

Als die ersten Athleten eintrafen, wiederholten IT-Experten und Sicherheitsbehörden in den USA ihre Warnungen. Die Olympia-App "My2022", die jeder Teilnehmende auf das Handy herunterladen soll, zeichne alle Gespräche auf, schrieb der IT-Journalist Jonathan Scott auf Twitter.

Ein früherer CIA-Mitarbeiter rechnet laut "Spiegel" mit Gesichtserkennung im Olympischen Dorf und dem Abhören von Telefonaten und Gesprächen in den Unterkünften. Die Universität Toronto hatte zuvor schon "verheerende" Sicherheitslücken in der Software festgestellt.

Menschenrechtslage in China wird zum Dauerthema

"Viele gehen mit einem mulmigen Gefühl dahin", sagte Maximilian Klein vom Verein Athleten Deutschland im "ZDF"-Morgenmagazin und ergänzte mit Blick auf mögliche Spionage, aber auch die befürchtete Manipulation von Coronatests: "Dem chinesischen Regime ist da einiges zuzutrauen."

Mehrere Länder rieten ihren Sportlern deshalb, keine privaten Smartphones mitzunehmen und stattdessen Wegwerfprodukte zu benutzen.

Vor allem aber die Menschenrechtslage in China, der Umgang mit ethnischen Minderheiten wie Tibeter oder Uiguren, überschattet die Spiele. Nicht nur auf höchster politischer Ebene, auf der die USA und andere westliche Staaten Olympia diplomatisch boykottieren und die Spannungen gewachsen sind.

Zuletzt verbat sich Chinas Außenminister Wang Yi in einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Antony Blinken jede Einmischung.

Auch die Sportlerinnen und Sportler fürchten vor Ort Einschränkungen der Meinungsfreiheit und mögliche Strafen. Äußerungen, die sich "gegen den olympischen Geist richten", könnten geahndet werden, warnte Yang Shu aus dem Organisationskomitee.

"Wir müssen uns die Frage stellen", sagte Klein, "ob die Olympischen Spiele wirklich etwas in einem Land verloren haben, in dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt werden."